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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
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Fünfzehntes Kapitel. B. V. i.

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Weiter nach Korden, am Anstiege zum Nairoinbo-Berge. und von da bis zu den Massassi- Bergen ist ein lichtbrauner bis röthlichbrauner, schwach lehmiger, grobsandiger bis feinkiesiger Boden an der Oberfläche verbreitet. Der Boden besitzt einen beträchtlichen Grad von Wasserdurch­lässigkeit, wie sich daraus ergiebt, dass hier im Gegensätze zu dem südlicher gelegenen Gelände alle, auch die kleineren Geländesenken, noch fliessendes oder stehendes Wasser enthalten, obwohl es seit Wochen nicht mehr geregnet hat.

ln der Nähe der Massassi-Berge wird der Boden wieder lehmiger und schwerer durchlässig. Die höheren Lagen sind auch z. Th. lebhaft röthlich gefärbt. Manche Partieen des Bodens sind als Ver­witterungsprodukt des Gneisses in situ anzusehen. Hier sind wieder Ansiedelungen und ausgedehnte Schamben vorhanden, während das Gebiet der groben Sande völlig unbewohnt und nur mit einem düftigen lichten Steppenwalde bedeckt ist.

Das sanft geneigte Gelände zwischen den Massassi-Bergen und der breiten Thalebene des Lukuledi besteht aus röthlichbraunem bis lichtgraubraunem, schwachlehmigem Sand und Grand, ähnlich wie das Gelände im Süden der Massassi-Berge. Lichter Busch und Steppenwald wechseln miteinander bis zu der Gemarkung Matumbusi, die wieder Siedelungen und Schamben aufweist.

Mit der Erreichung der Thalebene des Lukuledi ändern sich die Boden­verhältnisse in bemerkenswerther Weise. Die ganze, mehrere Kilometer breite Thalebene enthält gleichmässig einen rothbraunen, etwas humosen, schwachsandigen Lehmboden, der sichtlich durch grosse Fruchtbarkeit ausgezeichnet ist. Der Weg führt bis zu der Missionsstation fast unausgesetzt durch Mtamafelder. Ich erinnere mich in Ostafrika selten Mtamafelder von so vorzüglichem Stande, nirgends aber von so grosser geschlossener Ausdehnung wie hier gesehen zu haben.

Der Fruchtbarkeit des Bodens steht der Nachtheil gegenüber, dass die Thalsenke infolge der weitgehenden Ueberfluthungen, die sie in der Regenzeit erfährt, höchst ungesund ist. Die auf der Missionsstation lebenden Europäer haben infolgedessen namentlich unter Schwarzwasserfieber viel zu leiden gehabt.

Ist in der Regenzeit grosser Ueberfluss an Wasser vorhanden, so herrscht in der Trockenzeit Mangel daran. Der Lukuledi mit seinen Nebenrinnsalen trocknet dann völlig aus, und da der schwei- durchlässige Thalboden wenig Grundwasser hergiebt, muss das Wasser für die Missionsstation in solcher Zeit von weit her geholt werden.

14. Mai. Von Lukuledi bis Mtshekenye. Halbwegs zwischen Lukuledi und Tshikukwe wird der von den Massassi-Bergen kommende Mbassi-Bach, der in das sonst ebene Gelände 25 m tief eingeschnitten ist, überschritten. Dann führt der Weg bis zum Muena-Bache fast eben, nur zwischen 310 und 330 m Seehöhe schwankend, hin. Erst am Ende des Marsches findet zu dem dicht beim Lager durchfliessenden Mititimu-Bache wieder ein sanfter Abfall bis auf 250 m Seehöhe statt. Von Tshikukwe bis zum Lager wird der gleiche Weg wie am 20. Januar 1896 auf dem Marsche nach dem Nyassa benutzt.

Leider war es diesmal ebensowenig wie am 20. Januar 1896 möglich, einen Punkt, der eine Uebersicht über das Gelände geboten hätte, zu finden. Der lichte Laubwald, welcher nach dem Ver­lassen der reich mit Mtama bebauten Thalsohle des Lukuledi alles Land, sowohl den vorwiegend sandigen Boden von Tshikukwe. als auch den mehr lehmigen Boden im letzten Drittel des Marsches bedacht, verschliesst alle Aussicht. Nur kurz vor dem Muena-Bache schimmerte im Süden einige Male der steile Abfall des Makonde-Plateaus zwischen den Bäumen durch.

Die Sand- und Lehmdecke kann nur gelänge Mächtigkeit besitzen. Der Gneissuntergrund ist sowohl im Mbassi- und Muena-Bache. als auch in einer von mächtigen Felsblöcken gekrönten flachen Durchragung 2 km östlich vom Mbassi-Bache anstehend zu beobachten.

V. Marsch von Mtshekenye bis Nguanga.

15. bis 19. Mai.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Der Marsch lehrt die Plateau- Landschaft von Muera, welche die Lukuledi-Senke auf der Nordseite begrenzt, in ihrer Ausdehnung von Süden nach Norden kennen. Der Name Muera ist für die Bezeichnung der Landschaft gebräuchlich geworden, obwohl ihn die Ein­geborenen als geographischen Begriff nicht kennen. Man hört von ihnen nur den in der Landschaft ansässigen Volksstamm, dessen Verbreitung aber über die Grenzen der Landschaft hinausreicht, als Wamuera benennen. Für die Landschaft im Ganzen fehlt ein Name. Die in Gebrauch befindlichen Namen gelten immer nur für einzelne Theile derselben.

Die Plateau-Landschaft bildet kein so geschlossenes Ganzes wie das im Süden der Lukuledi-Senke gelegene Makonde-Plateau. Tief einschneidende Thäler, die oben meist in einem steilwandigen Kessel endigen, trennen im Süden