280 Ostafrika.
Auch die Wassumbwa sind tüchtige Ackerbauer. Neben den in Unjamwesi gezogenen Feldfrüchten (S. 274) finden wir hier schon in größerer Ausdehnung Bananenhaine, ein Zeichen, daß wir uns dem Kulturkreis des Seen- und Zwischenseengebietes nähern. Auch die Hüttenformen der Wassumbwa zeigen ein Übergangsgebiet an; es sind nicht die Kegelhütten der Wanjamwesi mit zylindrischem Unterbau, sondern die Bienenkorbhütten des westlichen Victoriasees, deren Strohdach bis auf den Boden reicht. Jedes Dorf ist von einem festen Palisadenzaun umringt.
Der feindlichen Abwehr dienen bei den Wassumbwa Speere mit der eleganten Lanzettspitze der Wahumalcmzen, ferner Bogen und Pfeile. Der moderne Handel bringt aber auch Feuerwaffen in großer Menge ins Land. Die schon lange gepflegten Handelsbeziehungen zur Küste und der bewegliche Sinn der Wassumbwa haben seit Jahren der Kleidung, dem Schmuck und den Sitten der Küstenstämme einerseits und der kultivierten Victoriaseevölker anderseits, z. B. Ugandas, Eingang verschafft.
Diese Intelligenz und Anpassungsfähigkeit der Wassumbwa waren auch für die katholischen „Weißen Väter" der Anlaß, sich Anfang der 1890er Jahre an verschiedenen Orten Ussambwas niederzulassen und in Uschirombo die Hauptstation Maria hilf mit dem Bischofssitz zu errichten. Der deutschen Kolonialverwaltung wird es leicht sein, auf der von der Mission geschaffenen Grundlage weiterbauend das entwickelungsfähige Volk der Wassumbwa auch unseren kolonialwirtschaftlichen Zielen entgegenzuführen.
4. Nha.
Bei den Wassumbwa besagt eine Tradition, daß das Volk einst aus dem Nachbarland Uha in seine jetzigen Wohnsitze eingewandert sei. Wie ein langer Keil schiebt sich diese große Landschaft Uha von Süden nach Norden zwischen Ussumbwa im Osten und Urundi im Westen ein. Im Süden und Osten ist das Land eine wellige, von Hügeln besetzte Ebene, die Fortsetzung der großen Rumpfebene von Unjamwesi; im Norden und Westen aber wird es bergig und steigt in immer bewegterem Gelände zum Zentralafrikanischen Schiefergebirge an, das mit der Urundilandschaft Ujogoma beginnt ^310; 124, 132^. Auch Uha fetzt sich aus mehreren Unterlandschaften zusammen: Ujungu, Muhambwe, Uschingo, Luassas Land, Tales Land usw., die sich durch Flüsse und Bäche gegeneinander abgrenzen und von ziemlich selbständigen Häuptlingen beherrscht werden.
Das geologische Grundgerüste Uhas scheint hauptsächlich altkristallinisches Gestein zu sein; aber es ist zum größten Teil begraben unter dichten Deckschichten von roten tonigsandigen Verwitterungsprodukten. Dagegen reicht von Südwesten her eine gut definierte breite Zone von alten Vulkangesteinen, Diabasvarietäten, die alle Stadien der Verwitterung darstellen, in das westliche Uha hinein, teilweise begleitet von jüngeren roten Konglomeraten aus Hornstein, Quarz und kieseligem Zement ^41, 1902; 145/146^, die wahrscheinlich eine alte Wüstenbildung sind, wie die mächtigen roten Sandsteine im Udjidjigebiet (S. 328).
Der verwitterte vulkanische Boden ist ungemein fruchtbar, wenn er reichlich bewässert wird; und an Wasser fehlt es im westlichen, bergigen Uha nicht, denn hier schlagen schon die östlichen Winde, die über das große zentrale Tafelland als Trockenwinde weggezogen sind, mehr Feuchtigkeit nieder, und ganz West-Uha ist daher von zahllosen eiligen Bächen und Flüßchen durchschnitten, die von den regenreichen Bergen Ost-Urundis Herabkommen und