12. Das nördliche Randgebirge. — Ussagara.
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auf den windgetroffenen Osthüngen einigen Höhenwald, die Rubehoberge und Zentral- Unguru auch auf mehreren Kämmen und Gipfeln; Unguru allein aber etwas tropischen Regenwald in den unteren wärmeren Lagen der mittleren Ostseite (S. 200).
Auch in der Fauna kommt die Verschiedenheit der Ussagaraberge und der Unguru- berge zum Ausdruck, denn tiergeographisch gehört (nach Matschte) Ussagara südlich von der Wasserscheide der Rubehoberge zum Gebiet des mittleren Ruaha-Rufidji, nördlich von jener Wasserscheide zum Gebiet des Mukondokwa, in welchem Gattungen des östlichen Sudän mit solchen des Somalilandes und der Mocambiqueküste gemischt sind. Dagegen ist Unguru dem Tierverbreitungsgebiet des Wann und Kingani, also demselben Gebiet wie die Uluguru- berge, Ukami und Useguha, zuzuteilen (s. Karte der Tierverbreitung im Anhang).
Die große Mehrzahl der Eingebornen dieser Nordhülfte des Ostafrikanischen Randgebirges, die Wafsagara und Wanguru, gehören zur großen Familie der „Grund- bantu" und sind in Physis, Sprache und Kultur nahe verwandt mit den benachbarten Wakhutu, Wakami, Waseguha, Waschambaa usw. Aber ihre Zwischenlage zwischen den von Norden und von Süden vordringenden Völkerwellen der Wakuasi, Massai und der Wahehe einerseits, und zwischen den räuberischen Wagogo in: Westen und den von den Arabern zur Sklavenjagd angestachelten Waseguha im Osten anderseits hat sie so schweren Verfolgungen preisgegeben, daß die meisten ihrer Stämme zu einem armseligen, scheuen Geschlecht degeneriert sind. Am schwersten hatten sie von den Wahehe zu leiden, die, selbst Bergbewohner, den fliehenden Wafsagara bis in die äußersten Winkel ihrer bergigen Rückzugsgebiete gefolgt find. In diefem körperlich, geistig und wirtschaftlich herabgekommenen, allseits eingeengten und bedrückten Volk einen „schönen, friedlichen und entwickelungsfähigen Stamm" zu fehen, konnte nur dem Enthusiasmus unserer ersten Kolonialpioniere gelingen ^37; 251^.
Wie allerwärts in den Wohnsitzen schwacher Völker, so hat sich auch hier durch eindringende stärkere Elemente, namentlich an der Peripherie und an den Durchgangsstraßen, ein Völkergemisch ausgebildet, an dem alle umwohnenden Stämme (Wakamba, Wakuasi, Wakaguru usw.) Anteil haben und dazu noch zahlreiche mit dem Karawanenverkehr von weiterher gekommene Bestandteile, wie Wanjamwesi, Wasuaheli, Araber, Inder und andere.
Versuchen wir, uns vom landschaftlichen Charakter Ussagaras und Ungurus und von dem Leben seiner Bewohner in der Landschaft ein etwas vollständigeres Bild zu machen.
1. Ussagara.
Kein anderes ostafrikanisches Land ist von so vielen Reisenden so glühend gepriesen worden wie Ussagara. Zum guten Teil hat dies seinen Grund darin, daß kein anderes Bergland Ostafrikas so oft von Reisenden auf den großen ins Innere führenden Karawanenstraßen durchwandert werden mußte, und daß somit jeder Reisende nach den ermüdenden Märschen durch die heißen Steppenebenen die erquickende Frische der Berglnft und des rinnenden Wassers, das saftige Grün des Busches und der Grasmatten, die schönen Linien und Farben der Gebirgszüge mit verdoppelter Genußfreude empfand. Für Carl Peters, der hier 1884 die erste deutsche Flagge hißte, ist „dieses entzückende Land eine der wunderbarsten Schöpfungen afrikanischer Natur, wo alles an die schönen Berge Thüringens, an Neckar und Rhein und andere liebe Landschaftsbilder der nordischen Heimat erinnert" ^37; 248^. Solche subjektive Begeisterung hält freilich der Wirklichkeit gegenüber nicht stand. Aber auch ein so objektiver Beobachter wie Stuhlmann sieht in den „romantischen"
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