culatum auf Bäumen wachsend gefunden wurde, so scheint der von Holst für diese Region angegebene grosse Reichthum an epiphytischen Orchideen und an Loranthaceen, mehr ein lokaler und auf Individuenzahl beruhender, als ein allgemeiner und in Artenzahl sich äussernder zu sein. Endlich sind auch diese Wälder, sowie der Gebirgsbusch durch einen grossen Flechtenreichthum ausgezeichnet. Meterlang hängen von allen Aesten die Bartflechten herunter, und Stamm und Aeste sind vollständig von Flechten bedeckt. Der geschlossene Wald von Juniperus procera heisst Muandara-Wald; er findet sich nicht an den Abhängen gegen die Nyika hin, nur in der Luguluaschlucht steigt er noch ioo m hinab, sonst reicht er nur bis an den Grat der Kämme und befindet sich nur auf der Ost- und Südseite derselben. Von der Mbui-Spitze aus konnte Holst frei nach Nordosten sehen und konstatiren, dass, soweit das Auge reichte, das gelblich-grüne Laub des Juniperus zu sehen war.
Von den übrigen Holzgewächsen sind besonders zu beachten: Podocarpus falcata, bis 80 m hoch, im Magambahochwald, bei Heboma und Mtai, zwischen 1700—1800 m den Hauptbestand bildend, und P. Mannii, sehr reichlich im Magambawalde. Ferner wurden von Sträuchern beobachtet: Berberis Holstii, der B. aristata D.C. von Abyssinien nahestehend; Teclea unifoliata, mit einfachen, lederartigen, länglichen Blättern; Rhamnus Holstii, verwandt mit Rh. Staddo in Abyssinien; Mostuea grandiflora, hauptsächliches Unterholz; Myrsine africana.
In unmittelbarer Nachbarschaft dieser Hochwälder, am Fuss derselben, finden sich ausser den bereits genannten Gehölzen noch: Faurea usambarensis, 15 m hohe Büsche mit lanzettlichen Blättern, wie bei Salix alba, und mit 1,5 dm langen Blüthenständen, ganze Bestände bildend (im Mbalulande); Oehna Holstii, hoher Baumstrauch mit sitzenden, lanzettlichen, gesägten, lederartigen Blättern; Anthospermum usambarense, Strauch mit dicht gedrängten Blattquirlen.
Im Schatten des Waldes finden sich folgende, theilweise auch am Kilimandscharo vorkommende Pflanzen: Aspidium lobatum var. angulare; Asple- num gracillimum; Loxocaphe concinna; Lonchitis hirsuta; Selaginella Kraussiana; Asparagus drepanophyllus; Thalictrum rhynchocarpum; Caesalpinia sepiaria; Euphorbia monticola; Anthriscus sylvestris, Sanicula europaea; Pycnostachys Meyeri; Withania aristata; Brachy- stephanus Holstii, Dischistocalyx laxiflorus; Scabiosa Columbaria (Vllba); Achyrocline Hochstetten (Vlld, Vllba); Helichrysum Kirkii (VII b); Gynura crepidioides, G. Valeriana (VIbß), VIc).
VIIIb. Der Hochwald am Kilimandscharo.
Dieser berühmte Wald, auch Gürtelwald, »Urwald« genannt, ist in den Berichten der Reisenden vielfach besprochen worden; auch haben wir durch die Sammlungen Johnston’s und Dr. Hans Meyer’s einige Kenntniss von seiner Zusammensetzung gehabt; aber ganz wesentlich vervollständigt und auch berichtigt wurden die früheren Schilderungen durch Professor Volkens,*) der wiederholt den Kilimandscharowald nach verschiedenen Richtungen durchstreifte. Das beliebte Wort Urwald, welches an und für sich ja nur einen ursprünglichen, vom Menschen wenig umgestalteten Wald bezeichnet und ebenso für Wälder gemässigter Klimate, wie für Wälder der Tropen gebraucht werden kann, erweckt sehr leicht in dem Laien die Vorstellung von riesenhaften Bäumen, undurchdringlichem Buschwerk und mächtigem Lianengewirr. Alles dies ist aber im Gürtelwald des Kilimandscharo nur vereinzelt und in geringem Maasse vorhanden;
*) G. Volkens: Exkursionen am Kilima-Ndjaro. —■ Verhandl, d. Gesellsch. f. Erdkunde zu Berlin, XXII (1895) S. 152—173.