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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
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Zwciundzwiinzi.ysti's Kapitel. H. III.

vor dem Dorfe Whiiiffwi doch schon Mangroven, ein Zeichen, dass die Fluth. wahrscheinlich von der im Süden gelegenen Adamson - Bay aus. bis hierher vordringt, ln der Nähe des Fluthbereiches sind wie auf der Ostseite Sansibars junge Korallenkalke mit zackig zerfressener Oberfläche verbreitet. Sonst fehlen auf dem Marsche feste Gesteine. Der Boden besteht in der ersten Marschhälfte aus einem röthlichbraunen, sandigen Lehm. In der zweiten Hälfte wird er allmählich sandiger. Oestlich von Kinassini lagert auf weiten Strecken loser, lichtgrau bis weiss gefärbter Sand, auf dem nichts wächst als eine bis 4 m Höhe erreichende Frica. Da in diesem Sandgebiete mehrfach Wassertiimpel ohne jeden oberflächlichen Abfluss Vorkommen, scheint es sich wie im Süden der Insel Mafia um Sandmassen zu handeln die einst von der Brandung in unregelmässiger Weise aufgeschüttet, z. Th. aber vielleicht auch vom Winde als Dünen aufgeweht sind. Dieses unfruchtbare Gebiet steht in auf­fälligem Gegensätze zu dem lehmigen Gebiete der ersten Marschhälfte, das bis zum Nkudyamba- Bache fast ohne Unterbrechung mit einem Walde von prächtig gedeihenden Gewürznelkenbäumen bekleidet ist. Die Marschroute vom Xkudyamba-Bache bis Kinassini bildet ein Uebergangsgebiet, in welchem neben vereinzelten Parzellen von Gewürznelken namentlich Pflanzungen von Kokospalmen Vorkommen und als Hauptfeldfrucht Mhogo angebaut wird.

Missionar Key in Weti, der die Insel nach verschiedenen Richtungen durchstreift hatte, gab an. dass auf dem Landwege von Weti nach Tslmki-Tsliaki sowohl auf den Höhen als auch in den Thaleinschnitten nur rother, lehmiger Boden zu beobachten sei. Junge Korallenkalke seien dagegen in der Nähe der Ostküste fast durchweg verbreitet. Ihre Zone trete bei Tshaki -Tsliaki näher an die Westküste der Insel heran als bei Weti. Bei lviwani im Süden der Insel sei dagegen bis zur Ostküste nur lehmig-sandiger Boden vorhanden.

III. Entstehung der Inseln Sansibar und Pemba.

Die Inseln Sansibar und Pemba sind ebensowenig wie Mafia als »Korallen­inseln«, d. h. als Inseln zu bezeichnen, die ihrer Hauptmasse nach von Korallen aufgebaut wären. Korallen haben zwar zu verschiedenen Zeiten, namentlich in der Zeit des jüngeren Tertiärs und in der Neuzeit, am Aufbau der Insel mit­gewirkt. Ihre Mitwirkung ist aber nur von beschränkter Bedeutung gewesen. Es ist erstens nicht erwiesen und auch nicht wahrscheinlich, dass sie an der Zusammensetzung des unter dem heutigen Meeresspiegel liegenden Grundstockes der Inseln einen erheblichen Antheil haben, und es ist zweitens Thatsache, dass der über den heutigen Meeresspiegel aufragende Theil der Inseln über­wiegend aus lehmig-sandigen Bildungen, deren Material von der Zerstörung fest­ländischer Bildungen herriihrt, besteht.

Das Vorhandensein dieser lehmigsandigen Bildungen, die sich in dem Massingini-Rücken auf Sansibar in einer Mächtigkeit von über 120 und in den höchsten Erhebungen der Insel Pemba in einer solchen von mindestens Qo m erhalten finden und die mit den »Mikindani-Schichten« des P'estlandes petro- graphisch vollkommen (u. a. auch hinsichtlich des Vorkommens von groben Kieslagen) übereinstimmen, beweist, dass diese Schichten ursprünglich eine vom Festlande ohne Unterbrechung bis zu den heutigen Inseln hinüberreichende mächtige Decke über dem älteren (dem oberen Tertiär angehörigen) Unter­gründe gebildet haben, und dass die Ausgestaltung der die Inseln heute vom Festlande trennenden Senken und damit die Entstehung der Inseln als solcher erst nach beendigter Ablagerung der Mikindani-Schichten stattgefunden hat. Es fragt sich danach weiterhin, welche Vorgänge die Herausbildung der frag­lichen Senken veranlasst haben können, und wie wir uns denken sollen, dass diese Vorgänge sich in die uns aus sonstigen Beobachtungen bekannte geologische Geschichte des Küstengebietes, in die Schicksale, die das Küsten­gebiet durch ein wiederholtes Auf- und Niederschwanken des Seespiegels erlitten hat, ein fügen.

Bezüglich der ersten P'rage bieten uns die beiden Inseln insofern ver­schiedenartige Probleme dar, als der Kanal, welcher Sansibar vom Festlande trennt, sehr flach ist, nur eine Tiefe von 30 bis 40 m besitzt, während der zwischen Pemba und dem Festlande durchziehende Kanal, obwohl seine Breite nur wenig