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Ostasrika.
es keine direkten Nachrichten gibt ^104; 436^. Aber auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat Unjamwesi einen mächtigen Herrscher gehabt, den „Napoleon Ostafrikas", Mirambo, der mit seinen gedrillten Kriegerscharen, den Ruga-Ruga, von Nordwesten her das Land eroberte, 1871 die gegen ihn zu Feld ziehenden Araber schlug und Tabora erstürmte. Ihm gelang es auch, die Watuta-Sulu, die seit ca. 1850 vom Njassasee aus plündernd durch Ukonongo, Uwinsa, Usindja bis an den Victoriasee vorgedrungen waren (S. 73), zu bändigen, sie zu seiner Gefolgschaft zu zwingen und sie in den wiesenreichen Landschaften Ugomba und Ugala ansässig zu machen ^291; 269. 100, ii; 139^. Nach Mirambos Tod 1886 zerfiel das durch seine Herrscherfaust zusammengehaltene Reich schnell wieder, und auch der Versuch des Unjanjembefürsten Sike oder Sikki, eine neue Gewalt aufzurichten, scheiterte an der deutscheu Schutztruppe, die 1890 Tabora besetzte.
Seitdem haben es die deutschen Behörden durch kluge Politik verstanden, keinen der Wanjamwesihäuptlinge zu überlegener Macht aufwachsen zu lassen, sondern die Kleinstaaterei zugunsten des allgemeinen Friedens aufrechtzuerhalten. Die gute Wirkung dieser Politik hat sich auch in der Zeit des letzten ostafrikanischen Aufstandes gezeigt, bei dem sich die Wanjamwesi gänzlich ruhig verhielten, da sie einer einheitlichen Organisation entbehrten. Ihre ganze physische und geistige Beanlagung läßt die Wanjamwesi viel mehr zu Werken des Friedens befähigt und bestimmt erscheinen. Trotz mancherlei Schwächen und Laster, vor allem auf sexuellem Gebiet, sind sie erstaunlich ausdauernd in lange währenden Kraftleistungen, wie Lastentragen, und ungemein widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsfe.
Sie find nicht nur tüchtige Ackerbauer und die besten Karawanenträger, sondern auch die besten Arbeiter der europäischen Unternehmungen, namentlich im Plantagenbau; ja noch mehr, sie sind auch selbständige Kolonisten, die mit stiller, aber starker Expansionskraft sich in Landschaften des Innern verbreiten, deren Bewohner den Wanjamwesi an Tüchtigkeit nachstehen, z. B. in Ussagara, Unguru, Ugogo, Umbugwe, Usscmdaui, Turu und anderen s276; 235^, und überall gelangen sie bei den Eingebornen zu großem Einfluß. Schon Stanley hat die hohe kolonisatorische Befähigung und Bedeutung der Wanjamwesi erkannt, als er sie ,Ms eoininZ rg.ee" nannte, und Carl Peters, indem er sie „den Japanern Ostasiens, wenn auch mit anderen Maßen", vergleicht ^37; 228^. Um dieses große Tafelland als Reservoir so vielseitiger wertvoller Kräfte zum Vorteil anderer, weniger gut ausgestatteter Gebiete Deutsch-Ostafrikas und der ganzen Kolonie zu öffnen, ist der Bau einer Eisenbahn das einzige vollwirksame Mittel. Diesem Ziel strebt nun die von Daressalam ausgehende Zentralbahn zu, die Tabora etwa Mitte 1914 erreichen soll.
Sehen wir uns das Herz des Tafellandes, die Landschaft Unjanjembe, mit der politischen und merkantilen Zentrale Tabora etwas näher an und reihen wir daran eine kurze Betrachtung der von dem übrigen Tafelland mannigfach abweichenden nordwestlichen Grenzlandschaften Ufsumbwa und Uha, so vervollständigen wir nicht nur das bisher entworfene Bild von Groß-Unjamwesi, sondern gewinnen auch einen natürlichen Übergang zu den großen Nachbarländern, dem Victoriaseebecken und dem Zwischenseengebiet.
2. Unjanjembe.
U njanje m 0 e, das von allen hungrigen und müden Karawanenleuten heißersehnte Zentrum Unjamwesis, wo die Haupt- und Großstadt Tabora alle dem Schwarzen erdenklichen Genüsse und Freuden verschwenderisch austeilt, ist, bei rnhigem Lichte betrachtet,