Kingapfebirge.
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Nyassa ohne Aufenthalt in eiligen Märschen zu durchziehen. Ich fand ferner, was mir besonders leid that, beim Marsche unter dem Nordfusse der Kingäbe rge hin keine Zeit, die vordem in der Landschaft Buanyi flüchtig beobachteten, den archäischen Schichten der Kingaberge transgredent aufgelagerten Sandsteine und Konglomerate näher zu untersuchen.
B. Ergebnisse der Reise.
I. Marsch von Langenburg bis Mbeyera.
19. bis 24. September.
1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Die auf Hauptmann Ramsay's Aufnahmen beruhende Karte der v. Scheele’schen Nyassa-Expedition (Maassstab 1:500000) giebt an, dass sich das Kingagebirge östlich von Langenburg in mehrere dem Nyassaufer parallel laufende Ketten gliedere. Diese Angabe ist richtig, wenn sie nicht in allzu strengem Sinne aufgefasst wird.
Die erste Kette wird von den steil aus dem See aufsteigenden Randbergen, die schon im fünften Kapitel beschrieben, und deren Formen in dem von der Ssonguestation aus gezeichneten Landschaftsbilde No. 3 Tafel X wiedergegeben sind, gebildet. Die Kette wurde auf dem Marsche in 1780 m Meereshöhe überstiegen. Die Höhe ihrer obersten Erhebung, des nahe südlich von der Route gelegenen Tshamembe-Berges, wurde auf 2400 m über dem Meere, also-1900 m über dem Spiegel des Nyassa, geschätzt.
Während diese erste Kette südlich wie nördlich von Langenburg weithin, auf eine Gesammtlänge von mehr als 80 km, zu verfolgen ist und bei ihrer Länge und ihrer scharf ausgeprägten Form eine grosse orographische Bedeutung besitzt, lässt sich von dem nächsten, auf dem Marsche überschrittenen Parallelzuge Aehnliches nicht behaupten. Die Bedeutung dieser zweiten »Kette« schrumpft, soviel ich auf dem Marsche habe übersehen können, auf das Vorhandensein eines breiten, durch Quer- und Längseinschnitte gegliederten, sich im Mittel zu einer Höhe von 2000 m über dem Meere erhebenden Rückens, der sich in 7 bis 8 km Entfernung von der Randkette parallel zu dieser in die Länge erstreckt, aber schon in 5 bis 6 km Abstand von der Route beiderseits ein Ende erreicht, zusammen.
Von grösserer Bedeutung und schärfer ausgeprägt ist erst wieder eine dritte Kette, die sich in 12 bis 14 km Abstand von der zweiten hinzieht und im Kidugala-Berge eine grösste Meereshöhe von über 2500 m erreicht. Diese Kette überhöht im Osten ein weit ausgedehntes welliges Gebiet ohne auffälligere Erhebungen, das bis 18 km vor Mbeyera eine Meereshöhe von über 2200 m bewahrt und erst danach allmählich zu einer mittleren Höhe von 1800 m abfällt. 6 km östlich vom Kidugala wurde in 2330 m Höhe noch einmal ein flacher Höhenrücken, der dieselbe Richtung wie die bisherigen Parallelketten einhielt, überschritten. Dann nahm das Gelände eine unregelmässig wellige Gestalt, die von dem Vorherrschen bestimmter Richtungslinien nichts mehr erkennen liess, an.
Die zwischen den ersten beiden »Ketten« gelegene Thalsenke entwässert südlich von der Route zum Kilondo, nördlich durch den Lissoko zum Rumbira. Der Weg führt in 1700 m Meereshöhe gerade über die das Zuflussgebiet beider Flüsse von einander trennende Thalwasserscheide hinweg. Die zweite, nach Osten folgende Thalsenke gehört im Bereiche der Route ganz dem Zuflussgebiete des Kilondo an. Dieser Fluss hat selbst weiter östlich seinen Ursprung.