Versteinerungen der Kreide.
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randes. Der Schlossrand ist gerade. Von den kräftigen Wirbeln verläuft zum gerundeten Eck des Unter- und Hinterrandes eine stumpfe Kante, hinter der die sonst glatte, bezw. nur mit ganz feinen Anwachsstreifen versehene Schale radial gerippt ist. Die konzentrischen Streifen rufen auf den Radialrippen eine feine Körnelung hervor.
Die neue Art erinnert an Protocardia elongata Gerhardt. 1 ) Diese Form ist jedoch weniger gewölbt und hat nicht so dicke Wirbel. P. Jaccardi Pict. et Camp. 2 ) aus dem Valangien ist höher. P. belle gardensis Pict. et Re ne vier 3 ) hat einen scharfen Kiel auf der Hinterseite.
Protocardia Schencki n. sp. liegt in neun Exemplaren von dem Fundorte am Nkundi-Bache vor, und z-war meist ohne Schale. Jedoch ist an der Mehrzahl die charakteristische radiale Berippung zu beobachten, auch wenn die dünne Schale zerstört ist. Sie gehört zu den häufigeren P'ormen dieser Lokalität.
II. Fundort 3,5 km nördlich vom Nambango-Bache, 37 km westlich
von Mtshinga (Neokom).
Das in dem flachwelligen Gelände anstehende Gestein ist ein sehr harter, grauer Kalksandstein, der reich an Kohlepartikelchen ist, die anscheinend von Cycadeenhölzern herrühren. Charakteristische Versteinerungen, die einen bestimmten Schluss auf das Alter zuliessen, waren leider nicht aus den Handstücken herauszupräpariren. Doch glaube ich durch Vergleich festgestellt zu haben, dass die neue Protocardia Schencki vom Nkundi-Bach (Fundort I.) auch hier vorkommt. Auch eine kleine Astarte erinnert an die mit Protocardia Schencki auftretende Form, die ich dort als A. cf. numismalis d’Orb. bezeichnet habe. Ferner fand sich eine Ezcogyra, die an E. tuberculifera Dkr. u. Koch erinnert. Schliesslich konnte ich noch einen allerdings auch nicht bestimmbaren Steinkern einer Pholadide freilegen. Es dürfte deshalb der Kalksandstein vom Nam- bango-Bache aller Wahrscheinlichkeit nach mit den Kreideablagerungen 0,8 km östlich vom Nkundi-Bach zu parallelisiren sein. Dass das Gestein jedoch unzweifelhaft noch der Kreideformation entstammt, geht im Zusammenhang mit den obigen Erwägungen schon aus der Notiz hervor, mit der Bornhardt mir dasselbe s. Zt. übergab, wonach es im unmittelbaren Liegenden der fossilführenden Schichten der Gemarkung Ntandi anstehen soll, also unter den mittleren Neokomablagerungen folgt.
Aus der Nähe des Fundortes II. stammt ein fossiles Knochenstück, das unter Gerollen von vorwiegend oberkretazeischem Alter gefunden wurde und seine Ursprungslagerstätte wahrscheinlich in den oberkretazeischen Makonde- Schichten hat. Herr Professor Dr. Koken, der sich der Mühe unterzogen hat, das Stück zu untersuchen, äussert sich über das Ergebniss seiner Untersuchung wie folgt: »Meine Ermittelungen bezüglich des ostafrikanischen Saurierknochens haben ergeben, dass es sich um das Femur (distales Ende, ohne Epiphyse) eines Plesiosaurus-artigen Thieres handelt. Da in der Kreide eine grössere Anzahl von Gattungen und Untergattungen aufgestellt sind, die nur nach Brustgürtel und Wirbeln sich unterscheiden, so bezeichnet man das Stück am besten als Plesiosaurus im allgemeinen Sinne.«
x ) XI. Beilageband z. N. Jahrb. S. in, Taf. 2, Fig. 14.
2 ) Stc. Croix IV, S. 251, Taf. 119, Fig. 3, 4.
3 ) Pictet et Re ne vier, Terrain aptien, S. 81, Taf. 8, Fig. 5.
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