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Zwanzigstes Kapitel. 1>. III. 1 .
verbreitet, der nahe dem Strande in löcherig und zackig zerfressenen Massen nackt ansteht, landeinwärts dagegen in zahlreichen Zacken aus einer wenig mächtigen, graubraun bis röthlichbraun gefärbten, leicht sandigen Lehmdecke hervorragt.
Der Kalk, dessen ursprüngliche Korallenstruktur sich nur verhältnissmässig selten erhalten findet, mag Höhen von 6 bis 9 m über dem Niveau der Spring- fluth erreichen. An der dem offenen Ozean zugewandten Ostküste der Insel ist er einem starken Brandungsangriff ausgesetzt, dem er vermöge seiner Festigkeit aber guten Widerstand leistet. Er kehrt hier der See einen 3 bis
5 m hohen zackig zernagten Steilrand zu, der von der Brandung oft auf 4 bis
6 m Tiefe unterhöhlt ist, ohne dass die Gesteinsdecke deswegen schon zusammenzubrechen drohte. Vor dem Steilrande dehnt sich ein mehrere Hundert Meter breiter, leicht ansteigender Abrasionsstrand aus, der meist eine feste kalkige, seltener eine sandige Sohle besitzt.
Die Entstehung des Kalkes muss ebenso wie bei den auf Tshole beobachteten Vorkommnissen in die Zeit des letzten höheren Meereswasserstandes verlegt werden. Auf der Westseite der Insel scheint unter ihm stellenweise ein fetter thoniger Boden hervorzutreten, der vermuthlich dem auf der Insel Tshole in dem 12 m tiefen Brunnen zu unterst anstehenden Thone entsprechen wird.
Während Tshole fast in seiner ganzen Ausdehnung bebaut ist und zahlreiche, prächtig gewachsene Mangobäume und Kokospalmen trägt, wächst auf dem Kalkboden der Insel Dyuani meist ein dichter, niedriger, unansehnlicher Busch. An Stellen, wo die Lehm decke über dem Kalk stärker wird, finden sich vereinzelt auch Mtamafelder, die recht gut zu gedeihen scheinen. Die Feldarbeit muss auf dem Boden aber recht beschwerlich sein, da man grössere und kleinere Brocken des kalkigen Untergrundes fast überall reichlich in den Lehm eingestreut findet.
Die auf der Westseite der Insel gelegene, jetzt in dichtem Gestrüpp verborgene Ruinenstadt Kua ist nach Baumann*) hauptsächlich aus dem Grunde von ihren Bewohnern aufgegeben worden, weil »der bei Kua auf Meilen trocken fallende Strand die Schiffahrt allzusehr erschwerte«. Auch ich möchte ver- muthen, dass der Strand in alter Zeit eine günstigere Beschaffenheit besessen habe, da ich mir sonst nicht vorstellen kann, wie sich hier eine Stadt von der Bedeutung, welche Kua nach den noch vorhandenen Ruinen besessen haben muss, überhaupt entwickelt haben sollte. Die Veränderung ist vielleicht auf die in jüngster Zeit stattgehabte Erhöhung des Seespiegels zurückzuführen, durch welche der Brandungsangriff verstärkt und der ehemals schmalere Strand durch Abtragung eines Landstreifens erheblich verbreitert sein mag. Dass die Verbreiterung des Strandes noch heute fortdauert, ist an dem Vorhandensein von Mauerresten, die gegenwärtig der Zerstörung durch die Brandung unterliegen, deutlich zu erkennen.
III. Insel Mafia.
1. Oberflächengestaltung und Geologie. Die Insel Mafia, die bei einer Länge von 50 und einer mittleren Breite von etwa 9 km nach Baumann**) einen Flächeninhalt von 434 qkm besitzt, hat eine leicht wellige bis ebene Oberfläche, die sich an den höchsten Stellen um nicht mehr als etwa 50 111 über den Seespiegel erhebt.
Ihr geologischer Aufbau schliesst sich eng an denjenigen der bisher betrachteten Nebeninseln Tshole und Dyuani an. Die Basis scheint aus den nämlichen fetten Thonen zu bestehen, die wir auf der Westseite von Dyuani und
*) :i. :i. O. S. 25.
a, a, (). S. 9,