14. Massailand und Ostafrikanischer Graben.
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1. Ost-Massailand.
Das gewöhnlich Massaisteppe genannte Gebiet zwischen dem Panganifluß, Nord-Useguha und Nord-Unguru einerseits und dem Großen Ostafrikanischen Graben anderseits ist einer der ödesten Landstriche in ganz Deutsch-Ostasrika. Das ganze Gebiet ist eine riesige, ebene oder leicht wellige Fläche, aus der zahlreiche Jnselberge einzeln oder in Gruppen hervorragen; seine Seehöhe schwankt zwischen 600 m im Südosten und 1200 bis 1400 m im Zentrum.
Das Grundgestein dieses Landstriches sind Gneise, die im Durchschnitt östlich bis südöstlich streichen und häufig eine dichte granitische Struktur haben. Wir sehen in Ost-Massai- land eine alte Abtragungsfläche subae'rischer Bildung, deren Bodenwellen mit rotem sandigen Verwitterungslehm bedeckt ist, während in den Talmulden gewöhnlich dunklerer Schwemmboden liegt. Nirgends im ganzen Land gibt es dauernde Bäche. In der Regen- Zeit stehen große Lachen und Tümpel in flachen Bodensenken, in der Trockenzeit aber hält sich Wasser nur in wenigen Mulden und Felslöchern. Trotzdem ist der Osten dieses Gebietes nicht abflußlos zu nennen, denn in der Regenzeit ist er strichweise dem Pangani tributär, wie auch der Verlauf der dortigen, den größten Teil des Jahres ganz trocken liegenden flachen Täler anzeigt ^297, 1906; 296^.
Klimatisch gehört das Gebiet zur Monsunzone, es steht also unter der Herrschaft der wechselnden Nordost- und Südost- bis Südwestwinde und hat zwei Regenzeiten in den Übergangsperioden der beiden Luftströmungen, im März bis Mai und in: November, aber das Land liegt im Regenschatten der Hochländer Kilimandjaro, Pare, Usambara, Unguru, die Trockenzeiten sind äußerst regenarm, und die Jahresmenge der Niederschläge erreicht nicht 750 iruri. In der jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge gehört es mit 2—3 Trockenmonaten im Winter und mit sehr trockenen Sommern zu den beiden von der Natur am schlechtesten bedachten Extremgebieten Deutsch-Ostafrikas; das andere liegt zwischen dem Großen Ostafrikanischen Graben und dem Victoriasee (s. Klimakarte 8). Sehr groß sind die täglichen Temperaturschwankungen. Unterschiede der Tag- und Nachttemperaturen von mehr als 25° sind nicht selten, und im Juni beobachtete man ein Minimum von 4,5°. In der Regenzeit fällt der Regen meist in kurzen, aber heftigen Gewittergüssen. Gerade diese machen, wie in allen wüstenhaften Ländern, die starke Abfchwemmung des durch die großen Temperaturgegenfätze gelockerten Schuttes von den noch vorhandenen Felshügeln und Felsbergen begreiflich.
Die Ungunst des Klimas prägt sich in der dürftigen xerophilen Vegetation des Landes aus. Die Formation der Buschgehölze in ihrer unwirtlichsten Gestalt, der Dornbusch, beherrscht die weitesten Flächen; meist als dichtes, 2—3 m hohes, von Sukkulenten durchsetztes Dorngestrüpp, durch das nur mühsam mit dem Buschmesser Bahn gehauen werden kann. Bisweilen hebt sich eine Akazie, Kigelie oder Dumpalme über das niedere Dickicht. Wo mehr Wasser im Boden steht, da gibt es auch Flächen grünen Grases ^276; 19-21, 123-125^. Nach Nordwesten hin nehmen Zahl und Größe der Grasslächen, die von Schirmakazien und Baobabs überhöht sind, immer mehr zu, aber im Süden, nach Ugogo hin, geht die Buschsteppe an vielen Stellen in die nackte rote Wüste über.
Der größte Teil der Ost-Massaisteppe ist daher zur Nutzung als Viehweide ungeeignet, ganz im Gegensatz zu den Grasländern im Massaihochland westlich des Großen Grabens (S. 262). Aber trotz der großen Wasserarmut und Sterilität entfaltet sich doch in diesen