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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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Utengule.

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Beya-Berge entspringenden Mssopo- oder Ssofu-Bach, dem er dann bis Utengule in geringem Abstande fol iT t. Die Meereshölie der Stadt Utengule wurde zu 1415 m bestimmt.

Die vordersten Vorberge bestehen z. Th. aus kahlen, rundlichen Kuppen, die von dunklem, basaltischem Gestein gebildet werden. Sie stellen anscheinend kuppen förmige Ergüsse aus einer am Gebirgsfusse entlang laufenden Bruchspalte dar.

Die höheren Vorberge und das Hauptgebirge bauen sich aus archäischen Gesteinen auf. Die von ihnen herabkommenden Bäche führen nur Gneisse als Gerolle.

Am Wege selbst besteht der Boden von Ffngano bis Utengule fast durchweg aus vulkanischem Tuff. An einigen Stellen treten von Süden her Lavaströme mit zackig zerrissener Oberfläche an ihn heran. Das Hügelland im Süden der Route, dessen Formen im Einzelnen in der Kürze der Zeit nicht haben festgestellt werden können, scheint weithin aus ähnlichen Lava-Ergüssen zu bestehen.

Der Tuffboden ist stark wasserdurchlässig und daher auch sehr aufnahmefähig für das Regen­wasser. Als eine Folge dieser Aufnahmefähigkeit ist es anzusehen, wenn die in dem flachen Tuff­gelände nahe der Ruaha-Rikwa-Wasserscheide entspringenden Rinnsale noch jetzt erhebliche Wasser- mengen führen, obwohl es in der Gegend nach Versicherung des Missionars Kootz in Utengule seit Ende März nicht mehr geregnet hat. Die Speisung der Rinnsale braucht zwar nicht ausschliesslich auf die aus der letzten Regenzeit herrührenden Grundwassermengen zurückgeführt zu werden. Bis zu einem gewisen Grade mag auch der nächtliche Thaufall zu einer Ergänzung der Grundwasservorräthe beigelragen haben.

Der Boden ist in der Nähe der Wasserscheide fast baumlos, nur mit Gras bewachsen. Nach Westen hin stellt sich allmählich wieder lichte Baumsteppe ein. Die Bodenerträge sollen bei Utengule, dessen Umgebung noch viel Tuffboden aufvveist, günstig sein.

Das Dorf Ffngano war die einzige Siedelung, die auf dem ganzen Wege bis i 1 /« Stunden vor Utengule angetroffen wurde. Erst in dieser letzten Strecke war wieder eine Anzahl von Temben und verstreuten Einzelhütten vorhanden. Das Gebirgsland soll in seiner ganzen Erstreckung in ähnlicher Weise wie das Kingagebirge oberhalb Langenburg besiedelt sein.

Die Stadt Utengule hat ihre frühere Bedeutung dadurch, dass die Wassango nach der Nieder­werfung der Wahelie in den Jahren 1S97 und 1S98 grossenteils in ihr altes Stammland am Ruaha zurückgekehrt sind, fast gänzlich eingebüsst. Bei meiner Anwesenheit dort, die dieser Veränderung noch vorherging, habe ich über die Grösse und Bauart der Stadt Folgendes aufgezeichnet:

»Die Stadt Utengule, die ich auf nicht mehr als 2000 Einwohner schätzen möchte, liegt am linken Ufer des Mssopo-Baches, eines Zuflusses des in den Rikwa-See mündenden Ssongue-Flusses. Sie ist rings mit einer 3 bis 4 m hohen aus Bruchsteinen mit Lehm-Mörtel erbauten Mauer, welche einen 400 bis 500 m im Durchmesser haltenden Raum einschliesst, umgeben. An die Innenseite der Mauer sind Hütten mit flachen Dächern, die bei einem feindlichen Angriffe den Vertheidigern zum Standorte dienen, angeklebt. In 5 bis 50 m Abstand von dieser Hüttenreihe verläuft eine zweite, der ersten ähnliche und innen ebenfalls mit Hütten besetzte Umfassungsmauer, innerhalb deren dann die Gebäude des Häuptlings noch von einer dritten Mauer umschlossen sind. Wir gelangten nach Passirung eines grossen, an der Innenseite dieser dritten Mauer erbauten Viehstalles durch drei kleine Vörhöfe in einen von starken, behauenen Bohlen säulenartig getragenen, etwa 10 m langen und 6 m breiten Raum mit einer erhöhten Estrade in einer Ecke und vier gemauerten, mit Lehm verstrichenen Sitzen davor. In diesem Raume hält der Häuptling seine Berathungen ab. Die Wohnräume des Häuptlings sahen wir nicht. Zu ihnen soll der Weg noch durch eine Anzahl weiterer Vorhöfe führen. Die aus Lelim-Mauerwerk aufgeführten Gebäude waren für afrikanische Verhältnisse gut im Stande. Ein regelmässiger Plan war in der Anordnung der inneren Gebäude nicht erkennbar«.

Die von der Brüdergemeine im Jahre 1894 begründete Missionsstation Utengule liegt an dem Berghange im Norden der Stadt, etwa 80 m über der Thalsohle des Mssopo-Baches. Der Boden an diesem Hange besteht aus Gneiss, während innerhalb der Stadt noch mehrfach Laven zu Tage liegen.

III. Von Utengule über Rungue nach der Mündung des Mbaka in den

Nyassa.

9. bis 14. Oktober.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Wir haben oben bereits gesehen, dass der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem »Nyassa-Graben« und dem »Ruaha-Rikwa-Graben«, dessen Bestehen, genetisch betrachtet, durchaus wahr­scheinlich ist, orographisch durch das Vorhandensein beträchtlicher Erhebungen gerade an der Vereinigungsstelle der beiden Einbruchsgebiete gestört erscheint. Die Erhebungen bilden keinen einheitlichen Gebirgswall, wie es nach den bis­herigen Karten den Anschein hat. Sie gliedern sich in den die Wasserscheide zwischen Nyassa und Ruaha-Rikwa tragenden Erhebungszug im Norden und eine davon getrennte Gebirgsmasse, die den Rand des Kinga-Gebirges mit

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