Langenburg.
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wieder beobachten können. Sie pflegt sich bald nach Sonnenaufgang einzustellen und erst in der Abenddämmerung wieder zu verschwinden. Bei den topographischen Arbeiten ist sie oft als ein recht unangenehmes Hinderniss empfunden worden. Ihre Erklärung ist offenbar in einem Aufsteigen der von der Sonne erwärmten, dunstbeladenen Seeluft an den steilen Berghängen zu suchen. Der Druckverlust beim Aufsteigen der Luft und die daraus folgende Abkühlung muss in bestimmter Höhe zu einer Ueberschreitung des Thaupunktes und damit zur Nebelbildung führen. Eine besondere Beleuchtung erfährt dieser Vorgang an allen den Stellen, wo der den See begleitende Gebirgsrand von Thalspalten unterbrochen wird. Ueber jeder solcher Thalspalte erhebt sich bei ruhigem Wetter eine scharf umgrenzte senkrechte Wolkensäule, die oft zu der mehrfachen Höhe des Gebirges emporsteigt.
Der Einfluss des Sees auf die meteorologischen Verhältnisse der Umgebung ist unverkennbar. Eine fachmännische Untersuchung dieser Verhältnisse dürfte zu manchen interessanten und auch praktisch nicht werthlosen Ergebnissen führen.
VIII. Langenburg.
1. Bodengestaltung, Geologie und Besiedelung. Die Station Langenburg ist am Fusse der hohen Kingaberge auf einer flachen sandigen Halbinsel gelegen, die von dem aus den Kingabergen kommenden Rumbira-Bache in den See vorgeschüttet worden ist. Die Halbinsel hat eine Ausdehnung von etwa 1000 m längs des Fusses des Gebirges und von 600 m in der Querrichtung dazu. Durch den 15 bis 20 m breiten, wasserreichen Rumbira-Bach wird sie in zwei ungleiche Hälften getheilt: eine grössere nördliche, auf der im Jahre 1892 durch Major v. Wissmann die zu Ehren des Kaiserlichen Statthalters in Eisass-Lothringen, Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg, benannte Station Langenburg begründet worden ist, und eine kleinere südliche, auf der die African Lakes-Corporation Ende der achtziger Jahre vorübergehend eine Handelsfaktorei unterhalten hat. Die Halbinsel wird nach dem »Jahresberichte über die Entwickelung der deutschen Schutzgebiete im Jahre 1897/98« von etwa 750 eingeborenen Wakissi bewohnt.
Das Gebirge erhebt sich zu den Seiten des eng eingeschnittenen Rumbira- thales dicht hinter der Halbinsel ohne Vorland so steil, 'dass seine Ersteigung namentlich für Lastenträger mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. Wenn auch nackte Felsabstürze verhältnissmässig selten Vorkommen, so ist doch auch der weisslichgraue lehmige Verwitterungsboden, zu welchem die in den Randbergen vorzugsweise verbreiteten Hornblende- und Biotit-Hornblende-Gneisse (Gesteinsproben 1, 4, 5, 7 und 10) zerfallen, bei der andauernden Heftigkeit des Erosionsangriffes so stark geneigt, dass die auf den Kämmen der Zweigrücken des Berglandes aufwärts führenden Fusspfade oft Steigungen von 30° und mehr zu überwinden haben.
Die Lagerung der Gneissschichten ist ziemlich gestört. Vorherrschend ist ein Streichen parallel dem Seeufer und saigeres Einfallen. Ein Anzeichen dafür, dass hier gewaltige Gebirgsbewegungen stattgefunden haben, ist in dem häufigen Auftreten von Reibungsbreccien zu erkennen, die z. Th. eine so feinkörnige Beschaffenheit besitzen, dass ihr Aussehen an Kieselschiefer erinnert (Gesteinsproben 2, 6 und 11). Neben Gesteinen dieser Art sind auch massige Gesteine (Gesteinsproben 3, 8 und 9), die den Gneiss anscheinend in Gängen durchsetzen, nicht selten.
Während die Thalschluchten an hochgewachsenen starken Bäumen reich sind, wächst auf den Hängen ausserhalb derselben nur ein lichter, dürftiger Laubwald. Siedelungen fehlen an den dem See zugekehrten Hängen. Erst jenseits der Kammhöhe der dem Seeufer nördlich wie südlich vom Rumbira parallel ziehenden, 1000 bis 1500 m über den Nyassa aufragenden Randkette
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