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Fünfzehntes Kapitel. B. I. i u. 2.
nach der Verbreitung der durch Hauptmann Fromm bekannt gewordenen Braunkohle, die bei der früheren Reise auf das Zuflussgebiet des Nangaru- Baches beschränkt geblieben waren, nunmehr auf eine weitere Umgebung auszudehnen. Das Ergebniss der Untersuchung war völlig negativer Natur.
Der Weitermarsch vom Noto-Plateau nach Kiswere diente rein geologischen Zwecken.
Von Kiswere aus hatte ich noch einen Marsch nach den bisher nur durch v. d. Decken und Roscher bekannt gewordenen Landschaften Kiperele und Lukose geplant. Ich sah mich indessen genöthigt, diesen Marsch aufzugeben und meine Wanderung statt dessen auf das küstennahe Gebiet zu beschränken, da mein Gehilfe Schwarz bald hinter Kiswere an Fieber und Verdauungsstörungen so heftig erkrankte, dass seine schleunige Rückkehr nach der Küste nothwendig wurde. Am 5. Juni trafen wir in Kilwa ein. Schon am folgenden Tage fanden wir Gelegenheit, mit dem Küstendampfer der Deutschen Ostafrika- Linie nach Dar-es-Salam zurückzukehren, das wir am 7. Juni erreichten.
Hatte die gesammte Reise auch in praktisch-bergmännischer Beziehung nur den einen Erfolg eines Nachweises schleifwürdiger Granaten in Namaputa zu verzeichnen, so war sie in geologischer Hinsicht doch in hohem Grade lohnend gewesen. Neben einer zuverlässigen Feststellung der Lagerungs-Beziehungen, in welchen die Makonde-, Tertiär- und Mikindani-Schichten zu einander und zu dem älteren Untergründe standen, hatten an einer Reihe von Stellen wohlerhaltene Fossilien aus der unteren Kreide, dem oberen und dem mittleren Jura gesammelt werden können, deren Bestimmung in der Heimath seither zu wichtigen wissenschaftlichen Ergebnissen geführt hat.
B. Ergebnisse der Reise.
I. Marsch von Lindi nach Mikindani.
21. bis 23. April.
1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Wie die Umgebung von Lindi durch einige, die umliegende Landschaft beträchtlich überragende Erhebungen, den Kitulo-Riicken auf der Nordwestseite und die Nundi- und Nyanda-Kuppe auf der Südostseite des Krieks, ausgezeichnet ist, so fehlen ähnliche auffällige Erhebungen auch in der Gegend von Mikindani nicht. Die Küstenansichten, welche die deutsche Admiralitäts-Karte No. 131 (»Lindi-Bucht bis Kap Delgado«) mittheilt, lassen zwischen Mikindani und Ssudi mehrere solche Aufragungen erkennen. Die 285 m hohe rundliche Kuppe des Mdyoho, 5 km westlich von Mikindani, ist die bemerkenswertheste unter ihnen.
Abgesehen von diesen vereinzelten, das Landschaftsprofil in auffälliger Weise überragenden Erhebungen, weist das nächste Küstenhinterland nur flache, plateauförmige Höhen, die sich zu 100 bis 150 m über dem Meere erheben und durch ein bis zu 60 m Seehöhe ansteigendes, ebenes bis sanft gewelltes Vorland von der Küste getrennt sind, auf.
Aehnlich wie bei Lindi schneiden auch bei Ssudi und Mikindani breite, mit Seewasser gefüllte »Krieks« tief in das Land ein. Der Ssucli-Kriek empfängt als wichtigsten Zufluss den von Kitangali kommenden, den grösseren Theil der Landschaft Makonde entwässernden Mambi-Bach. Der Mikindani-Kriek nimmt nur ganz unbedeutende Zuflüsse in sich auf.
2. Geologie (Uebersicht). Die über die umgebende Landschaft emporragenden Erhebung-en scheinen wie bei Lindi so auch bei Ssudi und Mikindani durchweg aus tertiären Thonen mit Kalklagen zu bestehen. Bildungen dieser Art waren längs der Route in fast allen Thaleinschnitten erschlossen, Vom