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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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B. Ergebnisse der Reise.

I. Insel Tshole.

Die Insel Tshole hat eine ebene Oberfläche, die sich etwa 5 m über das Niveau der Springfluth erhebt. Sie besteht aus einem röthlichbraunen, gut durchlässigen, recht fruchtbaren, lehmigen Sand, der das Wasser der Regen­güsse so leicht eindringen lässt, dass die 13 auf der Insel vorhandenen Brunnen nach Angabe des in Tshole wohnenden Zollamtsvorstehers, Herrn Firn­stein, sämmtlich trinkbares Wasser führen.

Beim Graben eines Brunnens, der erst kürzlich in der Mitte des Dorfes Tshole neu angelegt ist und 12 m Tiefe erhalten hat, sind nach Herrn Firn- stein folgende Schichten, deren Mächtigkeit im Einzelnen nicht mehr zu er­mitteln war, durchteuft worden:

1. röthlichbrauner lehmiger Sand,

2. weisslicher Sand,

3. rötlichbrauner Lehm mit Steinen (Gerollen?),

4. Brocken von Korallenkalk,

5. fetter Lehm, abwechselnd röthlich und gelb gefärbt,

6. röthlicher Sandstein [nach den neben dem Brunnen liegenden Bruch­stücken handelt es sich um einen durch etwas Eisenhydroxyd verkitteten sandigen Lehm] mit Gypstafeln,

7. dunkler fetter Thon.

Fossilien sind in den Schichten nicht gefunden worden. Wir werden aber später Gelegenheit haben, die Schichten mit ähnlichen zu vergleichen, die auf Mafia Vorkommen und die dort jungtertiäre Fossilien geliefert haben.

Am Strande der Insel Tshole finden sich hier und da, theils anstehend, theils lose, feste Gesteine, unter denen zwei Arten zu unterscheiden sind. Das eine Gestein ist ein rezenter, unreiner Korallenkalk, der nach Aussehen und Vorkommen durchaus demjenigen gleicht, der an der ostafrikanischen Küste in einer Höhe bis zu 10 m und mehr über dem jetzigen Fluthspiegel in ausser­ordentlich weiter Verbreitung zu finden ist, und dessen Bildung in der Zeit des letzten höheren Meereswasserstandes, in derselben Zeit, in der auch die jüngste Strandterrasse entstanden ist, erfolgt sein muss. Das andere Gestein, das sich namentlich auf der Ostseite der Insel, am Rande des seichten, bei Ebbe trocken fallenden, die Inseln Tshole und Dyuani von einander trennenden Meeresarmes findet, stellt ausgedehnte, bis 0,5 m dicke, oben runzlig und zackig zerfressene Platten eines kalkigen Sandsteins dar, die als Decke auf dem sandigen Strande liegen und mit ihm seewärts einfallen. Durch Unterspülung verlieren die Platten oft den Halt und brechen dann in Stücke. Wir haben das gleiche Gestein schon bei Lindi (Seite 19) kennen gelernt und dort gesehen, dass es als ein durch Quellsinter im Austrittsniveau des Grundwassers ver­kitteter Meeressand zu betrachten ist. Die gleiche Art der Entstehung möchte ich auch hier annehmen. Auch an anderen Stellen der Küste habe ich das Gestein später wiederholt beobachten können. Kapitän Berg erzählte mir von grossen ebenen Platten eines festen Gesteins, die er auf den Inseln Nyororo und Ssimaya angetroffen habe. Ich möchte vermuthen, dass es sich auch dort um Gesteine von der gleichen, rein örtlichen Pmtstehungsart handelt.

II. Insel Dyuani.

Die Insel Dyuani ist ihrem geologischen Charakter nach äusserlich völlig von Tshole verschieden. Ueber ihre Oberfläche ist meist ein Korallenkalk