Versteinerungen der Kreide.
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geologischen Horizont beschränkt sein, sondern bis ins Senon hinaufgehen. In wieweit diese Auffassung berechtigt, will ich hier nicht erörtern. Ich selbst kenne die Art bisher nur aus dem Cenoman.
Ausserdem finden sich unbestimmbare Steinkerne von Lima , Isocardia, Natica, sowie Theile eines anscheinend irregulären Seeigels im Gestein mit den obigen Arten zusammen.
XI. Fundort in der Gemarkung Mtunha, 81 km südwestlich von Dar-es-
Salam (Obere Kreide).
Am Anstiege vom Mikwala-Bache zu der Höhe von Mtunha kommt ein grober, weisser Sandstein mit kalkigem Bindemittel vor, der sehr arm an Fossilien ist. Aus dem ganzen Gebiet hat Bornhardt nur ein Handstück mitbringen können, welches Fossilien führte. Diese sind jedoch so charakteristisch, dass sie zur Bestimmung der Formation genügen. Das Handstück enthielt nämlich zweifellose Reste von Rudisten, und zwar von der Gattung Radiolites. Leider ist das beste Exemplar nicht so gut erhalten, um die Art zufriedenstellend charakterisiren zu können, so dass wir uns vorläufig damit begnügen müssen, den Usaramo-Sandstein zur oberen Kreide schlechthin zu rechnen.
Radiolites cf. angeoides Lam.
Taf. XI, Fig. 3.
1819. Radiolites anyeoides Lamarck, Syst, des anim. sans vert. S. 130.
1847. » » d’Orbigny, Terr. cret. IV. S. 207, Taf. 549.
1866. Sphaerulites » Zittel, Gosaubivalven S. 150. Taf. 25, Fig. 4—12; Taf. 26, Fig. 1—4.
Die kegelförmige, dicke Unterschale trägt auf der Aussenseite Längsfurchen und Rippen, welche gleich breit auf dem wohl erhaltenen Theil der Schale sind. Durch die Verwitterung ist die Struktur der Aussenschale sichtbar. Die innere Schalschicht ist ganz zerstört.
Das von d’Orbigny auf Taf. 549 unter Fig. 3 abgebildete Individuum des oberturonen Radiolites angeoides gleicht der vorliegenden Unterschale am meisten, und es ist wahrscheinlich, dass sie zu dieser Art zu zählen ist.
Aus Afrika ist diese Art sonst noch bekannt aus Algier 1 ) und ferner auch aus dem Kidronthal Palästinas. 2 ) Im Gosauthal und Südfrankreich, wo sie sehr verbreitet ist, kommt sie stets zusammen vor mit Hippurites cornu vaccinum. Letzterer ist allerdings nicht ausschliesslich charakteristisch für Turon, sondern geht bis ins Senon 3 4 ) hinauf.
Der syrische Radiolites syriacus Conrd) ist schmaler und hat zahlreichere Längsrippen und Anwachsstreifen, die ein ausgezeichnetes, feines Gitterwerk erzeugen.
Der aus der indischen oberen Kreide bekannte Radiolites mutabilis Stol. aus der Arrialoor Group 5 ) ist gänzlich verschieden.
In Algier kommen im Cenoman Bänke mit unbestimmbaren Rudisten vor. Ausser der einen Unterschale liegen noch zwei schlechte Bruchstücke vor, von denen man auch nur sagen kann, dass sie zur Gattung Radiolites zu rechnen sind.
9 CoquancI, Geol. et Paleont. cle Constantine. S. 301.
2 ) Fr aas, Geologisches aus dem Orient. I., S. 229.
3 ) Peron, Bull, de la soc. geol. III ser. Bd. 13, 1884—85. S. 239.
4 ) Fr aas, 1 . c. S. 229, Taf. 4, Fig. 7.
5 ) Stoliczka, Cret. Pelec. of Ind. S. 241.