Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
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Zweige mit 35 lappigen Blättern entwickelt. Da nach der mündlichen Mit­theilung des Prof. Volkens in solchen Steinsteppen noch zahlreiche succulente Asclepiadaceen Vorkommen sollen, so ist den künftigen Reisenden dringend Beachtung dieser succulenten Gewächse zu empfehlen, zumal dieselben leicht wochenlangen Transport vertragen, und, bei uns kultivirt, zur Bliithe gebracht werden können.

Viel häufiger aber, als solche wüstenartige Steppe, finden sich die nahe verwandten Formationen der Obstgartensteppe, des Dornbusches und des Euphorbiendornbusches, die ich in Folgendem kurz besprechen will, so weit es eben nach den bis jetzt vorliegenden Angaben möglich ist. Welche Ursachen das Auftreten der verschiedenen Steppenformationen bedingen, wird nur von denjenigen Forschern zuverlässig ermittelt werden können, welche mit geo- gnostischen Kenntnissen ausgerüstet, längere Zeit an Ort und Stelle die Boden­verhältnisse untersuchen, sowie über Zeit und Quantum der Niederschläge Er­fahrungen sammeln können.

IVc. Die Obstgartensteppe.

Auf seinem Marsch nach dem Kilimandscharo hatte Dr. Plans Meyer westlich von dem Tarorücken eine meilenweit sich ausdehnende Steppenformation, die er als Obstgartensteppc bezeichnete, angetroffen und dieselbe folgender- maassen charakterisirt: »24 m hohe pyramidenförmige Bäume sind in ziemlich regelmässigen Abständen von 34 m über die Ebene vertheilt und haben in ihrer kurz über dem Boden beginnenden Verzweigung, ihren hellgrauen, viel­fach mit I'lechten bezogenen Stämmen und Aesten, ihrer starren Zweigbildung und ihrer starken Dornentwicklung auffallende Aehnlichkeit mit winterkahlen Holzbirnbäumen. Der zinnoberrothe Lateritboden trägt nur noch an einzelnen Stellen ein wenig Graswuchs; Sträucher und Stauden fehlen. Eine dünne Schlingpflanze mit 1 j %1 m hohem sackförmigem Knollenstamm ist der einzige stete, wenn auch nicht stets häufige Begleiter der Dornenbäume durch die ganzen Landstriche«. Auch Graf Pfeil schildert (in Petermanns Mitteilungen, XXXIV, S. 4) diese Formation und erwähnt, dass in derselben nie Gestrüpp oder Unterholz anzutreffen ist; nur ein Dornbusch mit lockeren Ranken und scharfen Haken kommt hier und da als einzeln stehender Busch vor.

Als Dr. Hans Meyer im December 1889 diese Formation durchwanderte, hatte die Mehrzahl der Bäume ihre ersten Blattspitzen getrieben, an wenigen waren gleichzeitig kleine weisse oder gelbe Bltithenstände ausgeschlagen. Trotz ihres einander ungemein gleichenden äusseren Habitus war nun zu sehen, dass hier drei verschiedene Arten vorhanden sind, von denen ein dreilappblättriger und ein fiederblättriger Dorn auch in dem Trockenwald nach Taro hin ver­treten sind, hier aber die vorwiegenden Leitpflanzen bilden, während die dritte Art, die noch blattlos stand, als neue Erscheinung auftritt. Aus den Samm­lungen Dr. Meyers und J. M. Hildebrandts geht hervor, dass die von ersteren erwähnten dreilappblättrigen Bäumchen zu den Burscraceen Commiphora campestris, C. pilosa, C. Schimperi und zu den Sapindaceen Allophylus alnifolius gehören, welche habituell alle einander ähnlich sind, dass dagegen die Bäumchen und Sträucher mit gefiederten Blättern sich als die Burseracec Boswellia campestris'") die Anacardiacee Odina alata und die schön blühende Leguminose Diphaca Kirkii erweisen. Was endlich die von Dr. Meyer erwähnte Schlingpflanze mit 1 m hohem sackförmigem Knollenstamm

*) Da keine Blüthen und Früchte etwas zweifelhaft.

gesammelt wurden, so ist diese Benennung immer noch