Versteinerungen der Kreide.
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Im südlichen Indien gehören die von Stoliczka beschriebenen Nerineen der Utatur Group an, was den Bornhardt’schen Beobachtungen eine gewisse Stütze giebt. Auch von Madagascar hält Fischer 1 ) eine Nerinea mit breiter Basis für cretaceisch. Dieses wird allerdings durch die Newton’schen Listen nicht bestätigt.
X. Fundort in der Gemarkung Kigua, 41 km westlich von Bagamoyo
(Cenoman).
Die mitgebrachten Handstücke sind zwar sehr fossilreich, doch hissen sich die Versteinerungen leider nicht herauspräpariren, da das Gestein ein sehr zäher Kalksandstein mit reichem, kalkigem Bindemittel ist. Neben den Quarzkörnern erkennt man feine Glimmerschüppchen. Ausser einem hellbraunen kommt ein rothbraunes Gestein vor, eine Folge seines höheren Gehalts an Eisen und geringerem, kalkigem Bindemittel. Ein Handstück ist ein grauer, dichter Kalksandstein mit sehr reichem, kalkigem Bindemittel.
Neben Abdrücken von einer unbestimmbaren Koralle sind es hauptsächlich Zweischaler und unter diesen wiederum vorwiegend Monomyarier, welche die Ablagerungen kennzeichnen, und zwar die Gattungen Ostrca, Exogyra, Vola und Lima. Doch waren nur zwei Formen genügend bestimmbar, da diese aus dem Gestein so gut herausgewittert waren, dass eine Präparation möglich war. Es sind dies die Arten: Vola quinquecostata Sow. und Exogyra Columba Lam. Beide Formen sind allerdings nicht hinreichend, um einen bestimmten Horizont mit absoluter Sicherheit feststellen zu können. Doch dürfte das Zusammenvorkommen beider auf einem Handstück genügen, um den Nachweis zu führen, dass die Schichten der Oberkreide angehören. Vola quinquecostata tritt freilich schon im Gault 2 ) auf. Die Art ist jedoch besonders charakteristisch für das Cenoman und in dieser Stufe am häufigsten. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass Vola quinquecostata mit Exogyra Columba zusammen gefunden ist, deren Lager auch hauptsächlich 3 ) cenomane Bildungen sind, so dürfte es am nächsten liegen, die Kalksandsteine des Kigua-Hügels zum Cenoman zü stellen.
Vola quinquecostata Sow. sp.
Taf. XXIV, Fig. 1.
1814. Pecten quinquecostatus Sowerby, Min. Conch. I, Taf. 56, Fig. 4—8.
1835— 4 °- Pecten quinquecostatus Goldfuss, Petr. Germ. II, S. 55, Taf. 93, Fig. 1.
1843. Janira quinquecostata d’Orbigny, Terr. cret. III, S. 632, Taf. 444, Fig. 1—5.
1855. Pecten quinquecostatus Baily, Cret. fossils from S.Africa (Natal), Journ.of geol. Soc. Bd.XI,S.4Ö2. 1875. Vota quinquecostata Geinitz, Elbthalgebirge I, S. 201, Taf. 45, Fig. 8, 9; II, Taf. io, Fig. 17, iS.
Schale ungleichklappig, oval-dreieckig. Die rechte Schale ist hochgewölbt mit eingekrümmtem, weit über den Schlossrand hervorragendem Wirbel. Die Oberfläche zeigt radiale Rippen sowie feine, dicht stehende, konzentrische Linien, die namentlich bei Jugendexemplaren deutlich sind. Von den Rippen ragen sechs stärker hervor, durch flache Zwischenräume von den übrigen getrennt, so dass der Stirnrand der Schale kantig wird, was sich namentlich an der flachen Klappe deutlich macht. Die Ohren sind stark radial gerippt.
Die afrikanische Form ist allerdings feiner gerippt, als wie sie gewöhnlich abgebildet wird. Doch finden sich derartige Formen gerade in den cenomanen
') Bull. soc. gdol. de France, 2 s£r. Bd. 25, S. 398—400.
2 ) Pictet et Campiche, Ste. Croix V, S. 246.
3 ) Nach Geinitz (Elbthalgebirge I, S. 181) soll E. Columba zwar auch höher hinaufgehen.