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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
Seite
106
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FÜNFTES KAPITEL.

Von Langenburg mit dem Wissmann-Dampfer bis Mbamba-Bay; von da zu Fusse am Seeufer entlang bis Wiedhafen und im Kanoe weiter über Langenburg

bis Ikombe.

Vom 9. bis 24. April 1896.

A. Verlauf der Reise.

Ein zweitägiger Ausflug, den ich am 6. und 7. April mit v. Eltz und den Missionaren Nauhaus und Bunk zusammen auf dem Wissmann-Dampfer nach Wiedhafen in der Absicht unternahm, die Bedingungen, welche sich dort der Anlage einer Europäer-Niederlassung bieten würden, näher kennen zu lernen, erweckte den Wunsch in mir, die gute Beförderungsgelegenheit, die der Dampfer gerade jetzt bot, und die ein anderes Mal so günstig nicht wiederkehren mochte, dazu zu benutzen, um das Gebiet am unteren Ruhuhu in Bezug auf das Vor­kommen von Kohlen sogleich näher zu untersuchen.

Da der Dampfer bereit war, meine Karawane bis zu der an der Südgrenze des deutschen Gebietes gelegenen Mbamba-Bay zu bringen, beschloss ich, die Untersuchungen gleich um ein Stück weiter auszudehnen und, ähnlich wie ich auf der letzten Reise den Nordrand des Sees bis zur englischen Grenze abge­streift hatte, nun auch das noch übrige Stück des deutschen Seeufers, von der portugiesischen Grenze im Süden bis nach Langenburg, topographisch und geologisch aufzunehmen.

Aus der Gerölleführung der in den See mündenden Bäche musste mancher Schluss auf die geologischen Verhältnisse des an den See angrenzenden Ge- birgslandes zu ziehen sein. Es war zu hoffen, dass es dabei möglich sein würde, durch Auffindung von Kohlenbröckchen, ähnlich wie sie im Ssongue und Kivira vorkamen, Anhaltspunkte für die Verbreitung von Steinkohlenlager­stätten auf der Ostseite des Sees zu gewinnen. Daneben war eine Absuchung des Seeufers nach dem Vorkommen von Kalk erwünscht, da sich der Mangel an Kalk bei den in Langenburg bisher aufgeführten Bauten recht störend geltend gemacht hatte.

Am Tage der Abfahrt von Langenburg, am 9. April, wurde zunächst der' englischen Regierungsstation Deep-Bay gegenüber Wiedhafen ein kurzer Besuch abgestattet und dann Abends an der Insel Pugulo nahe der Ostküste des Sees angelegt. Am folgenden Tage wurde die Fahrt über die Insel Lundo, die zum Einnehmen von Brennholz angelaufen werden musste, bis Mbamba-Bay