Print 
Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Place and Date of Creation
Page
270
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

2yo

Fünfzehntes Kapitel. 15 . VI. I.

lieber die 300 in mächtigen Schichten, welche die Ilaupterhebung der Plateau-Landschaft ober­halb der Zone der Newala-Sandsteine zusammensetzen, ist dem in der »Uebersicht« Mitgetheilteu nichts Wesentliches hmzuzufügen. Der aus der Verwitterung dieser Schichten hervorgehende Hoden ist am Abstiege von Mtshinyiri bis zur Plateaukante von Malimu gerade so wie am Aufstiege von Namituati nach Mtshinyiri ein graubrauner bis lichtbrauner lehmiger Sand, der nach der Tiefe rüth- liche Färbung annimmt und höheren Lehmgehalt gewinnt. Ein gleichartiger Boden lagert auf der Höhe von Mputua. Der Boden ist in dem ganzen Plate au,gebiete vielfach nach fossilem Ko pal durch wühlt, das von den Eingeborenen auch heute noch gesammelt und nach Lindi auf den Markt gebracht wird.

Die prächtige. Waldlandschaft, welche in der letzten Marschstrecke vor Mtshinyiri verbreitet war. hält nach Norden bis an die Grenze von Rondo gegen Malimu an. Nur wird sie nördlich von Mtshinyiri häufig von grossen Brandlichtungen unterbrochen. Die in den Dichtungen gelegenen Felder machen einen überaus unordentlichen Eindruck. Mtama und Mhogo sind bunt durcheinander gepflanzt. Die Bestellung geschieht in rohester Weise. Der Boden wird nicht umgehackt. Es wird für jedes Saatkorn nur ein handtiefes Loch gemacht und der Boden dann im nächsten Umkreise etwas aufgekratzt. Bei so lässiger Ausführung der Feldarbeit kann es nicht verwundern, dass die Felder nur ein mässiges Aussehen zeigen. Unter sorgfältiger Bearbeitung würde der Boden hier sicherlich gleiche Erträge geben wie auf dem Makonde-Plateau in den Gemarkungen Idumbe und Nkunya. Eine vereinzelte Bananenpflanzung', die vom Wege berührt wurde, und auf die mehr Pflege verwandt zu werden schien, sali recht üppig aus.

Einen traurigen Anblick bietet die Verwüstung des schönen Waldbestandes. Auf je ein Hektar an bebautem Land kommt mindestens das Zehnfache an Wüstenei. Dabei scheinen die Siedelungen hier zum Theil erst im Entstehen begriffen zu sein, so dass die Waldverwüstung, wenn ihr nicht von der Regierung Einhalt geboten wird, künftig einen noch weit grösseren Umfang als heute annehmen dürfte.

ln Malimu besitzt die Bewaldung, in einer Höhe zwischen 670 und 550 m, nicht mehr den grossartigen Charakter wie in Rondo. Immerhin macht sie auch hier noch einen recht kräftigen, malerischen Eindruck. Lichtbewachsene Plätze mit dichtem, kurzem Graswuchs, der für Rindvieh gewiss eine gute Weide abgeben würde, wechseln mit scharf umgrenzten Waldparzeilen, die aus dichtem, lianenreichem Hochwald mit tief dunkelgrün gefärbtem Laub bestehen. Manche gerade­gewachsene starke Bäume mit schöner Laubkrone erheben sich, besonders am Rande der Waldinseln, immer noch zu gleicher Höhe wie oben auf Rondo, ln den Lichtungen kommt die Schirmakazie in Exemplaren von ungewöhnlich grosser Höhe und Seitenausbreitung nicht selten vor.

Malimu ist längs des Weges unbesiedelt. Um so stärker ist die Besiedelung des Thalkessels zwischen Malimu und Mputua. Die Bevölkerung soll hier aus Wangin do bestehen, während auf den Plateaus vorzugsweise Wamuera wohnen. Auch hier lässt die Bestellung der Felder noch zu wünschen übrig. Der Boden scheint oft derselbe lichtbraune bis lichtröthlichbraune sandige Lehm zu sein, der durch den Thalkessel des oberen Nangaru verbreitet ist. Trotzdem stehen die Felder hier an Aussehen weit hinter denjenigen mn Nangaru zurück.

Das Mputua-Plateau trägt auf sehr lehmarmem Sandboden einen dürftigen lichten Steppenwald. Soweit der Weg darüber hinführte, war es unbewohnt.

In der tiefer gelegenen Gemarkung Nguanga finden sich wieder zerstreute Siedeluugen. Die lichte Laubsteppe ist hier, in einer Höhenlage zwischen 300 und 400 m. häufig mit Bambusbeständen durchsetzt.

Eine Untersuchung der Plateauflächen von Rondo und Malimu durch einen land- und forstwirtschaftlichen Sachverständigen wäre wohl angezeigt. Ist der Boden auch für den Anbau hochwertiger Tropenprodukte kaum sonderlich geeignet, so dürfte die dichte, üppige Grasnarbe doch als Viehweide gut zu verwerten sein. Die gesunde Höhenlage würde bei Anlage einer Viehstation vorteilhaft ins Ge­wicht fallen. Wasser zur Viehtränke würde in den an den Plateauabbriich.cn ent­springenden Quellen stets in genügender Menge zur Verfügung stehen. Vielleicht werden sich künftig auch die schlanken Stämme des Hochwaldes nutzbar machen lassen. Die Entfernung bis Lindi beträgt nur zwei Tagemärsche, etwa 50 km. Der Weg dorthin dürfte keine besonderen Schwierigkeiten bieten.

VI. Marsch von Nguanga bis zur Kiswere-Bucht.

25. bis 28. Mai.

1. Oberflächengestaltung. Der Weg durchquert in schräger Richtung die breite Landsenke, welche, im Süden wie im Norden von plateauförmigen Erhebungen begrenzt, in der Mitte von dem Mbenkuru durchflossen wit ! d.

Der Ursprung des Mbenkuru liegt, soweit bisher bekannt ist, weit im Westen, auf halbem Wege von der Küste nach dem Nyassa. Da das Zuflussgebiet nirgends gebirgige Beschaffenheit besitzt, zeigt der Fluss gleich dem Lukuledi einen verhältnissmässig zahmen Charakter. Die Breite der von ihm durchflossenen