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Fünftes Kapitel. B. IV.
Das Gelände im Osten dieser Gebirgsketten wies zwar auch noch gebirgigen Charakter auf, doch nahm seine Höhe je weiter nach Osten um so mehr ab. Die Grenze des Tafellandes war infolgedessen im Nordosten und Osten viel weniger scharf ausgeprägt als im Norden. Es erschien im Osten nicht unmöglich, dass sich die Tafellandschaft dort ohne Unterbrechung bis in die auf dem Marsche von Lindi nach dem Nyassa durchzogene Landsenke von Ruanda und Luhagarra (die nach den früheren Beobachtungen gleich dem Tafellande aus flach gelagerten Schichten bestand) forterstreckte.
Der flache Charakter des Geländes findet südlich vom Ruhuhu an dem gewaltigen Gebirgsmassiv des Namtshueya, das durch • die Langangondo- und Lihingo-Berge mit den nordöstlich von Pegalila aufragenden Litumbi-Bergen in Zusammenhang steht, seine Grenze. Wir haben früher gesehen, dass die im Osten des Nyassa aufragenden Gebirgsmassen südlich von den Litumbi-Bergen, hinter Pegalila, eine breite Lücke aufweisen. Grösser und breiter noch als die Lücke dort erscheint die im Norden des Namtshueya-Massivs, im Zuge des unteren Ruhuhu, vorhandene Lücke. Sie bietet ohne Zweifel den bequemsten Zugang von den kiistenwärts gelegenen Gebieten zum Nyassa. Bei näherer Erforschung des die Lücke füllenden Geländes wird sich hier vermuth- lich auch noch ein weit besserer Zugangsweg zum See ausfindig machen lassen, als derjenige war, auf welchem wir am 17. Februar 1896 von Ruanda nach Gingama am unteren Ruhuhu gelangt sind.
Das im Osten und Süden übersehbare Tafelland ist ähnlich wie die im Norden sich ausbreitende Hochfläche mit Gras und lichtem Busch bewachsen. Stellen, wo Anbau zu vermuthen wäre, sind nirgends sichtbar.
Im Deltagebiete des Ruhuhu nehmen die bebauten Landflächen, wie von der Dudyspitze aus deutlich zu erkennen ist, nur einen verhältnissmässig geringen Raum ein.
Verzeichniss der Gesteinsproben.
1. 18. 4. 96. Fuss des Mbongo-Berges nördl. vom Lager; abgerutschtes Gebirge. Gelblich-grauer, feinkörniger, kalkig-thoniger, fester Sandstein.
2. 18. 4. 96. Auf der südl. Vorhöhe der Dudg-Spitze anstehend. Gelblichgrauer, feinkörniger, thoniger Sandstein, durch Druck zertrümmert und durch kieseliges Bindemittel wieder verkittet.
3. 18. 4. 96. Auf dem Gipfel der Dudy-Spitze anstehend. Hellgrauer, feinsandiger, fester Kalkstein.
IV. Wiedhafen.
Als Ankerplatz für den Gouvernements-Dampfer dient innerhalb der weiten Bucht, die von den Engländern früher als Amelia-Bay bezeichnet worden ist und durch H. v. Wissmann 1891 den Namen Wiedhafen erhalten hat, die Nordseite einer flachen, sandigen Landzunge, welche sich zwischen den Gemarkungen Kelamila und Manda in den See vorstreckt. Der Platz ist gegen die vorherrschenden Winde aus südlicher Richtung wohlgeschützt, fast besser noch als die im Norden der neu errichteten Station Wiedhafen einspringende Mbongo- Bucht. Zudem ist der Ankergrund bei Manda, wie die Eingeborenen die Regierungsstation und den Ankerplatz zu benennen pflegen, rein sandig, während die Mbongo-Bucht grossentheils felsigen Grund und felsige Ufer besitzt.
Wiedhafen hat vor den sonstigen Hafenplätzen der deutschen Nyassaktiste den Vorzug, dass von hier der bequemste, durch Gebirgshöhen am wenigsten behinderte Weg nach Osten zur Küste führt. Zur Zeit meines Aufenthalts am Nyassa war seine Bedeutung für den Handel trotzdem verschwindend, da deutsche Kaufleute am See noch fehlten, der englische Handel seinen Weg zur