12. Das nördliche Randgebirge. — Unguru.
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anderer Unternehmer machen hier gute Fortschritte. Das ganze Gelände zwischen dem Matafluß und Ussagara beiderseits von: Mukondokwafluß kommt für Baumwolle in Betracht. Es steigt vom Mkatasluß nach Kilossa hin etwa 100 in. langsam an und kann vom Mukondokwa aus, dessen Gewässer im Mukondokwatal gestaut und dadurch zu regelmäßigem Abfluß während des ganzen Jahres gebracht werden können, meilenweit systematisch bewässert werden.
Seit Mitte 1909 verkehren die Züge der Zentralbahn bis Kilossa, nachdem Ende 1907 der volle Betrieb bis Morogoro eröffnet war, und Kilossa ist damit ein aufblühendes Kolonialstädtchen mit allen Erfordernissen und Begleiterscheinungen des Bahnverkehrs geworden. Ein Jahr später wird man fchon durch das Mukondokwatal Ussagaras nach Mvavua fahren können, und an die Bahn werden sich ganz von selbst Zuführungsstraßen aus den Bergen Nord- und Süd-Ussagaras anschließen.
Mvavua am Westfuß der Ussagaraberge ist zwar politisch der Hauptort von Ugogo, aber geographisch gehört es durch seine Lage noch zu Ussagara. Als letzte Verpflegungsstätte für die durch das wüstenhafte Ugogo westwärts nach Unjamwesi oder nordwärts nach Jrangi ziehenden Karawanen war Mvavua seit langem ein wichtiger Verkehrsplatz und wird dies auch für die Eisenbahn bleiben als westlicher Endpunkt des Durchganges durch das Ussagarahochlcmd. Von Bergen und Hügeln mit grasarmer Baumsteppe umgeben, liegt Mvavua in einer ungesunden Mulde, aller landschaftlichen Vorzüge bar (f. Taf. 9, Bild 1). Um das starke Fort gruppieren sich die Häuser von Beamten, Militär und Händlern und die Hütten der Eingebornen. Neuerdings wird von Deutschen in Mvavua rationelle Viehzucht mit Butterexport in die Kolonie getrieben.
Streifen wir zum Schluß noch die Frage, ob und wo Ussagara auch für europäische dauernde Besiedeln ng in Betracht kommen könnte, so läßt sich kurz erwidern, daß die bis über 2000 m hohen Zentralerhebungen Süd- und Nord-Ussagaras nicht von solcher Möglichkeit ausgeschlossen sind. Es ist wahrscheinlich, daß sich in den weniger feuchten Lagen der dortigen Hochweidegebiete Europäer ganz wohl fühlen werden und namentlich durch Viehzucht wie Gemüsebau bestehen können, sobald die Eisenbahn Ussagara durchschneidet, also in sehr baldiger Zeit ^233; 219^.
2. Unguru.
Das nördlich an das Ussagarahochland angrenzende Ungurugebirge ist eins der schönsten, ja vielleicht das schönste in ganz Ostafrika. Selbst dem mit Recht gepriesenen Ulugurugebirge, das fast dieselben .Höhenverhältnisse wie Unguru hat, ist es durch seine reiche Gliederung, seinen Wasserreichtum, die Schönheit seiner Landschaftsformen und den größeren Umfang der Waldungen überlegen. Am großartigsten ist das Bergbild von Südosten gesehen. Wer sich von der dürren Useguhasteppe an: Wami her dem Hochland nähert, tritt nahe dem Lualeflüßchen wie mit einem Zauberschlag in völlig anderes Land. Alles ist in prachtvolles Grün gekleidet; kaum ein Fleck Boden, der nicht unter Kultur steht. Und hinter diesem grünen Land steigt die hohe Gneismasse der südlichen Unguruberge aus, an ihren unteren Abhängen mit prachtvollem Wald bewachsen, der in den Schluchten bis hoch in die Berge hinaufklettert ^185; 160^. Die Gipfel und Kämme sind tagelang in Wolken und Nebel gehüllt. Von ihnen eilen zahllose in der Sonne blitzende Gießbäche zu Tal, Tributäre der Flüßchen Luale, Mdehonga, Kiwadi, Mkindo, die sich unten zum