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Zweites Kapitel. C. VII.
4. Bodenbewachsung und Besiedelung. Der Wechsel der geologischen Verhältnisse prägt sich in der Bodenbewachsung und Besiedelung auf das deutlichste aus. Luhagarra und Ruanda sind überall da reich bebaut und besiedelt, wo der Boden aus der Verwitterung lettiger Schichten oder eines Wechsels von Letten und Sandsteinen hervorgegangen ist. Dagegen sind die Striche, in denen die Sandsteine zur Vorherrschaft gelangen, fast durchweg unbebaut. Ein dürftiger Steppenwald mit lückenhafter Grasnarbe pflegt hier allein den sandigen Boden zu bedecken.
Das archäische Gebirgsland des Namtshueya weist an manchen Stellen kleine Siedelungen auf, deren Pflanzungen auf dem fruchtbaren rothlehmigen Boden recht gut 'gedeihen. Nur die Steilheit der Hänge ist hier einer Ausdehnung der Siedelungen hinderlich.
Gänzlich unbewohnt ist das Tafelland am unteren Ruhuhu und die Thalsohle des Flusses bis zum Delta. Bei dem Tafellande kann dies nicht verwundern, da die dickbankigen Sandsteine einen sehr unfruchtbaren Boden liefern, auf dem weithin nichts als licht gestellte, niedrige, verkrüppelte Bäume und Dornbüsche fortkommen. Eher könnte die Thalsohle an manchen Stellen zur Besiedelung einladen. Spuren früherer Bebauung sind hier auch an einigen Stellen vorhanden. Die Aufgabe der Wohnplätze scheint hier ebenso wie in dem Gebiete östlich von Ssongea auf Rechnung der von den Wangoni ausgehenden Belästigungen zu setzen zu sein. Bei Gingama finden sich einige Unterkunftshütten, die gelegentlich von Fischfang treibenden Eingeborenen benutzt werden.
Durch vorzüglichen Boden ist das Deltagebiet ausgezeichnet. Die jetzt auf die Nähe der Ruhuhu-Mündung beschränkten Siedelungen sind hier noch einer grossen Ausdehnung fähig. Dieselbe wird unter den jetzigen friedlichen Verhältnissen und nach Gründung einer Regierungsstation in Wiedhafen, nahe nördlich von der Ruhuhu-Mündung, auch schwerlich lange auf sich warten lassen.
VII. Fahrt mit dein Gouvernements-Dampfer „Hermann von Wissmann“ von der Ruhuhu-Mündung nach Langenburg.
20. Februar.
Die Tafellandschaft am unteren Ruhuhu mit den im Hintergründe darüber emporragenden rundkuppigen Gebirgsmassen lag bald nach der Abfahrt des Dampfers klar und übersichtlich vor Augen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees zeichnete sich der Mount Waller, ein Tafelberg, der im Westen ebenfalls von höheren Gebirgsmassen überragt wird, deutlich ab. Aus der Thatsache, dass dort von englischen Forschern schon vor längeren Jahren Steinkohlen nachgewiesen waren, liess sich die Hoffnung rechtfertigen, dass es bei einer näheren Untersuchung des Tafellandes am Ruhuhu möglich sein würde, auch hier Steinkohlen aufzufinden.
Nördlich von Wiedhafen waren oben auf dem aus dem See aufsteigenden, 200 bis 400 m hohen Berglande noch etwa 10 km weit horizontal geschichtete Gesteine sichtbar. Weiter nördlich verschwanden sie. Der archäische Untergrund, welcher an der Basis der Berge schon nahe nördlich von Wiedhafen hervorzutreten schien, stieg zu grösseren Höhen empor, die je weiter nach Norden um so imposantere Formen annahmen.
Die höchsten Gipfel des den See begleitenden und ohne Vorland schroff • aus ihm emporsteigenden Gebirgslandes lagen andauernd im Nebel verborgen. Der Nebel schnitt unten in einer geraden Linie, die längs des Gebirgsrandes in 800 bis 1000 m Höhe über dem Nyassaspiegel zu verfolgen war, ab. Dieselbe Art der Nebelbildung habe ich später noch oft mit grosser Beständigkeit