Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Ostafrika.

gibt es auf den Hochländern westlich vom Großen Ostafrikanischen Graben in Sonjo, Mutjek, Jraku, Ngoröngoro, Turn, Jramba usw. 15002000 m hohe und noch höhere Land­striche genug, wo auf gut bewässertem weidereicheu Terrain Europäer in kühlem Klima leben, Viehzucht und teilweise auch Ackerbau treiben können. Die tiefer liegenden großen Grassteppen, wie Ndassekera, Wandorobbosteppe, Wembäresteppe, kommen für Europäer wegen des heißen Klimas und der großen Wasserarmut als Siedelgebiet nicht in Betracht, wohl aber teilweise für Viehzucht Farbiger, die unter Kontrolle und für Rechnung von Europäern arbeiten. Die einheimischen Viehrassen müßten durch Kreuzungen mit im­portiertem Vieh verbessert werden. Bis jetzt werden in Ngoröngoro und anderwärts von Europäern hauptsächlich Rinder, Esel und Strauße gezüchtet, doch erscheint auch die Zucht des Wollschafes vielversprechend, wenn das Massaischaf mit Merino gekreuzt wird. Am besten werden erfahrene, kapitalkräftige Viehfarmer vorwärtskommen, denn mit weniger als 20,000 Mark ist schwer etwas zu machen. Der Absatz von Vieh und Viehzuchtprodukten zur Küste ist jedoch für europäischen Betrieb so lange nicht lohnend, als die Nordbahn nicht wenigstens bis zum Meru und die Mittellandbahn bis nach Kilimatinde gebaut ist.

Dann wird auch der Goldbergbau, der im Dioritgebiet von Sekenke am Westfuß des Jrambaplateaus die meiste Aussicht in ganz Ostafrika auf guten Erfolg zu haben scheint, eine schnellere Entwickelung nehmen, denn jetzt sind die technischen Schwierig­keiten wegen mangelnder Verkehrsmittel noch außerordentlich groß. Trotzdem hat die Kironda-Goldminengesellschaft allein im Monat April 1909 für 32,000 Rupien Gold nur durch Kugelmühle gewonnen ^D. O.A.Z. 26. 5. 1909^. Von der Zentralbahn aus wird künftig auf dem leicht zu bewältigenden Terrain eine Straße in 150 Km Sekenke erreichen können. Die geologisch-bergmännische Untersuchung und Prospektorenarbeit, die bis jetzt noch recht wenig betrieben worden ist, verspricht aber noch mehr wertvolle Aufschlüsse in diesem Bruchgebiet wie auch in der geologischen Störungszone um den Victoriasee herum ^50; 231^, die wir S. 283 kennen lernen werden.

3. Ugogo.

Das südlichste der abflußlosen Länder im Gebiet der Großen Ostasrikanischen Bruchstufe ist Ug 0 g 0. Obwohl es ein welliges Hochland von 9001000 m mittlerer Höhe ist, erscheint es doch als eine Senke zwischen den Ussagarabergen im Osten und dem 300400 m, höheren Zentralplateau von Unjamwesi im Westen. Im Osten ziehen wir deshalb seine geographische Grenze am Fuß der Ussagaraberge entlang, mit Einschluß der unbewohnten, wüstenhaften Marenga Mali, im Westen am Steilrand der zum Unjamwesiplateau hinauf­führenden Großen Ostafrikanischen Bruchstufe, während es im Süden vom Kisigo-Ruccha- fluß, im Norden vom Hügelland Ussandaui und der Massaisteppe begrenzt wird.

Im Osten ist der Übergang vom Bergland Ussagara und im Nordosten der Übergang aus der Massaisteppe zu den Ebenen und Hügeln von Ugogo ganz allmählich; einen Ostrand des Großen Ostasrikanischen Grabens gibt es hier nicht. Aber scharf ist der westliche Graben­rand als Westgrenze Ugogos ausgebildet; es ist also eine einseitige Bruchstufe wie schon weiter nördlich (S. 250). Von der Niederung des Bubu- und des Mpondiflusfes steigt das Land von ca. 870 m Höhe in zwei steilen Stufen zum Zentralplateau empor. Auf dem Rand der ersten Stufe liegt die Station Kilimatinde (1120 m), und auf der zweiten fließt der Mabunguru (1300 in). Südlich von Kilimatinde biegt aber der Bruchrand fcharf nach