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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
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I IO

Fünftes Kapitel. B. III. i.

auch für den Handelsverkehr mit der Küste Veranlassung- sein, Mbamba-Bay zu meiden und sich statt dessen dem viel günstiger gelegenen Wiedhafen zu­zuwenden.

Verzeichniss der Gesteinsproben.

1. io. 4. 96. Am Mbamba-Berge anstehend. Grobkörniger Biotitgranit, durch grosse Orthoklaseinsprenglinge porphyrisch.

2. 11. 4. 96. Anstehend auf der Höhe 1,2 km östlich vom Lager in der Mbamba- Bay. Röthlicher Biotitgranit mit milchweissen Quarzen.

III. Marsch von Mbamba-Bay bis Wiedhafen.

1. Von Mbamba-Bay bis Panyambe. 11. bis 13. April. Der Weg führt fast stets nahe am Strande hin, der in dieser Strecke besonders viele, wenn auch verhältnissmässig flache Aus- und Einbuchtungen aufweist.

In der Anfangs- und Endstrecke reichen die bewaldeten Vorberge des Gebirgslandes bis dicht an den See heran, im Süden mit kräftig bewegten Formen, im Norden mehr in Gestalt sanfter, niedriger Hügelwellen. Mächtige Blöcke desselben Granits, der an der Mbamba-Bay ansteht, liegen längs der ganzen Küste weithin verstreut und sind oft zu seewärts vorspringenden Rücken aufgepackt.

In der Mittelstrecke, zwischen dem Luika-Bache und dem Lagerplatze Lihonge, weicht der Rand der Vorberge 1 bis 3 km weit vom See zurück, und es bleibt davor ein Streifen von ebenem, zum Theil sumpfigem Alluvialland, das im Gegensatz zu dem licht bewaldeten Hügellande nur mit hohem Gras und Busch bewachsen ist, liegen. Der Landstreifen hat ähnlich der Landzunge im Osten des Mbamba- Berges nur eine Höhe von 4 bis 5 m über dem Seespiegel. Er besteht aus den Sand- und Geröllemassen, welche die auf der Strecke mün­denden Bäche, namentlich der Luiko (10 m breit, stark fliessend) und der Mbao (25 m breit, bis 1,5 m tief, mittelstark fliessend), in den See vorgeschüttet haben. Die Vorschüttung kann, da die Bäche heute tief in ihre Alluvionen ein­geschnitten sind und selbst bei grossen Hochfluthen das Niveau dieser Alluvionen nicht mehr erreichen, nur zu einer Zeit geschehen sein, als der Seespiegel noch um mindestens 5 m höher gelegen war als heute. Wir sehen, dass die Er­scheinung, die wir zuerst am Delta des Ruhuhu, danach im Norden des Sees, an der Rumbira-Mündung und in der Kondeebene, beobachtet und die wir an der einen wie an der anderen Stelle als ein Anzeichen für einen geologisch sehr jungen Rückgang des Nyassaspiegels gedeutet haben, auch hier soviel weiter im Süden, noch in ganz übereinstimmender Weise wiederzufinden ist.

Der hinter den Vorbergen schroff aufsteigende Gebirgsrand hat, da er vielfach in Nebel gehüllt war, nicht durchweg zuverlässig festgelegt werden können. Sein Verlauf scheint aber von weiter Ferne im Süden aus dem portu­giesischen Gebiete her bis in die Gegend von Panyambe ziemlich einfach und geradlinig zu sein, nur unterbrochen durch eine Anzahl tief eingeschnittener Thalschluchten. Bei Panyambe erreicht der Rand in dieser Gestalt ein Ende. Ein gewaltiger Bergrücken, der Nkaladya, löst sich hier in nordwestlicher Richtung von der Gebirgsmasse ab und springt, hoch emporragend über die bisherigen Vorberge, bis an das Seeufer vor. Der Bergrücken hat dem Gebirge zunächst fast dessen Höhe, etwa 1000 m über dem Spiegel des Nyassa. Seewärts senkt er sich mit zackigem Kamm allmählich bis auf etwa 250 m relativer Höhe ab und schwillt dann in dem Bahi-Berge noch einmal auf das doppelte dieser Höhe an. Der Bahi-Berg fällt nördlich von Panyambe steil und felsig zum Nyassa ab.

Kurz vor Erreichung des zwischen mächtigen Granitblöcken malerisch ge­legenen Dörfchens Panyambe werden zum ersten Male auf dem Marsche die