Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
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Formation im Buschvorland verschieden ist, oder aber Ufergehölz entwickelt, dessen Bestandtheile nur noch zum Theil den Charakter der Steppenflora tragen, weil eben das reichlicher vorhandene Bodenwasser den Mangel atmosphärischer Niederschläge ausgleicht. So kommen denn hier auch wieder immergrüne Formen zum Vorschein. Wo besonders günstige Verhältnisse vorhanden sind, wie bei Taweta, entsteht sogar ein üppiger, tropischer Uferwald. Auch an hochgrasigem Alluvialland, welches ich jetzt noch am ehesten mit dem vielfach so verschieden gebrauchten Namen Savanne bezeichnen möchte, fehlt es im Inland nicht und endlich treten daselbst auch fast vegetationslose, wüstenartige Formationen, sowie Salzsteppen auf.

IV a. Die Salzsteppe.

Wie am Meeresstrand durch grösseren Salzgehalt des Bodens die Mehrzahl der im übrigen Küstenland verbreiteten Gewächse ausgeschlossen ist, so ist auch im Binnenland an den Ufern salzhaltiger Seecn und in den mit ihnen in Verbindung stehenden Niederungen, welche früher auch mit. Salzwasscr erfüllt waren, eine äusserst artenarme Vegetation anzutreffen, welche die Formation der Salzsteppe bildet. Solche Salzsteppen von beträchtlicher Ausdehnung sind im Wembere-Graben, die grosse Nyarasa-Steppe, welche sich an den Ufern des Eyassi-Sees fortsetzt, im ostafrikanischen Graben die Steppen an den Ufern des Balangda-Sees im Lande der Mangati, an dem sodahaltigen Manyara-See, die Nguruman-Ebene am Natron-See und die nördlich davon gelegenen Steppen, das Sukutaland, südlich vom Rudolf-See. Nach den Schilderungen von O. Baumann und von Höhnel, welche diese Salzsteppen auf ihren Reisen berührten, bedeckt weisses, glänzendes Salz den vegetationslosen Boden und am Rande der Salz­lager wachsen über mannshohe Fettsträucher (wahrscheinlich Suaeda monoica), mit kurzen, fleischigen, stielrundlichen Blättern, bisweilen in dichten Beständen, so nach von Höhnel (Reise zum Rudolf-See, S. 250260) am Ndschiri-See, wo dieselben von Biiffelheerden gern zum Aufenthalt aufgesucht werden. Anderer­seits findet sich am Rande der Salzflächen, auch am Rande der Salzseeen eine spitzblätterige steife Grasart (wahrscheinlich Sporobolus virginicus).

In der Stuhlmann'sehen Sammlung befindet sich auch, in der von ihm durchquerten, salzhaltigen Wembere-Steppe gesammelt, Tamarix gallica var. nilotica, der einzige Beleg für ein so südliches Vorkommen dieses in Nord­afrika verbreiteten Strauches.

An den Mündungsstellen der trockenen Flussbetten, welche zur Regenzeit den Seeen Wasser zuführen mögen, treten vereinzelte, von Dornen starrende Akazien, hin und wieder auch baumartige Euphorbien auf.

IV b. Graslose oder grasarme und straucharme, wiistenartige Steppe. <z. Wüstenartige Steppen in sandigem oder lehmigem Boden.

An ihrer Peripherie gehen die Salzsteppen des Inlandes meistens in wüsten­artige Steppen über, welche nicht mehr so viel Salz enthalten, dass auf ihnen Suaeda monoica gedeihen könnte, welche aber wegen der in den Salzsee- gebieten herrschenden Trockenheit nur wenigen Arten die Existenz ermöglichen. Die ihre Wurzeln tief in den Boden senkenden Akazien sind es, welche in solchen wüstenähnlichen Steppen vereinzelt auftreten. Im Wembere-Graben finden sich westlich vom Eyassi-See ausgedehnte Flächen mit sandigem oder lehmigem Boden, welche keinen Graswuchs besitzen, aber stellenweise mit (wohl in Folge der vom Eyassi-See her wehenden Sturmwinde) niederliegendem Akaziengestrüpp bedeckt sind (Baumann: Durch Massailand, S. 63).