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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
Seite
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Achtes Kapitel. B. II. i.

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II. Von Mbeyera bis Utengule.

25. September bis 5. Oktober.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Bis zum Lager des 2 5./2Ö. September, das dicht an der Wasserscheide des Ruhuhu und des Rufiyi bezogen wird, hebt sich das Gelände wieder bis zur Höhe der Stufe, die an den Tagen zuvor, auf dem Marsche vom Kidugala-Berge bis zum Abstiege nach Mbeyera, überschritten wurde. Aehnlich wie dort ist die Landschaft auch hier durch leicht wellige Oberflächengestalt ausgezeichnet. Ihre Höhe schwankt in der ganzen Marsch­strecke des 26. September, auf eine Länge von über 30 km, nur zwischen 2200 und 2040 m (Thal des Ruhudye) als äussersten Grenzen.

Nach Osten scheint die Höhe der Landschaft auf grössere Erstreckung die­selbe zu bleiben. In nördlicher Richtung findet dagegen bald hinter dem Lager des 26-/27. September ein allmählicher Abfall zu einem tiefer gelegenen Gelände, das nur von leichten Bodenwellen durchzogen und erst in weiter Ferne von höheren Erhebungen begrenzt wird, statt.

Nach Westen war die Uebersicht über das Gelände in der Marschstrecke bis zum Ruhudye-Thale stark behindert. Der flach wellige Charakter der Land­schaft muss hier aber nach dem Ueberblick, der sich vom Kidugala-Berge ge­winnen liess, bis zum Quellgebiete des Kilondo derselbe bleiben. Weiter gegen Norden ragt eine gewaltige Plateaumasse mit steilen Rändern 400 bis 500 m hoch über das mittlere Niveau des welligen Geländes empor. Wir haben hier das Plateau vor uns, das auf dieser Reise zuerst vom Gipfel des Kidugala- Berges beobachtet wurde, und dessen westliche Hälfte wir im März d. Js. in den die Kessellandschaft Buanyi umrandenden Tafelbergen kennen gelernt haben. Die Ansicht 1 auf Tafel XI giebt das Plateau in der Erscheinung, in der es sich dem Auge von dem Höhenpunkte nördlich vom Lager des 26-/27. September aus darstellt, wieder. Der Plateaurand ist durch eine Anzahl von Thalein­schnitten, die zur Linken wahrscheinlich durch den Rumbira zum Nyassa, zur Rechten durch den Mbarali zum grossen Ruaha entwässern, unterbrochen. Die in der Mitte des Bildes sichtbare Erhebung bezeichnet den Eckpunkt, von dem aus sich der Plateaurand einerseits nach Südwesten, andererseits nach Nord­westen erstreckt.

Das Thal des Mbarali zieht sich in Gestalt einer breiten Senke unter dem Fusse des in nordwestlicher Richtung verlaufenden Zweiges des Plateaurandes hin. Zur Rechten des Thaies dehnt sich ein Hügelland aus, das bis zu der Stelle, wo der Mbarali seinen Lauf unter dem Plateaurande hin aufgiebt, um nach rechts'in eine weite Alluvialebene einzubiegen, ziemlich allmählich bis zu einer Meereshöhe von 1100 m abfällt.

Die Alluvialebene, in die der Mbarali gerade beim Lager des 30. 9./1. 10. eintritt, ist dieselbe, die im März d. Js. mehrfach von den Höhen der Landschaft Buanyi aus eingesehen werden konnte. Sie pflegt als »Ruaha-Ebene« bezeichnet zu werden, da sich in ihr die Zuflüsse sammeln, welche in ihrer Vereinigung den »grossen Ruaha« bilden.

Die Ebene wird auf zwei Seiten von hohen Steilabbrtichen begrenzt: im Süden von dem Abbruche, mit dem die Randberge von Buanyi endigen (vergl. das Landschaftsbild 2 auf Tafel XI), im Nordwesten von einem ähnlichen Ab­bruche, der, weit im Westen bei Utengule beginnend, zuerst östliche, dann nordöstliche Richtung verfolgt und sich in letzterer Richtung in weiter nebliger P'erne verliert.

Die Ausdehnung der Ebene nach Nordosten hat nicht festgestellt werden können, scheint aber sehr beträchtlich zu sein. Im Westen findet ein fast un­merklicher Uebergang aus der Ebene in ein sanft ansteigendes Hügelland statt.