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Wenn wir ferner schon im Hochwald zahlreiche mit dichtem Haarfilz bekleidete Helichrysen finden, so ist das eine ähnliche Erscheinung, wie etwa das Auftreten des filzig behaarten Gnaphalium norvegicum in feuchten Fichtenwäldern, eine Erscheinung, die eben beweist, dass dichte Haarbekleidung nicht immer ohne Weiteres der Ausdruck eines trockenen Klimas ist.
VIII c. Die Hochwälder im Norden des Kilimandscharo.
Nachdem wir so den am besten erforschten Hochwald des Kilimandscharo kennen gelernt haben, wenden wir uns nordwärts. Ueppiger Hochwald ist nach den Schilderungen v. Höhnel’s und Baumann’s in Kikuju vorhanden, und von 2730 m an soll daselbst das Bambusdickicht, Arundinaria alpina, beginnen. Ueber die spezielle Zusammensetzung dieser Waldflora wissen wir ebenso wenig, wie über diejenige des Kenia. Durch Graf Teleky ist nur festgestellt worden, dass der Hochwald bis etwa zu 2600 m reicht, dass schon um 2400 m Bambusgebüsch, Arundinaria alpina, beginnt, eine fast kontinuirliche Bambuszone bis zu 3048 oder 3100 m folgt, und über dieser die alpine Region sich im Osten bis zu etwa 4200, im Westen bis zu 4600 m erstreckt. Der Wald am Kenia, welcher einestheils einen Gürtel bildet, anderntheils in den Bachläufen und in den Mulden nach abwärts Ausläufer entsendet, besteht aus Juniperus procera und Podocarpus Mannii; er ist lichter und hochstämmiger, als der Wald am Kilimandscharo, der von dem Grafen Teleky auch besucht worden war. Um die Bäume soll nicht so dichtes Untergebüsch vorhanden sein, wie dort, auch soll die erdrückende Menge von epiphytischen Moosen und Flechten an den Bäumen fehlen.
An der benachbarten Aberdarakette ist der Ostabhang besser bewaldet als der Nordabhang, und zwar bis zu 2100 m mit Juniperus procera, Podocarpus Mannii und P. elongata, welche auch reichlich mit Bartflechten behängen sind. An dem flachen Nordabhang treten mehr Tarchonanthus camphoratusj die durch silbergraues Laub ausgezeichneten »Lobeschwa-Bäume « auf, ferner Acocanthera Schimperi, der Morio, einzelne Akazien und Kandelaber- Euphorbien; es geht also hier der Hochwald in Gebirgssteppenwald über.
In dem Hochwaldgebiet zwischen der Aberdarakette und dem Kenia wurden ausser den schon genannten noch folgende Bäume und Sträucher kon- statirt: Calodendron capense, Cluytia lanceolata, Sparmannia abys- sinica, Hypericum lanceolatum und Erica arborea. Von Schlingpflanzen wurden gesammelt: Clematis simensis und CI. Thunbergii, Jasminum abyssinicum und J. auriculatum. Von Stauden und Kräutern: Delphinium macrocentron, Abutilon indicum, Hibiscus crassinervis, Tmpatiens Thomsonii, Cineraria abyssinica, Justicia neglecta, Hypoestes an- tennifera, Leucas massaiensis, Polypodium Phymatodes; am Nordablall der Aberdarakette wurden in dem trockenen Hochwald noch beobachtet: Osyridocarpus Schimperi, Cineraria Schimperi, Crossandra leiki- piensis, Cyanotis longifolia, Pteridella hastata, Asplenum praemorsum, Ceterach cordatum und Loranthus woodfordioides.
Vom Baringo-See zum Hochland von Leikipia aufsteigend, trifft man bei 1677 m auf Hänge, welche mit Juniperus procera bestanden sind, der grösste Theil von Leikipia aber ist mit Grassteppe oder Baumgrassteppe bedeckt.
Auch im W. von Kapte soll das Elgeyo-Gebirge Hochwald tragen. Ferner treten in dem Gebirgsland, welches im SO. die Sukuta-Salzsteppe begrenzt, fort und fort kleine Waldbestände auf, am Lare Lolera bis 2071 m Juniperus procera, reich mit Flechten behängen, darunter aber, wie überall da, wo diese Conifere allein vorkommt, nur gelbes Steppengras.
Ostafrika V. Pflanzenwelt A.
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