Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika,

die Ansiedelungen der Eingebornen nirgends zu größeren Dörfern vereint, sondern die Hütten liegen entweder einzeln oder in kleinen Gruppen über das Land zerstreut. Eigen­tümliche große viereckige, scheunenartige Giebeldachhütten, die neben den Kegelhütten und den Hütten des Küstenstils im Lande nicht selten sind, deuten auf einen älteren fremden Kultureinfluß hin (S. 71). Das Land könnte viel mehr Menschen ernähren; der gute rote, lehmige Sandboden des Plateaus gibt auch bei der geringen Arbeit, die von den Ein­gebornen auf seine Bestellung verwendet wird, guten Ertrag. Außer Maniok, der am wenigsten Ansprüche an Boden und Pflege macht, wird Mais, Sorghum, Strauchbohnen, Kürbisse und anderes gebaut, aber fast gar keine Ölfrüchte; in den Niederungen hingegen auch Reis und Bananen und nach dem Küstengebiet zu Kokospalmen. Die Felder, die gewöhnlich um die Hütten herumliegen, sind namentlich auf der Höhe des Plateaus gut im Stand. An Haustieren gibt es nur wenige Zebnrinder und nicht viel Ziegen und Fettschwanzschafe, aber überall Hühner und Mofchusenten. Besonders charakteristisch für die Bodenkultur Usaramos ist die Verbreitung indischer Fruchtbäume, wie Mango, Papaja, Guajaven, Orangen usw., die weit ins Land hinein kultiviert werden und fast bei keiner Siedelung fehlen: auch Tabak gedeiht üppig ^186; 223. 40; 451. 139, i; 105^. Dieser Einfluß der Küstenkultur ist wahrscheinlich ziemlich alt (S. 77).

Die Wasaram 0, die das Gros der Bevölkerung ausmachen, sind ein friedliches, leidlich gewecktes und kulturfähiges, aber furchtsames Volk, das mit den westlichen Wakhutu eines Stammes zu sein scheint, während die nördlicher sitzenden Wakami mit den Waluguru, Wadoe und Wakwere eine andere Gruppe zu bilden scheinen ^186; 229^.

Im Westen des Plateaus wohnt unter den Wasaramo eine ziemlich große Kolonie von sogenannten Wakamba, die einst das Land bedrückten. Wahrscheinlich gehören sie zu den versprengten Resten des Wakambastammes, die sich auch noch in Ussagara, Unguru, Usambara finden ^186; 229^ und die südlichsten Spuren einer vormaligen nordsüdlichen Völkerbewegung von Bantuhamiten darstellen (s. Taf. 2, Bild 5). Auch von den um­wohnenden Wakhutu, Wakami und Wadoe gibt es viele einzelne kleine Kolonien in Usa- ramo, von denen ebenfalls viele durch feindliche Bedrängung, vor allem durch die Mafiti, in die etwas mehr Schutz bietenden Berge gejagt worden sind.

Indessen auch ohne Not wird das Plateau oft den umliegenden Ebenen wegen seiner natürlichen Eigenschaften vorgezogen worden sein, und ebenso sind sür unsere koloniale Ausnutzung die hohe, sumpffreie Lage des Plateaus, das durch die Höhe etwas gemäßigte Klima, der für viele Kulturen geeignete Rotboden, die leichte Zugänglichkeit von der Küste her und anderes mehr Vorzüge, die nicht unterschätzt werden dürfen.

2. Khnttt.

Westlich des Usaramoplateaus dehnt sich bis an die Rufuta-Namibokoberge im Westen, bis an den Rufidji-Ruaha im Süden und bis an die Südostseite der Uluguruberge im Norden die Landschaft Khutu aus, zum weitaus größten Teil ein ebenes oder welliges Baum­steppenland, aber nordsüdlich durchzogen von den südlichen schmalen Ausläufern des Ulugurugebirges, den bis 700 m hohen Behobeho- und Muabergen, die das monotone Landschaftsbild der großen Khutuebene mit kühnen Formen und üppiger Vegetation unter­brechen. Die östlichen tieferen Ebenen Khutus werden, wie der größte Teil Usaramos, von jüngeren Deckschichten und ausgedehnten Alluvionen des Ruwuoberlaufes und seiner