Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
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fliessenden Bach; die Mehrzahl der Bäche ist oft wenige Stunden nach dem Regen schon wieder trocken.«

Dorniger Steppenbusch, wie der oben geschilderte meist aus Akazien be­stehend, wird auch am Pangani, von der Mündung des Mkomani aufwärts, angetroffen (Graf Pfeil). Auch im inneren Usaramo, auf der Terrainwelle zwischen Dunda und Gonjarogwo-Höhen finden sich nach Stuhlmann Steppenbusch­dickichte und insbesondere Acacienbestände. Südlich vom Ruficlschi jedoch scheinen nach den Berichten der Reisenden Grassteppen, Buschgrassteppen und Baumgrassteppen zu herrschen. Dagegen sind die südlich von Newala (am Rovuma) sich hinziehenden niederen Hügelketten mit Akazienbusch besetzt.

IV e. Der Moriobestand.

Als eine besondere Steppenformation muss der Moriobestand unterschieden werden. Derselbe wird von Acocanthera abyssinica gebildet, welche sowohl in geringerer Höhe, z. B. unweit Taweta, als auch in höheren Lagen, z. B. im Ahlgebirge des Somalilandes, im Kwambuguland von Hoch-Usambara, um 1500 m, zwischen 1800 uud 1900 m am Doenje Lamujo und am Moriobach, südlich von Kikuju, vorkommt. Nach v. Höhnel (Zum Rudolfsee, S. 306) nimmt sich eine Morio-Landschaft sehr eigenthiimlich aus, weil die plump­geformten Gehölze ungemein starr, wie aus Holz geschnitzt aussehen, um so mehr, als sie keine anderen Gewächse unter sich oder in ihrer Nähe zu dulden scheinen und ihre massiven, kugelförmigen Laubkronen auf den nur 1,52,5 m hohen, gedrungenen Stämmen sich rein und scharf von der gelben Steppe abheben. »Die Morios bilden dichte Bestände, fast alle sind von derselben Grösse und haben scheinbar einen dicken Stamm, der jedoch in Wirklichkeit aus vielen dünnen, gewundenen Stämmchen zusammengesetzt ist, die wie Reb­stöcke aussehen«. Die Blätter dieser Apocynacee sind elliptisch, mit kleiner Spitze, dick lederartig und oberseits stark glänzend; in den Blattachseln stehen zahlreiche, 2 cm lange, weissliche oder rosafarbene, lang trichterförmige, angenehm aromatisch duftende Blüthen in verkürzten Dichasien. Dieses äusserst giftige Gehölz liefert den Hauptbestandtheil für das Pfeilgift der Somalis.

IVf. Dex- Euphorbien-Dornbusch.

Im Anschluss an die Obstgartensteppe oder an das Steppenbuschdickicht und oft in das letztere übergehend, besonders gern auf festem und lehmigem Lateritboden, finden wir eine Formation, die in botanischer Beziehung wie die bereits besprochenen Steinsteppen zu den interessantesten Ostafrikas gehört, da ihre Bestandtheile sich in ganz anderer Weise als die meisten des gewöhnlichen Steppenbusches den durch eine lange Trockenperiode hervorgerufenen Bedingungen angepasst haben. Die typischen Gewächse bilden die Strauch- und baumartigen, dunkelblaugrünen, kaktusähnlichen, bisweilen 20 m hohen Kandelaber-Euphorbien, welche keineswegs auf diese Formation beschränkt sind, sondern auch hier und da in die Buschformationen von II, III und V eindringen. Die Aeste dieser Kandelaber-Euphorbien, wohl meist Euphorbia Nyikae, sind oft handbreit und breiter geflügelt und tragen an den vorspringenden Kanten die in Dornen umgewandelten Nebenblätter der abgefallenen Laubblätter. Unter sie mischt sich mit fingerdickem, langgliedrigem, besenartig dicht stehendem Gezweig Euphorbia Tirucalli, auf deren Wurzeln auch die eigenartige Hydnora abyssinica als Schmarotzer erscheint. Stellenweise sind die Euphorbien und auch andere mit ihnen zusammenwachsende Dornsträucher von I-flechten dicht bedeckt, von Usnea barbata var. aspera und U. longissima; auch kommt