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Y c. Der Gebirgssteppenwald oder Mischwald.
Vc«. Uebergangvon der unteren Steppe zum Gebirgsbuschlande oder Bergwald.
An den Flussläufen der tief einschneidenden Gebirgsthäler, namentlich am Nordende des Usambaragebirges, im Bombothal und im oberen Schatusland, mit fruchtbarem, durch die Flüsse und Gebirgsbäche zeitweise befeuchtetem Boden, anderseits aber unter dem Einfluss der heissen Steppenwinde und somit unter dem einer grösseren Lufttrockenheit entwickelt sich die Formation des Gebirgssteppenwaldes. Nach unten geht diese Formation in die Steppe über, während sie sich nach oben meist an den Quellenwald des Gebirges anschliesst. Eine scharfe Grenze der Formation nach unten ist jetzt nicht anzugeben; aufwärts erstrecken sich aber einzelne Formen bis zu 800 m Höhe. Es befindet sich also diese Formation zwischen denselben Grenzen, zwischen welchen bei vollkommen geschützter Lage der feuchte Tropenwald zur Entwicklung kommt. Unter den Holzgewächsen dieses Gebirgssteppenwaldes sind einzelne recht auffallende; so findet sich namentlich hier Encephalartos Hildebrandtii, mit 2 m hohem, dickem, von Blattresten gepanzertem Stamm und sehr dicken Fiederblättern, die einzige »Sagopalme« Deutsch-Ostafrikas, der wir schon in der Baumgrassteppe begegnet sind; in ihrer Gemeinschaft kommen auch hier häufig die schon mehrfach erwähnte Kandelabereuphorbie Euphorbia Nyikae, San- sevieria longiflora (= S. guineensis in Engler, Gliederung der Vegetation von Usambara, S. 39, 40) und Aloe-Arten vor. Die mächtigsten Bäume sind einige Ficus-Arten, wie in den Savannengehölzen des Küstenlandes. Ficus capensis (VI c) erscheint hier als mächtiger Baum (nach Holsts wohl auch zu hoch gegriffener Angabe 70 m hoch); ebenso hoch soll F. exasperata werden, welche aber auch als nur 10 m hoher Baumstrauch auftritt; eine dritte Art dieser Formation ist F. chlamydodora, der Meruno der Eingeborenen. Die Hauptmasse der Gehölze bilden aber die Leguminosen und zwar wiederum Akazien. In grossen Massen kommen vor: Acacia Holstii, ein etwa 6 m hoher Baumstrauch, verwandt mit A. etbaica und A. Catechu (V a), noch bei 800 m als 15—20 m hoher Strauch oder als 25 m hoher Baum. Die Gewinnung des Catechu dürfte sich also hier gewiss lohnen. Ferner kommt hier vor A. usambarensis (V a, V b), als Baumstrauch oder Baum, am Stamm ein Gummi (Magwede) ausschwitzend, das von den Eingeborenen genossen wird; schliesslich findet auch A. pennata (IId, IIIc, Va) erst in dieser Formation ihre obere Grenze. Den Akazien schliessen sich an Dichrostachys nutans (II c, III c, Va); Albizzia fastigiata (Va, Via, VIb), der Mshai der Eingeborenen, A. versicolor, die letztere bisweilen ein 30 m hoher Baum, häufiger Baumstrauch mit doppelt gefiederten Blättern, deren Blättchen bis 6 cm Länge und 2 cm Breite erreichen Erythrina tomentosa, der Mulungu, hier bis 20 m hoch; dagegen sind nur strauchartig Mundulea suberosa (V a) und Crotalaria grandibracteata, die letztere ausgezeichnet durch sehr grosse Carina der Blüthen.
Von Gehölzen anderer Familien sind noch besonders häufig die zu den Sterculiaceen gehörigen Arten von Dombeya, D. Gilgiana (V II ß) und D. reticulata (VIb), ein 6m hoher Baumstrauch, mit grossen, bis 1,5 dm langen weichhaarigen Blättern und schneeweissen Blüthen, massenhaft ganze Abhänge bedeckend; aber auch als alleinstehender grosser Baum. Ungewöhnlich reich vertreten ist ferner die Bignoniacee Stereospermum dentatum als 15 m hoher Baum mit gefiederten, dicht weichhaarigen Blättern. Die übrigen Holzgewächse sind ebenfalls gegen starke Transpiration geschützt: Boscia Holstii,
ein 5 m hoher Capparidaceenstrauch, durch lederartige Beschaffenheit der lineal-länglichen, 5 cm langen Blätter; die anderen durch starke wollige Be-