Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

9 8

die einzelnen Berggipfel meist unterhalb 1900 m fallen, treffen wir im Anschluss an die Buschgehölze häufiger ausgedehntes Grasland und vegetationsarme Berg­kuppen, während am Kilimandscharo, wo sich oberhalb 1900 m eine mächtige, Wasser und Humus spendende Gebirgsmasse erhebt, der Gebirgsbuschwald, von Formen des oberen Tropenwaldes durchsetzt, reichlicher entwickelt ist. Entsprechend dem allgemeinen pflanzengeographischen Gesetz, dass unter sonst gleichen Verhältnissen die bäum- und strauchreichen Regionen in den niederen Gebirgssystemen in geringerer Höhe ihre Grenze finden, als in den höheren, sehen wir auch in dem niederen Usambara ausgedehntes Weideland in einer Höhe auftreten, in welcher am Kilimandscharo noch Buschwald vorherrscht. Ueberhaupt muss man sich daran gewöhnen, bei der Beurtheilung der Formationen mehr Gewicht auf ihre Zusammensetzung, als auf die Höhe ihres Vorkommens zu legen.

VII a. Felsige und strauchlose Formation mit vorherrschenden Flechten

und Erdmoosen.

An trockenen oder steinigen und sonnigen Abhängen wurden (in der Um­gebung von Mlalo) durch Holst folgende Arten gesammelt: Cheilanthes qua- dripinnata, ein Farnkraut mit starren, mehrfach fiedertheiligen Blättern; An- dropogon Nardus var. marginata, Inde der Eingeborenen; A. exothecus und A. amethystinus, von denen die beiden letzteren am Kilimandscharo in viel bedeutenderer Höhe Vorkommen; Scleria hirtella, eine xerophile Cy- peracee; Cassia usambarensis, C. Kirkii und Adenocarpus Mannii, ein Genisteenstrauch, der sowohl am Kilimandscharo, wie im Kamerungebirge ober­halb des Hochwaldes angetroffen wird; Margaretta Holstii, eine Asclepiadacee; Selago Thomsonii, ein etwa 3 cm hoher, von unten buschig verzweigter Halb­strauch; Wahlenbergia virgata, die auch im Nyassa-Gebirgsland verbreitet ist; Conyza stricta, Gnaphalium unionis, Helichrysum Kirkii, H. nitens, eine vollständig von Wollhaaren bedeckte Pflanze mit grossen Köpfchen, Co- reopsis sp., Osteospermum moniliferum, Psiadia arabica, eine strauchige Jnulee, die auch in den Lichtungen des Hochwaldes am Kilimandscharo die Waldbestände umrandet und durch ihre zahlreichen gelben Bliithenköpfe sich oft weithin bemerkbar macht. Der Strauch Myrsine africana und vereinzelte Bäume von Sapium abyssinicum finden sich hier auch noch.

Zwischen Steingeröll wachsen: Habenaria Usambarae, Polystachya Shega (beide bei Mlalo).

An sandigen Abhängen kommen vor: Flragrostis olivacea, Hypoxis villosa, Smithia uguenensis, Lobelia Holstii, überall auf sandigem Boden hoher Abhänge bei Mlalo, dichte Polster bildend, deren zahlreiche traubig an­geordnete rothe Bliithen weithin leuchten.

An halbschattigen Felsen finden sich die Farnkräuter: Mohria caffrorum und Adiantum hispidulum, sowie Senecio Hochstetteri.

An sonnigen F'elsen dagegen tritt die zierliche Selaginella rupestris var. incurva oft massenhaft dieselben überziehend auf; von Farnen Ar- thropteris albopunctata (Via), Pteris Doniana var. pilosa und Pt. has- tata. Flinen eigenartigen Anblick gewähren die 1 m hohen, am Finde einen Schopf von linealen Blättern und einzelne Blütenschösse tragenden Stämmchen einer Barbacenia, die oft massenhaft gesellig vorkommt und mit zahlreichen oberirdischen Wurzeln den oft glatten Felsen aufsitzt. Andere Felspflanzen sind: Albuca P'ischeri, Cyanotis nodiflora, sonst nur in Südafrika und Madagascar; Desmodium barbatum; Crassula abyssinica var. vaginata; Kosteletzkya adoensis. Zu den schönsten Zierden der Felsflora gehört die