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Zwanzigstes Kapitel. P>. IV. I und 2.
Die natürliche Vegetation auf dem sandigen Boden Mafias besteht im Allgemeinen aus einem lichten Busch, der zuweilen von Weideflächen mit kurzer, dichter Grasnarbe unterbrochen ist. Diese Vegetation ist insbesondere in dem leichtwelligen Gelände auf der Insel verbreitet. In der breiten, von der Tshole- Bucht nach Nordwesten ziehenden Senke, durch welche die Insel in eine Nord- und eine Südhälfte getheilt wird, herrscht vielfach eine Sumpfvegetation, aus Schilf, Binsen und, im Fluthbereiche des Meeres, aus Mangroven bestehend. Im Süden der Senke habe ich zwischen Magemani und Daweni eine ebene Sandfläche von geringer Seehöhe angetroffen, die eine ganz eigenthiimliche Vegetation aufwies. Die Fläche war fast ausschliesslich mit Erica-Gesträuch bedeckt, das hier Höhen von 4 bis 5 m erreichte.
IV. Rufiyi- Delta.
1. Fahrt auf dem Mohorro-Flusse. Die Fahrt auf dem vielgewundenen Flusse führte in der unteren Hälfte durch Mangrovenbestände, welche durch die bisher getriebene Raubwirthschaft zwar arg mitgenommen waren, hin und wieder aber doch noch Proben von ihrer einstigen natürlichen Pracht erkennen Hessen.
An der Mündung des Flusses scheint sich das Delta-Gebiet im Stadium des Abbruches zu befinden. Ich möchte das aus der Beobachtung schliessen, dass der junge Nachwuchs der Mangroven in der Aussenzone einen stark verkrüppelten Eindruck macht, während ältere absterbende Stämme und Wurzelknorren in Menge Vorkommen. Steile Strandabbriiche, wie sie sonst für Küstenstriche, welche dem Brandungsangriffe unterliegen, bezeichnend sind, kann man bei der tiefen Lage des ebenen Delta-Bodens nicht zu finden erwarten.
Flussaufwärts verschlechtert sich das Aussehen der Mangroven allmählich. Andere Arten von Mangroven stellen sich ein. Die Mangroven beschränken sich mehr und mehr auf die Säume der Flussrinne und verschwinden schliesslich ganz. Das dem Bereiche der Pfluthwirkung entzogene Gelände zeigt sich mit sehr lichtem Laubwalde bedeckt. Vielfach ist es geradezu Grasland zu nennen. Eine Anzahl unbedeutender Siedelungen wird auf der Fahrt passirt.
Der Fluthwechsel reicht zur Springzeit im Flussbette bis über Mohorro aufwärts. Er verursacht bei Mohorro angeblich noch einen Unterschied im Wasserstande von mehr als 1 m. Das Niveau der Flussufer wächst bis Mohorro allmählich soweit an, dass sie sich hier mit steilem Rande auf 5 m über den Fluth- stand erheben.
Für gewöhnlich soll der Mohorrofluss nur von der Seite der Matumbi-Berge her Zuflüsse erhalten. In der Regenzeit soll ihm aber auch jetzt noch zuweilen Rufiyi-Wasser zugehen. Entstanden ist der Flusslauf höchstwahrscheinlich als ein Mündungsarm des Rufiyi. Wenigstens muss das Alluvialland auf seiner Südseite noch weithin zu den Absätzen des Rufiyi gerechnet werden.
Eine Ueberfluthung der Mohorro-Ebene durch Hochwasser des Rufiyi findet — abgesehen vielleicht von einigen besonders tief gelegenen Flächen — gegenwärtig nicht mehr statt.
2. Entstehung und Veränderungen des Rufiyi-Deltas. R. Credner*) ist auf Grund eingehender Untersuchungen der wichtigsten, über die ganze Erde verbreiteten Deltabildungen zur Aufstellung des Satzes gelangt,
»dass es säkulare Hebungen der Festlandsküsten sind, unter deren Einflüsse die Aufschwemmungen der Flüsse zu Deltas über den Wasserspiegel hervortreten, während im Gegentheil Senkungen der Meeresküsten die Bildung von Deltas unter den Fluthen wieder verschwinden lassen.«
) Die Deitsis, (iothn 1878, Krgünzung'sheft No. ^6 zu l'etenniuui’f? Geographische Mittheilung'en,