Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
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15. Das zentrale Tafelland. Ussumbwa.

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verläuft auch der Personenverkehr mit Tabora und dem Tafelland über die Ugandabahn und Muansa. Niemand benutzt hierzu mehr die östliche große Karawanenstraße. Aber schon rückt von der deutschen Küste her der magische Schienenstrang näher und näher auf das zentrale Tafelland zu, der mit unwiderstehlicher Gewalt den Verkehr Taboras und des größten Teiles des Tafellandes, mit Ausnahme der dem Victoriasee anliegenden Land­schaften, an sich ziehen und wieder zurück zur deutschen Küste leiten wird. Tabora als vorläufiger Endpunkt der Bahn wird dann in die dritte Periode seiner Entwickelung treten. Diese wird voraussichtlich die jetzige wie die arabische Periode weit an Höhe über­treffen, aber sie wird ihre Zielrichtung nicht wie die jetzige nach Norden, nach fremdem Gebiet, orientieren, sondern wie die erste nach Osten, nach der deutschen Meeresküste; und wieder soll es dann heißen: ex Orients lux!

3. Ussumbwa.

Die eigenartigsten Landschaften des großen Tafellandes und die, welche durch ihre Art und Bewohner das vermittelnde Zwischenglied zwischen dem Tafelland einerseits und dem Victoriasee und dem Zwischenseengebiet anderseits bilden, sind die Landschaften Ussumbwa und Uha im Nordwesten.

Ussumbwa mit seinen Unterlandschaften Uschirombo, Mbogwe, Ugomba, Utcnn- bala, Runsewe usw. ist noch durchweg aus Granit oder granitischem Gneis aufgebaut, wie wir ihu in Unjcnnwesi kennen gelernt haben. Auch sind die Ebenen meist bedeckt mit rötlichen lehmigen oder sandigen Verwitterungsschichten oder mit groben runden Granittrümmern, und nur selten hebt sich darüber ein 300400 m hoher Berg oder Bergzug hinaus.

Sind diese Erhöhungen noch häufig mit Laubwald bestanden, so wechselt in den Ebenen der östlichen Landstriche offene Buschsteppe mit weiten Grasflächen ab. Aber große Strecken sind von bebautem Ackerland der Eingebornen eingenommen, die in diesen frucht­baren Gebieten ziemlich dicht wohnen ^281; 76. 293; 244/245^. Das Land hat, wie Nord- Uha, schon äquatorialen Klimatypus, d. h. zwei hier allerdings nur kurz getrenute Regen­zeiten nebst zwei Trockenzeiten, also eine dem Pflanzenwuchs günstigere Verteilung der Niederschläge als das übrige große, im Passatklima liegende zentrale Tafelland.

Das Gros der Bevölkerung in diesen Landstrichen, die Wassumbwa, sind ein Volk derGruudbantu", das mit den Wanjamwesi große Ähnlichkeit hat. Die Wassumbwa haben sich aber nicht so rasserein erhalten wie die Wanjamwesi. Einst hat die hamitische Völkerwanderung der Wcchuma von Nordwesten her auch Ussumbwa überschwemmt und es mit Ussuwi, Karagwe usw. dem großen Reich des sagenhaften Ruhinda einverleibt; doch haben die Wassumbwa nach Zerfall des Ruhindareiches die Herrschaft der Wahuma ab­geschüttelt und leben heute unter alteinheimischen Bantuhäuptlingen, die ein patriarcha­lisches Regiment führen ^281; 31/32^.

Nicht lange nach dem Abwerfen des Wahumajoches hatten sich die Wassumbwa gegen einen neuen gefährlichen Feind zu wehren, gegen die aus Süden vorgedrungenen Wcmgoni oder Watuta, die sich auf dem Grasplateau von Ugomba festgesetzt hatten und, ver­bündet mit deingroßen Mirambo" (S. 276), von dort aus die umliegenden Länder be­unruhigten. Erst 1895 wurden sie von der deutschen Schutztruppe zu Paaren getrieben und gezwungen, sich im Buschwald von Runsewe anzusiedeln. Hier haben sie sich, untermischt mit anderen Volkselementen, zu friedlichen Ackerbauern umgebildet MO; 122^.