Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

wo kurz vorher freies Fahrwasser gewesen ist, infolge endlich der enormen Unterschiede in der Wasserführung zur Trocken- und zur Regenzeit außerordentlich schwierig sein und oft Unterbrechungen erleiden, die nicht nur nach Tagen, sondern in der Trockenzeit nach Mo­naten zählen werden. Auch ist es ein schweres, verkehrsstörendes Hindernis, daß diese Wasser­straße durch die ungesundesten Niederungen Deutsch-Ostafrikas führt, die kaum jemand, namentlich nicht neue, nach den Hochländern ziehende europäische Ansiedler durchreisen können, ohne starke Einbuße au Gesundheit, Unternehmungslust und Arbeitskraft zu erleiden.

Erwägen wir dies alles, so werden wir mit Fug und Recht daran zweifeln, daß der Wasserweg des Rufidji je die Bedeutung einer ins weitere Innere führenden Verkehrs­straße gewinnen kann, die auch nur annähernd einer Bahnlinie gleichwertig wäre oder Ersatz für eine solche bieten könnte. Der Wasserweg des Rufidji wird höchst wahrscheinlich, wenn ihn einmal Dampfer befahren, immer nur für den Lokalverkehr einzelner Stromland­schaften und ihres Umlandes Bedeutung haben, aber für die Erschließung der Hochländer Ungoni und Uhehe und des zwischen ihnen und der Küste sich ausdehnenden weiten Küsten­hinterlandes wird es immer nur ein wirksames Mittel geben: eine Südbahn von Kilwa nach Ungoni, und eine Zweiglinie der Daressalamer Mittellandbahn von Ussagara nach Uhehe.

10. Acts noröttche Küstenhinterternö.

Das nördliche K ü st e n h i n t e r l a n d, das sich als eine wellige, mit ver­einzelten Jnselbergstöcken besetzte Ebene vom Rufidji bis an unsere nördliche Landesgrenze, und in Ost-Westrichtung von der über der schmalen Küstenzone aufsteigenden Terrassen­stufe bis an den Fuß der Hochländer Ussagara und Unguru erstreckt, ist eine geographische Einheit, die sich, wie S. 120 ausgeführt ist, in vielen Beziehungen von dem südlich des Rusidji bis an die Südgrenze sich ausdehnenden südlichen Küstenhinterland unterscheidet. Es setzt sich aus den vorwiegend ebenen oder hügeligen Landschaften Khutu, Ukami, Ukwere, Udoe, Ufeguha, Bondel, Digo und aus den darüber aufsteigenden Ulugurubergen und dem niedrigen Randplateau Usaramo zusammen.

Von der Küstenstufe her hebt fich das Land nach Westen bis zur 500 m-Höhenzone am Fuß der Ussagara- und Unguruberge. Die ganze Osthälfte bis an das Ulugurugebirge hin ist bedeckt mit rotem Boden lockerer jüngerer Deckschichten, die in den Landschaften Usaramo, Ost-Ukami, Ukwere am unteren Wamisluß und in Bondei von marinen Jura- Kreideschichten unterbrochen werden. In der Westhälfte aber ist Gneis das vorherrschende Gestein. Die Ulugurugneisberge sind vom Gneismassiv Ussagaras durch die mit Allu- vionen bedeckte Niederung des mittleren Wami (Mkataebene) getrennt, und so charakte­ristische tektonische Verwerfungen sind dort die Randabbrüche Ussagaras einerseits und Ulugurus anderseits, daß man die Uluguruberge für einen durch einen Grabenbruch vom Zentralmassiv getrennten Horst erklärt hat (S. 159, 166).

Von den Ulugurubergen und von den Ussagara-Ungurubergen, die, wie das ganze Ostafrikanische Randgebirge, die Regenfänger der östlichen Winde sind, gehen die beiden größten Flüsse des nördlichen Küstenhinterlandes aus: der bei Bagamojo einmündende Kingani entwässert Uluguru und nimmt vom Usaramoplateau, an dem er nordwestlich entlang läuft, eine Reihe kleiner Zuflüsse auf, während der bei Sadani ins Meer fallende