Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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13. Der Kilimandjaro.

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an. Vom Südfuß des Meru fällt dann das Gelände allmählich nach Westen auf der Vul­kanlinie Mondul-Meandet-Tarusfero-El Burko-Es Simangor bis zum Großen Ostafri­kanischen Graben ab. Südlich von dieser Linie liegt ein großer Schild älterer Deckenergüsse.

1. Der Kilimandjaro.

DieEntst ehung der Kilimandjarogruppe ^258; 332^ haben wir uns kurz folgender­maßen zu denken. In der postkretazei'schen Zeit, vor der großen neozoischen Klimaschwan­kung, also im Laufe des Tertiärs, hat im Gebiet des heutigen Kilimandjaro-Meru und der Vulkanreihe Mondul-Es Simangor eine starke tektonische Störung stattgefunden, die zum Bruch und zur Zertrümmerung des Landes in viele Schollen geführt hat. Hiermit und hierauf haben fich dünnere Laven in breiter Ausdehnung zu Decken ergossen, und dann haben sich die Ergüsse auf einige wenige Zentren lokalisiert, von wo aus allmählich die ein­zelnen großen Vulkanberge aufgeschichtet worden sind. Am reichlichsten sind diese lokalen Ergüsse an der Stelle des heutigen Kilimandjaro gewesen. Zuerst wurde da der jetzige Ost­gipfel, der Maw ensi (f. Taf. 11, Bild 1), aufgeschüttet, worauf das Eruptionszentrum sich etwas seitlich, wahrscheinlich infolge von Verstopfung des ursprünglichen Ausbruch­schachtes, verlagert hat und der jetzige Westgipfel, der Kib 0, aufgebaut wurde, der eine noch viel jugendlichere Gestalt als der Mawensi hat ^258; 316^. Durch die von zwei Seiten erfolgende Aufschüttung kam ein über 4000 m hoher schildförmiger Unterbau zustande, auf dem die beiden Gipfel Mawensi und Kibo aufgesetzt sind.

Das Hauptgestein des Mawensi ist Feldspatbasalt, während der Kibo im wesent­lichen aus Laven der Gesteinsreihe Rhömbenporphyr-Trachyandesit-Trachydolerit und aus Tuffen zusammengesetzt ist; die Rhombenporphyre sind oberflächlich am verbreitetsten 1/265; 134^. Daß das doppelgipfelige Gebirge zum größten Teil aus geflossener Lava auf­gebaut ist, die im Anfang der Eruptionszeit sehr dünnflüssig sich weit ausbreitete, bei späteren Ausbrüchen immer dickflüssiger wurde und sich immer weniger weit vom Eruptions­zentrum entfernte, sieht man ihm schon an seiner Gestalt an, denn von der Basisebene aus schwingt er sich in einer langen, flachen konkaven Kurve von geradezu architektonischer Schönheit zum Himmel auf. Lose Ausbruchsmassen haben an diesem Baustil des Ge­birges mitgearbeitet; im einzelnen aber ist diese Kurve aus einer Reihe von Stufen zusam­mengesetzt, die von den übereinanderliegenden Lavaströmen und Tuffanhäufungen gebildet werden und in großen Zügen folgenden Stufenbau des Gebirges ergeben: 1) erste Flachstufe 11001800 in, Dschaggaland; 2) erste Steilstufe 18003000 m, Urwaldzone; 3) zweite Flach­stufe 30004400 in, alpine Gras- und Staudenzone; 4) zweite Steilstufe 44006000 in, Gipfel. Nach Westen läuft vom Fuß des Kibokegels bei ca. 4300 in ein durch Erosion tief zer­schnittener Bergkamm aus, das Schiragebirge, offenbar ein älterer Bestandteil des Kilima­ndjaro, der von den Eruptionen des Kibo großenteils zugeschüttet worden ist 1/258; 304.265; 136^.

Jüngere seitliche, viel schwächere Eruptionen haben an den beiden großen Gipfel- Pyramiden wie auf dem breiten, schildförmigen Unterbau zahlreiche Lavaströme ergossen oder Tuffhügel aufgeschüttet, die eine Menge radialer und peripherischer Sekundärzonen dem Gebirgsstock angliedern, ohne aber seine Gestalt im ganzen wesentlich zu verändern. Solche radialen oder peripherischen Sekundärzonen bilden, resp, trennen in den unteren Regionen des Kilimandjaro die Hauptlandschaften der Wadschagga.

Der außerordentlich gleichmäßige Schichtenbau des großen Vulkanes, der sowohl

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