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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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Neunzehntes Kapitel. 1>. 1. 1 bis j.

B. Ergebnisse der Reise.

I. Marsch von Kibambawe kwa Kungulio bis Kipei kwa Ivombuayai.

18 . bis 2i. September.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Das Rufiyi-Thal ist aut der ganzen Strecke nur leicht, 5 bis 15 m tief, in ein ebenes bis leicht welliges Ge­lände eingesenkt. Erst an der Uebergangsstelle über den Rufiyi bei Kipei kwa Kombuayai tritt auf der Südseite höheres Gelände, das Vorland der Kitshi- Berge, an das Flussthal heran.

Die Thalbreite beträgt in der Marschstrecke der ersten beiden Tage, bis Kipo kwa Ssule, nicht mehr als 0,6 bis höchstens 3 km. Weiter nach Osten nimmt sie allmählich zu, so dass bei Kipei kwa Kombuayai bereits eine Breite von 8 bis 9 km vorhanden, ist. Das Thal beginnt hier schon, sich zu der weiten Delta-Ebene des Rufiyi zu öffnen.

Die Thalränder sind meist scharf bezeichnet und werden auf längeren Strecken von steilen Abbrüchen gebildet. In der ersten Marschstrecke, bis Ssombe kwa Pondero, waren sie vom Wege aus meist nicht sichtbar.

Auffällig ist die Tiefe und Breite der in das Rufiyi-Thal einmündenden Nebenthäler, des Kissoga-, Mtandya- und Ssumbi-Thales auf der linken und des Lugongue-Thales auf der rechten Seite des Flusses.

Alle diese Nebenthäler enthalten langgestreckte und breite seeartige Wasser­flächen, deren Entstehung bei der geringen Bedeutung der Nebenbäche unter den heutigen Abflussverhältnissen schwer zu erklären ist. Die Erinnerung an die gefällsschwachen, weithin versumpften und mit Tümpeln von stehendem Wasser gefüllten Thalsenken in Usaramo und im Hinterlande von Mikindani (vergl. Seite 207 und 250) wird beim Anblick dieser Wasserflächen wieder lebhaft geweckt. Es wird künftigen Untersuchungen Vorbehalten bleiben müssen, zu entscheiden, ob hier wie dort die Erklärung für die Entstehung dieselbe ist und in der Annahme eines ehemaligen trockeneren Klimas gesucht werden darf.

2. Geologie (Uebersicht). Von festen Gesteinen ist in der ganzen Marsch­strecke nirgends etwas erschlossen. Die Thalsohle besteht aus einem licht­braunen bis graubraunen, feinsandigen Lehm, der in der oberen Strecke höheren Sandgehalt besitzt, als in der unteren. Das Flussbett hat rein sandige Be­schaffenheit. Von Gerollen ist schon bei Kibambawe nichts mehr darin zu finden; selbst Kies kommt selten vor. Durch sandige Beschaffenheit sind natur- gemäss auch die zu den Seiten des heutigen Strombettes gelegenen, nur bei Hochfluthen noch fliessendes Wasser führenden Altarme ausgezeichnet.

Das Seitengelände des Flussthaies enthält vorwiegend einen graubraunen, mehr oder weniger sandigen Lehmboden, der nach der Tiefe röthliche B'ärbung annimmt, oberflächlich aber häufig so ausgewaschen ist, dass hier ein licht­graubrauner loser Sand oder Grand lagert. Der Boden wird in der Hauptsache den »jüngeren Deckschichten« zuzurechnen sein, wenn auch die Möglichkeit be­steht, dass er zum Theil noch Reste der »Mikindani-Schichten« darstellt.

3. Einzel-Mittheilungen nach den Reise-Aufzeichnungen.

18. September. Von Kibambawe kwa Kungulio bis Ssombe kwa Pondero. Der Weg' führt bis zu dem Kissoga-Bache, dessen Bett in der Mündungsstrecke 40-50 m breit, aber meist verwachsen ist, beständig in der Thalsohle des Rufiyi abwärts. Der Fluss ist vom Wege aus oft sichtbar und scheint auch sonst in geringem Abstande von ihm zu verlaufen. Von den Thal­rändern ist in Folge der Bewachsung des Geländes nichts erkennbar. Mach den Angaben der Ein­geborenen scheint es aber, als ob die Thalsohle weder zur Linken noch zur Rechten des Flusses erhebliche Breite besitzt. Der Fluss scheint auch bei grossem Hochwasser nur geringe Theile der Thalsohle unter Wasser zu setzen.