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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
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Zwc'iundzwanzig'stPR Kapitel. P>. T. t.

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Massingini-Höhenzuge nordöstlich von Sansibar, am 27. ein solcher längs des Strandes nach dem nahe südlich von Sansibar gelegenen Ras Mbueni. Die nächsten beide Tage waren Ruhetage. Am 30. und 31. Oktober fand ein Aus­flug nach dem Orte Mangapuani 22 km nördlich von Sansibar statt. Der Aus­flug wurde dadurch ermöglicht, dass uns für die Hin- und Rückfahrt ein Zoll­dampfer der Sansibar-Regierung zur Verfügung gestellt wurde.

Am 1. November brachte uns der der Sansibar-Regierung gehörige Dampfer »Kilwa« von Sansibar nach der Tshaki-Tshaki-Bucht auf der Insel Pemba. Nachdem wir hier am 2. November mehrere dicht an der Bucht ge­legene Aufschlüsse besucht hatten, fuhren wir am 3. November weiter nach der Zollstation Weti. Von Weti wurde am 4. November ein Ausflug quer durch die Insel bis zu dem in der Nähe der Ostküste gelegenen Dorfe Whingi unter­nommen. Am 5. November traten wir dann auf einer Dhau die Fahrt von Weti nach Tanga an, wo wir infolge ungünstiger Windverhältnisse erst nach mehr als zweitägiger Fahrt eintrafen.

Die topographische Ausbeute der Reise blieb auf die Aufnahme der Route von Weti nach Whingi beschränkt. Mein Hauptaugenmerk war auf eine Klar­stellung der geologischen Verhältnisse gerichtet. Wenn ich in dieser Beziehung in der Kürze der Zeit auch selbstverständlich nur Fragmentarisches habe leisten können, und durch künftige Untersuchungen hier noch manche wichtige Frage zu lösen bleibt, so glaube ich die Grundziige des geologischen Aufbaus der Inseln doch mit hinreichender Sicherheit erkannt zu haben.

Die folgenden Mittheilungen erfahren eine wichtige Ergänzung durch die in den Jahren 1897 un d 1899 in den »Wissenschaftlichen Veröffentlichungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig« (Bd. III, H. 2 und 3) erschienenen Abhand­lungen O. Baumanns über »Die Insel Sansibar« und »Die Insel Pemba und ihre kleinen Nachbarinseln«.

Die Abhandlung über die Insel Sansibar hat mir schon während meines Aufenthaltes auf der Insel Vorgelegen und ist mir nach mancher Richtung nütz­lich gewesen, wenn ich auch hinsichtlich der geologischen Verhältnisse der Insel grossentheils zu anderen Anschauungen als Baumann gelangt bin.

B. Ergebnisse der Reise.

I. Insel Sansibar.

1. Uebersicht der Oberflächengestaltung und Geologie. Die Insel Sansibar besitzt nach Baumann bei einer Länge von 86,5 und einer grössten Breite von 37,5 km einen Flächeninhalt von 1522 qkm, wobei die der Hauptinsel unmittelbar benachbarten Nebeninseln mit eingerechnet sind. Sie ist danach etwa 372 mal so gross als die Insel Mafia.

Ihre höchsten Erhebungen sind in der westlichen Hälfte belegen. Sie be­stehen aus vorwiegend meridional verlaufenden Bodenwellen, die in dem Massingini- Rticken nordöstlich von der Stadt Sansibar bis zu einer grössten Seehöhe von 135 m ansteigen. Die Osthälfte der Insel besitzt nur ausnahmsweise wellige Gestaltung. Meist finden sich hier ebene Stufen von 10 bis 40 m Seehöhe. Eine Stufe von 15 bis 20 m Seehöhe ist auch längs der Westküste der Insel weit verbreitet.

Die Thone mit Kalklagen, welche auf Mafia die Basis des Schichten­aufbaues bilden, habe ich auf Sansibar nirgends beobachten können. An ihrer Stelle treten hier als älteste Bildungen an vielen Stellen Kalke und sandige Mergel zu Page, welche zahlreiche, meist allerdings schlecht erhaltene Fossilien