Wiedhafen.
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Küste aber naturgemäss über die Schifffahrtsstrasse des Shire und Zam- besi nahm. Nachdem in der Zwischenzeit mehrere deutsche Firmen Niederlassungen am See gegründet haben, und die Regierung durch Errichtung der Station Wiedhafen, durch Besserung des Karawanenweges von Kilwa iiber Barikiwa und Mangua nach Wiedhafen und durch Heranziehung der Wangoni zu Trägerdiensten auf eine Belebung des Landverkehrs zwischen der deutschen Küste und dem Nyassa hingewirkt hat, wird Wiedhafen sicherlich bald eine gewisse Bedeutung erlangen. Welchen Umfang diese Bedeutung aber auf die Dauer annehmen wird, lässt sich heute noch nicht absehen. Es wird abgewartet werden müssen, ob sich die Kosten des Landtransportes künftig soweit ermässigen lassen werden, dass sie die Kosten des Transportes auf dem Shire—Zambesi- Wege, welche gegenwärtig schon verhältnissmässig niedrig sind und bei der starken Zunahme des Verkehrs anscheinend gerade jetzt einer starken Herabsetzung entgegen gehen, nicht wesentlich übersteigen.
Sollte zur Ermässigung der Transportkosten und zur Erleichterung und Hebung des Verkehrs der Bau einer Eisenbahn von der deutschen Küste nach dem Nyassa zweckdienlich und vortheilhaft erscheinen, so würde die Aus- miindung dieser Bahn am Nyassa nach dem, was im Vorhergehenden über die Gelände-Verhältnisse gesagt worden ist, nur bei Wiedhafen erfolgen können. Als Ausgangspunkt an der Küste würde Kilwa empfehlenswerther sein als Lindi, da auf dem Wege von Kilwa erheblich weniger Wasserläufe als auf dem von Lindi zu überschreiten sind.
Ausgeschlossen erscheint mir für den Verkehr zwischen der Küste und dem Nyassa eine Benutzung des Wasserweges Rufiyi — Ulanga. Nach den Ergebnissen der neueren Untersuchungen lässt die Schiffbarkeit beider Flussläufe soviel zu wünschen übrig, dass schon berechtigte Zweifel bestehen, ob die dem Ulanga unmittelbar benachbarten Hochländer je aus dieser »Wasserstrasse« Nutzen ziehen werden. Vom Nyassa bis zum oberen Ende des schiffbaren Ulanga ist aber noch ein so weiter und durch so überaus schwieriges Gelände führender Weg, dass schwer einzusehen ist, wie Jemand dazu kommen sollte, Waaren auf diesem Wege, der zugleich einen weiten Umweg bedeutet, vom Nyassa nach der Küste oder umgekehrt zu befördern. Der gerade Landweg von Wiedhafen nach Kilwa oder der ohne jedes Hinderniss unmittelbar an den Nyassa sich anschliessende Wasserweg des Shire und Zambesi werden meiner Ueberzeugung nach immer mit erheblich geringeren Kosten und in kürzerer Zeit als der Ulanga—Rufiyi-Weg zum Ziele führen.
V. Kanoefahrt von Wiedhafen bis Ikombe.
1. Von Wiedhafen (Mbongo) bis Kalanga. 19. und 20. April. Das Bergland fällt auf der ganzen Strecke bis Kalanga so steil und unvermittelt zum See ab, dass an eine Fortsetzung des bisherigen Landmarsches nicht zu denken war und die Reise statt dessen im Kanoe zurückgelegt werden musste. Zur genauen Festlegung der Strandlinie wurde die Fahrt so dicht wie möglich an Land gehalten. Dies hatte zur F'olge, dass die Uebersicht über die Formen des höheren Berglandes verloren ging und der Blick in der Regel auf den unteren Theil des Gebirgsanstieges, bis zur Höhe von einigen hundert Metern, beschränkt blieb. Wenn die Karte trotzdem eine Darstellung der Gebirgshöhen enthält, so gründet sich diese auf die Zeichnung und Peilung der Bergformen, die von fern her, von einer Anzahl im Norden und Süden gelegener Aussichtspunkte, vorgenommen wurde. Zur Ergänzung diente ausserdem eine am 6. April von Bord des Wissmann-Dampfers auf der Fahrt von Langenburg nach Wiedhafen aufgenommenen Skizze der Gebirgsumrisse.