ZWEITE ABHANDLUNG.
Versteinerungen des Jura und der Kreide.
Von Herrn Gottfried Müller in Berlin.
(Hierzu Tafel XIV—XXV.)
Die bisher in den marinen mesozoischen Ablagerungen Deutsch-Ostafrikas gesammelten Faunen gehören nach den von Tornquist 1 ) und Futterer 2 ) an- gestellten palaeontologisch-stratigraphischen Untersuchungen dem Dogger und vorzugsweise dem Malm an. Weiter nördlich in Britisch-Ostafrika war neben jurassischen Bildungen auch das Vorhandensein von Unterer Kreide auf Grund zweier Austern-Arten unter dem von Hildebrandt gesammelten und von Beyrich 3 ) bestimmten Material wahrscheinlich gemacht. Es waren jedoch bis jetzt nur wenig Fundorte mit mesozoischen Versteinerungen im Verhältniss zu dem grossen Gebiet von den nach Deutsch-Ostafrika entsandten Forschern ausgebeutet worden, und die heimgebrachten Suiten z. Th. auch wenig umfangreich, sowohl in Bezug auf die Zahl der Arten wie auch der Individuen, was ja bei der Spärlichkeit der Aufschlüsse u. s. f. auch nicht weiter wunderbar ist. Jede weitere Expedition, die ihr Augenmerk auch auf die Erforschung der geologischen Verhältnisse Ostafrikas richtete, musste den bisherigen Stand der Kenntnisse erweitern.
In besonderem Maasse ist dies auf den Reisen geschehen, die Bornhardt im Aufträge des Gouvernements unseres ostafrikanischen Schutzgebietes unternommen hat. Dank der grossen Sorgfalt, die Bornhardt neben den praktischen Aufgaben auf die geologische Erforschung des Landes verwandt hat, ist es ihm gelungen, 31 Fundorte von mesozoischen marinen Versteinerungen zu ermitteln, die dem Jura und der Kreide angehören.
Die von Bornhardt von den entdeckten Fundorten heimgebrachten Suiten sind natürlich nicht alle gleichwerthig in Bezug auf die Erhaltung und Zahl der Arten wie Individuen. Während es ihm an einer Stelle nur gelang, Bruchstücke eines Fossils aufzufinden, welches jedoch zuweilen zur annähernden Bestimmung des Horizonts ausreichte, konnte er von anderen zahlreiche und z. Th. gut erhaltene Formen heimschaffen. Die Mehrzahl derselben ist mit Schale erhalten, wenn es auch nicht immer gelang, dieselbe mit herauszupräpariren.
Da zahlreiche Horizonte vertreten sind, war die Untersuchung vieler Formen sehr zeitraubend, und auch dann waren die Ergebnisse nicht immer derartig sichere, dass sie allein zur Bestimmung des Horizontes genügt hätten. In solchen
*) Fragmente einer Oxford-Fauna von Mtaru in Deutsch-Ostafrika. Hamburg 1893.
2 ) Beiträge zur Kenntniss des Jura in Ostafrika. Berlin 1894. Z. D. geol. Ges.
s ) Monatsher. d. Berl. Ak. 1877 S. 96; 1S78 S. 767.