Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

die Massaiüberfälle zu schützen vermochte. Als Waffen führten die Waseguha früher ziem­lich große Speere, Bogen und Pfeile, jetzt meist Vorderlader. Beibehalten ist jedoch das kurze Schwert der Massaiform.

Alle Dörfer der Waseguha liegen entweder in einem der undurchdringlich ver­filzten Buschdickichte oder innerhalb eines doppelten hohen Palisadenzaunes, der durch ein solides Balkentor bei Feindesgefnhr zu verschließen ist. Jeder Komplex von Dörfern, oft auch jedes Dorf allein, steht unter einem besonderen Häuptling, dessen Autorität über seine Untertanen aber gering ist. Die Hütten haben gewöhnlich die uns schon von den Wasaramo und Wakwere her bekannte niedrige, einer großen Schildkröte ähnliche Kegel­form mit zylindrischein Unterbau W5; 153^, doch kommen auch höhere Formen vor.

Getreide liefert den Waseguha fast ausschließlich die Nahrung; Jagd und Fischerei nur in geringem Maße. Auch die Viehzucht, die unter dem Druck der Mcissaigefahr sehr vernachlässigt war, hält sich, obwohl seit über einem Jahrzehnt keine Massai-Einfälle mehr drohen, noch in engen Grenzen, auch darum, weil am Wann stellenweise die Tsetse vor­kommt. Nur Ziegen, Fettschwanzschafe und Hühner gibt es in größerer Menge. Im Ackerbau aber leisten die Waseguha viel, und zwar bauen sie im trockeneren Nord-Useguha fast nur Sorghum und Mais (s. Taf. 7, Bild 3), im etwas feuchteren Süd-Useguha und an den Flüssen auch Bohnen, Bataten, Maniok, Erbsen, Kürbisse, knassolus munZo, Sesam und anderes.

Da die Waseguha weit über ihren eigenen Bedarf Feldfrüchte erzeugen, treiben sie einen recht lebhaften Getreidehandel nach Sadani und Pangani, und da sie von den zahl­reichen, das Land durchwandernden Suahelihändlern die Geschäftspraktiken gut kennen gelernt haben, unternehmen fie auch selbst Karawanenzüge ins fernere Inland nach Jrangi, Irak: usw., um Vieh und Elfenbein zu erhandeln. Der rege Unternehmungsgeist zeigt sich ferner darin, daß die Waseguha, obwohl in ihrem Lande Platz und Ackerboden für das Drei- und Vierfache der jetzigen Bevölkerung ist, sich in die Nachbargebiete ausbreiten und namentlich nach Norden bis an den Fuß Usambaras ihre Kolonien vorschieben. Wir werden sie dort am Panganifluß (Waruwu), am Mkomasi und in Bond ei als standhafte Eindring­linge kennen lernen (S. 169, 221).

In dieser gesunden Expansionskrast der Waseguha, in ihrem lebhaften Erwerbssinn und in der reichen Ertragsfähigkeit des fleißig bebauten Bodens liegt der nicht gering zu schätzende kolonialwirtschaftliche Wert dieser Landschaft. Wenn auch in den Niederungen des Wann die mit Erfolg begonnene plantagenmäßige Baumwollkultur zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, wird es doch wahrscheinlich nicht minder der Getreide- und Ölfrucht­bau der Eingebornen sein, in dem die kolonialwirtschaftliche Zukunft dieses Landes liegt.

5. Bonder und Digo.

Das nördlichste Stück unseres Küstenhinterlandes zwischen der Küstenstufe und dem Ufambaragebirge einerseits und dem Panganifluß und dem Umba anderseits nehmen die beiden kleinen Hügellandschaften Bondei' und Digo ein, von denen das südlichere, vom Pangani bis zum Sigi reichende Bondei die höhere (bis 400 rri), das nördlichere, vom Sigi bis an den Umba und darüber hinaus ins britische Gebiet sich erstreckende Digo das niedrigere (bis 150 in) ist.

a) Bondei hebt sich als eine hügelige Gneismajse mit einer ausgeprägten, ca. 150 in hohen Stufe aus den der Küstenzone angehörenden oberjurassischen Kalken und