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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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Insel Pemba.

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30. und 31. Oktober. Ausflug 1 von Sansibar zu Wasser nach Mangapuani. A11 der ganzen Küstenstrecke von der Stadt Sansibar bis über den Leuchtthurm von Mangapuani hinaus sind Steilabbrüche von 312 m häufig. An einigen Stellen reichen Lehme von gleicher Art, wie sie auf dem Wege nach Ras Mbueni beobachtet wurden, bis an den Strand hinab. Meist bestehen die Abbrüche dagegen aus Korallen kalk. Dies ist namentlich bei Mangapuani der Fall. Der Kalk enthält hier sehr viele wohlerhaltene Korallen von rezentem Alter. Fr bildet eine ebene Terrasse von 1015 m Mühe. Wenn auf der Höhe derselben eine dünne Decke von röthlich gefärbten lehmigen Sanden lagert, so wird darin kein Aequivalent der in dem Massingini-Rücken anstehenden Schichten zu erkennen sein. Fs wird sich hier nur um eine geologisch ganz junge, vom fliessenden Wasser über die rezenten Kalke ausgebreitete Decke handeln, deren Material von der weiter östlich durchziehenden, mit dem Massingini-Rücken in Zusammenhang stehenden, lehmig-sandigen Boden­schwelle stammt.

Nahe südlich von dem Mangapuani-Leuchtthurme treten zwischen den Kalkmassen unregel­mässig geformte Linsen einer Art von Sandstein auf. Das Gestein ist offenbar dadurch entstanden, dass Sandmassen in die offenen Räume zwischen den Korallenstöcken eingeschwemmt und durch Infiltration von Kalk verkittet worden sind.

Auch moderne .Sandsteinbildungen im Strandniveau von der Art der bei der Stadt Sansibar, bei Lindi und auf Tshole anstehenden waren auf der Fahrt nicht selten zu beobachten.

8 km südlich vom Leuchtthurme ist in den die Küstenterrasse bildenden, vermuthlich durch­weg rezenten Korallenkalken eine geräumige H ü h le vorhanden, die auch BaumannÖ erwähnt. Man steigt auf einer Treppe etwa 12 m tief zum Boden eines 50 m langen. 1012 m breiten und 67 m hohen Holdraums hinab, dessen Wände vielfach übersintert sind, und von dem nach zwei Seiten (nach Baumann nord- und südwärts) noch auf längere Frstreckung niedrige, aber breite Höhlengänge aus­gehen. Auf dem Boden lagert viel Schutt. An einigen tieferen Stellen stehen Tümpel von Süss­wasser. Der nahe der Treppe gelegene Tümpel soll von den Gezeiten beeinflusst werden. In der Regenzeit soll der Wasserstand in der Höhle viel höher sein und das Wasser dann deutlich zum Meere abfliessen.

Wenn Baumann meint, dass die Höhle durch '»marine Frosionc entstanden sei. so kann ich dem nicht beistimmen. Die lang-gestreckte Form der Höhle und das Abfliessen des Wassers in der Regenzeit weisen darauf hin. dass die Höhle durch ein von der östlich gelegenen Bodenschwelle ausgehendes Wasserrinnsal ausgenagt worden ist. Solche Wasserrinnsale können in dem klüftigen Kalkboden gar nicht anders, als sich einen unterirdischen Abfluss zum Meere suchen. Bei künftigen genaueren Untersuchungen dürften sich in den Korallenkalken" Sansibars daher noch manche andere Höhlen von der Art der bei Mangapuani vorhandenen vorfinden.

II. Insel Pemba.

1. Uebersicht der Oberflächengestaltung und Geologie (Vgl. Abb. 19). Die Insel Pemba hat eine Länge von 64, eine grösste Breite von 23 km und, einschliesslich der kleinen Nebeninseln, nach Baumann*) **) einen Flächeninhalt von 964 qkm, ist also etwa 2 /3 so gross wie Sansibar.

Wie auf Sansibar treten die bedeutendsten Erhebungen in der Westhälfte der Insel auf. Sie erreichen hier mehrfach Höhen von 90 bis 100 m. Ihre mittlere Höhe mag 60 m betragen. In der noch wenig bekannten Osthälfte der Insel scheinen bemerkenswerthere Erhebungen völlig zu fehlen.

In dem geologischen Aufbau der Insel herrscht grosse Verwandtschaft mit Sansibar. Röthlich gefärbte lehmig-sandige Bildungen, ganz übereinstimmend mit denjenigen, die in den Bodenwellen Sansibars beobachtet wurden, setzen auch das Erhebungsgebiet in der Westhälfte der Insel Pemba zusammen. Ich möchte die Bildungen auch hier zu den »Mikindani-Schichten« des Festlandes rechnen. Die jungtertiären Kalke, welche auf Sansibar im Liegenden der lehmig­sandigen Schichten Vorkommen, habe ich auf Pemba nur unvollkommen ausgebildet gefunden. Nachweisbar waren sie an einigen Stellen nahe über dem F'luthniveau, so in der Tshaki-Tshaki-Bucht und bei der Zollstation Weti. An letzterer Stelle tritt ein bröckliger, unreiner Kalk in der Fluthlinie zu Tage, der eine Anzahl von (nach W. Wolff) »wahrscheinlich tertiären« Fossilien geliefert hat. Durch künftige Untersuchungen dürften sich die Kalke noch in weiterer Verbreitung und stellen­weise vielleicht auch wie auf Sansibar in grösserer Höhenlage nach weisen lassen.

*) a. n. O. S. 14, 15.

**) Die Insel Pemba und ihre kleinen Naclibarinseln. Leipzig 1899, S. 7.