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Ostafrika.
unterhalb Moschi müßte die Bahn nach Aruscha am Meru fortgesetzt werden, was eine etwa 80 Km lange Endstrecke erfordert. Darüber hinaus aber wird man sich noch längere Zeit anderer Verkehrsmittel bedienen können, um nach den hochgelegenen, gut bevölkerten Viehzuchtgebieten von Jraku, Mutjek, Salek (Sale), Jssanfu usw. zu gelangen, die in ihren höheren Distrikten an vielen Stellen auch von Europäern besiedelt werden können (S. 262).
Außer der Bahnverbindung mit der Küste tut den Pflanzern und Farmern namentlich eine Besserung der Arb eiterv erh ältnisse not.. An sich sind am Kilimandjaro und Mem Arbeitskräfte in den eingebornen Wadschagga und Wameru genug vorhanden, aber diese teilen mit den meisten ostafrikanischen Negern die starke Abneigung gegen alle regelmäßige monatelange Arbeit und laufen, wenn man ihnen höhere Löhne zahlt, nach um fo kürzerer Zeit davon. Ordentlich gearbeitet haben die Kilimandjarobewohner, wie oben gezeigt (S. 238), nur unter ihren despotischen Fürsten und dadurch sich und das Gemeinwesen am meisten gefördert, wie in ganz Afrika von jeher die despotisch regierten Völker und Staaten die am höchsten entwickelten waren. Die dem Kilimandjaro- und Meru- neger auferlegte Hüttensteuer von 3 Rupien jährlich bringt dieser entweder durch Mehrarbeit seiner Weiber und Kinder auf oder durch nur vierzehn Tage Arbeit bei einem Europäer. Daher wird von den weißen Farmern die Einführung eines leichten Arbeitszwanges gefordert, der den Mann persönlich trifft, ohne die schon genug beladenen Weiber stärker zu belasten, und ihn, wie in West-Usambara mit so gutem Erfolg, nötigt, drei Monate im Jahr bei einem Europäer gegen guten Lohn zu arbeiten. Beschränkung der Freizügigkeit, die die Neger schon von ihren Häuptlingen her gewohnt sind, und strenge Bestrafung des Kontraktbruches müßte damit Hand in Hand gehen. Neben die bisherige weitgehende Fürsorge für den Neger wird am Kilimandjaro und Meru wie in Usambara eine nicht minder große Förderung des Weißen und vor allem des deutschen Ansiedlers treten müssen. Unser Ziel, ein bodenständiges deutsches Afrikanertum zu schaffen, das uns nicht nur kolonialwirtschaftlich nützt, sondern auch nationalpolitisch als Stütze unserer Herrschaft und des Friedens im Schutzgebiet hohe Bedeutung hat, kann nur erreicht werden, wenn in den Landstrichen, wo die Natur eine Seßhaftmachung deutscher Siedler erlaubt, das Interesse des Negers hinter das des Weißen zurückgefetzt wird. In den der deutschen Besiedelung klimatisch verschlossenen, vielhundertmal größeren heißen, tropischen Landschaften ist der Arbeit und Entwickelung der Neger ein desto weiterer Spielraum gegeben.
2. Der Meru.
Auf einer Karte Deutsch-Ostafrikas im gewöhnlichen Maßstab von 1: 5,000,000 oder 1:6,000,000 scheinen die beiden großen Vulkanberge Kilimandjaro und Meru im Nordosten unseres Schutzgebietes so nahe beieinander zu liegen, daß man meinen könnte, sie träten auch in der Landschaft als eine gemeinsame große Berggruppe auf. Das ist aber nicht der Fall. Bei 70 Km Distanz der beiden Hauptgipfel sind beide Berge doch so weit voneinander entfernt, daß man nur bei klarem Wetter den einen von den Hängen des anderen gut sehen kann; gewöhnlich sieht man nur eine dunstige, ferne Silhouette. Der Meru ist bei solcher gegenseitigen Betrachtung dem Kilimandjaro gegenüber im Vorteil, weil er als der westlichere sich, vom Kilimandjaro aus gesehen, gegen den in allen Farben des Spektrums aufslammenden Abendhimmel schärfer und satter abhebt als der Kilimandjaro im Osten gegen den fast immer dunstigen Morgenhimmel.