Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

Von der größten Bedeutung für diese Bergindustrie wie für den sich stark ausbreiten­den Plantagenbau war die Vollendung der Daressalam-Eisenbahn bis an den Nordfuß des Gebirges (s. Taf. 6, Bild 4). Bei Massudi am Ngerengere tritt sie in die Vorberge ein und erreicht durch das reichbebaute Lukondetal das 520 m hoch gelegene Morogoro. Morogoro ist bereits zu einem hübschen, weitgebauten Städtchen von ca. 1300 Ein­wohnern (1908) herangewachsen, mit Bezirksamt, Forstverwaltung, katholischer Mission, Gasthäusern, mehreren europäischen Handelsfirmen, zahlreichen indischen Kleinhändlern usw. Für die umliegenden Baumwollplantagen ist eine Entkernungsanlage in Morogoro ein­gerichtet, außer der großen Otto'schen in Kilossa. Die Mischung der weißen und farbigen Bevölkerungselemente ist hier jetzt bunter als in irgendeinem Küstenplatz.

4. Udoö, Mwere und Useguha.

Den weitaus größten Raum des einförmigen, welligen, von einsamen Jnselbergen überstreuten Küstenhinterlandes zwischen Ukami im Süden, Unguru im Westen, dem Panganifluß im Norden und der Küstenzone im Osten nimmt die Landschaft Useguha ein. Nur im Südosten schieben sich zwischen sie und die Küstenzone die kleinen Land­schaften Ukwere (zwischen Ost-Ukami und der Wasserscheide des unteren Wami) und Udoe (zu beiden Seiten des Wamiunterlanfes bis an den Kinganiunterlauf).

a) Udo e. In Udoe decken jüngere Verwitterungsschichten den Boden, die nur in der Waminiederung und am unteren Kingani vom jurassischen und kretazei'schen Unter­grund durchbrochen sind. Im Nordwesten aber grenzt Udoe an die Gneisberge von Man-, dera, womit die Landschaft Useguha beginnt. Vorwiegende Busch- und Baumgrassteppe überzieht die Hügelwellen auch in Udoe. In der Nähe der Wasserläufe und der in flachen Mulden gegrabenen Wasserlöcher drängt sich die ziemlich spärliche Bevölkerung zusammen und hat dort den Boden gut angebaut, während die Baumsteppe unbesiedelt ist.

Die den benachbarten Wasaramo verwandten Wadoe sind ein eigenartiges Völkchen. Körperlich von mehr als Mittelgröße, von kräftiger Muskulatur und dunkler Hautfarbe, geistig aber wenig rege, unterscheiden sie sich auffallend von der Küstenbevölkerung. Ihre Sprache ist fast ganz gleichlautend mit jener der Wasaramo. Im übrigen aber haben sie in Kleidung (Baumwollenschurz, weiße Perlengürtel), in Bewaffnung (dürftige Lanzen, Bogen und Pfeile, Vorderlader) und in anderen Beziehungen mehr mit den Waseguha gemein. Wie diese, so stellen auch sie ihre runden Kegeldachhütten im Schutze dichter Busch­parzellen zu kleinen Dörfchen zusammen und legen ihre Felder nahe den Dörfern an, wo Sorghum, Mais, Sesam, Erdnüsse, Bohnen, Kürbisse, Maniok, Bataten, Reis und anderes gepflanzt werden. Rinder sind selten; Schafe, Ziegen, Hühner, Moschusenten häusig.

Das seltsamste aber an diesem Stamme ist, daß sich hier noch vor einem Jahrzehnt so nahe der Küste eine Spur von Kannibalismus vorgefunden hat, der schließlich den Charakter einer Zauberprozedur angenommen hatte und darin bestand, daß nach dem Tod des Häuptlings irgendein besonders dunkelhäutiger Fremder totgeschlagen und von einem hierzu bestimmten Stammesgenossen teilweise verzehrt wurde. Aus der Hirnschale wurde für den neuen Häuptling eine Biertrinkschale gemacht ^183, ii; 301^. Diese Bräuche, wie auch die Bezeichnung des Häuptlings als Mueni (Herr) haben die Vermutung hervorgerufen, daß die Wadoe ein aus dem fernen Westen versprengter Stamm seien; doch weiß die Tra­dition der Wadoe nichts von einer solchen Wanderung f187; i«, 33-39^.