ACHTES KAPITEL.
Reise von Langenburg über Mbeyera und durch Südwest-Ubenanaeh Utengule und von da überRungue zurück nach Langenburg.
Vom 19. September bis 14. Oktober 1896.
A. Verlauf der Reise.
Die Veranlassung zu der Reise ergab sich mittelbar aus der von Hauptmann Prince im Sommer 1896 in Angriff genommenen Besetzung des Uhehe- Gebietes. Da die Eingeborenen hierbei heftigen Widerstand leisteten und den Versuch machten, auch ihre Nachbarn im Süden, die Wangoni, zum Aufstande zu verleiten, sah ich mich Ende August 1896 genöthigt, die Langenburger Polizeitruppe in das Grenzgebiet zwischen Uhehe und Ungoni zu schicken. Am 19. September folgte ich der Truppe selbst nach, um mich an Ort und Stelle über die Lage der Verhältnisse zu unterrichten.
Fünf Tagereisen östlich von Langenburg, in dem Gebiete des Häuptlings Mbeyera, traf ich auf eine Abtheilung der Schutztruppe unter Führung des Leutnants v. Stocki. Auf Grund der Aufschlüsse, die ich hier über die Lage erhielt, entschloss ich mich, nach Utengule, der Hauptstadt des Wassango- Häuptlings Merere, weiterzumarschiren, um die Wassango, die seit Jahrzehnten mit den Wahehe verfeindet und von ihnen vordem aus ihren Wohnsitzen am oberen Ruaha vertrieben waren, zur Theilnahme an dem Kampfe gegen die Wahehe zu bewegen. Leutnant v. Stocki willigte ein, mich auf dem Marsche zu begleiten. Wir durchzogen danach vom 25. September ab gemeinsam das südliche und östliche Ubena und langten, indem wir das Kinga-Bergland auf der Ost- und Nordseite umgingen, nach elf Tagemärschen, am 5. Oktober, in Utengule an.
Da meine Bemühungen hier guten Erfolg hatten, konnte ich schon nach drei Tagen, am 9. Oktober, den Rückmarsch nach Langenburg antreten. " Der Marsch führte mich über Rungue, wo ich auf der Missionsstation der Brüdergemeine Sonntagsrast machte, nach der Mündung des Mbaka in den Nyassa. Am 14. Oktober kam ich nach fünfundzwanzigtägiger Abwesenheit wieder in Langenburg an.
Die geologische und topographische Ausbeute der Reise war nicht so gross, wie sie hätte sein können, wenn ich ohne Bindung an politische Aufgaben völlig Herr meiner Zeit gewesen wäre. So wie die Verhältnisse lagen, bin ich genöthigt gewesen, sowohl das Gebiet zwischen Langenburg und Mbeyera, welches durch das Auftreten alter, steil aufgerichteter Schiefer von besonderem Interesse war, als auch das jungvulkanische Gebiet zwischen Utengule und dem