13. Kilimandjaro und Meru.
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Kartoffeln, Zwiebeln ufw., denn darin wird bei größerer Zahl von Produzenten das Angebot in Deutsch-Ostafrika bald größer sein als die Nachfrage, fondern subtropische Nutz- und Genußpflanzen, wie Mais, Kaffee, Gerberakazienrinde, Kampfer und dergleichen, die im Kleinbetrieb ebensogut gezogen werden können wie im Plantagenbau und besser als in Eingebornenkulturen, und die sich stets mit Gewinn an Großhändler verkaufen oder direkt exportieren lassen, wenn sie per Straße und Bahn mit geringen Frachtkosten an die Küste gebracht werden können. So sind die Vorbedingungen gegeben für die Schaffung einer langen, wenn auch streckenweise unterbrochenen deutschen Siedelzone von Ost-Usambara bis nahe an den Kilimandjaro, wo ein weiteres deutsches Siedelgebiet beginnt (S. 239). Nicht nur wirtschaftlich, auch politisch und strategisch wird eine solche Phalanx bodenständiger Deutsch-Afrikaner von größter Bedeutung für das Schutzgebiet und die Heimat sein.
13. Der KiLimctnözcrro und Meru.
Wenn wir die geologische Karte von Deutsch-Ostafrika überblicken, bemerken wir drei große jungvulkanische Gebiete in unserem Land, die weit voneinander getrennt liegen: das erste im Norden des Njassasees, das zweite im Nordosten des Kiwusees und das dritte zwischen dem Victoriasee und der Küste des Indischen Ozeans. Diese drei Vulkanländer stellen die Gebiete größter mittlerer Höhe Deutsch-Ostafrikas dar, denn sie sind wegen ihrer Jugend noch wenig abgetragen, während das übrige, meist viel ältere Land durch zerstörende Kräfte start erniedrigt ist. Die höchsten Erhebungen in diesen drei Vulkangebieten find der Kilimandjaro (6010 in)^ und sein Nachbar Meru (4630 rn).
* Die Höhenzahl 6010 m für die Kaiser-Wilhelm-Spitze des Kibo ist von Ernst Wagner auf Grund meiner bei der Gipfelersteigung 1889 ausgeführten Aneroidmessungen berechnet worden (f. Ostafrikanische Gletscherfahrten, Berlin 1890, Anhang 9, und Peterin. Mitt. 1893, S. 62-66, 82—83, 97-102, 152). Vorher (1887) hatte L. von Höhnel bei der Kilimandjaroreise des Grafen S. Teleki die höchste Kibospitze trigonometrisch auf 6130 in berechuct (Beiträge zur geologischen Kenntnis des östlichen Afrika, Wien 1891, Sonderabdrnck S. 6, und Pcterin. Mitt., Ergänz.-H. 99, S. 4), wobei die früheren trigonometrischen Messungen O. Kerstens (1862, v. d. Deckens Expedition) nnt verwandt wurden. Kerstcn hat „deu Westgipfcl" Kibo achtmal trigonometrisch gemessen, sein Kollege N. Thornton 1861 sechsmal' Kersleu erhält eine mittlere Höhe von 5694 zu, Thornton 5564,« w, aber Thorntons Messungen sind, wie Kerstcn nachweist, sehr ungenau (Baron C. v. d. Deckens Reisen in Ostafrika, 1379, Bd. III, 3. Abteil., 3. Kapitel, S. 85). Jedoch auch von seinen eignen Messungen gibt Kerstcn die Möglichkeit zu, daß nicht immer derselbe Punkt visiert worden, und baß mehrmals nicht der Gipfel selbst, sondern ein ihn verdeckender näherer und niedrigerer Punkt gemessen worden sei (a. a. O., S. 83). Dieser Irrtum, daß anstatt des höchsten Punktes ein vorliegender niedrigerer als „Kibogipscl" gemessen wurde, ist offenbar auch bei den jüngsten, von der deutsch-englischen Greuzkommission 1904/05 ausgeführten trigonometrischen Messuugen vorgefallen. Der Berg wurde aus Weste« anvisiert. Die englischen Topographen haben nun den Gipfel zu 19,318 Fuß 5892 ra gemessen uud geben an, daß sich die Messung auf „deu höchsten Pnnkt des schneebedeckten KraterraudeS" beziehe ((Zeosr. Journal 1907, Bd. 30, S. 78; mit Karte). Die deutschen Kommissare haben eine Höhe von 5888 ur gemessen. Ausgangspunkt der Messungen ist der 1259 ru hohe, am Nordwcstfuß des Kibo liegende Loirugurugohügel. Dieser Staudort ist ca. 50 iu Luftlinie von der Kaiser-Wilhelm-Spitze entfernt bei einer Höhendifferenz von rnnd 4750 ra (Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten 1907, S. 211). Das ist eine Entfernung uud eine Höhendifferenz, die der Genauigkeit der Messung sehr stark Abbruch tut. Schon die in der Denkschrift selbst betonte Unmöglichkeit, bei Entfernungen von mehr als 20 Kiu den Refraktionskoeffizienten zu bestimmen (Mitt. deutsch. Schutz. 1907, S. 207), läßt die obige Messung als unzulänglich erscheinen. Auch ist es keineswegs sicher, daß die deutschen und die englischen Kommissare denselben Punkt auf dem langen, breiten Kraterrand gemessen haben; eine Unsicherheit im Messen von Bergen, auf die schon Kohlschütter bei seiner Messung des Ukingagebirges aufmerksam geinacht hat (Mitt. deutsch. Schutz. 1907, S. 106). Ich bezweifle aber überhaupt, daß man von dem Standort
Das Deutsche Kolonialreich. I. ^