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Zweites Kapitel. C. V. i.
Vegetationsverhältnisse nur von geringem Einflüsse. Besitzt der Boden des Hügellandes in der Tiefe und an den steileren, der Erosion stark ausgesetzten Hängen auch meist einen guten Lehmgehalt, so pflegt er auf der Höhe der Erhebungen doch so ausgewaschen zu sein, dass seine Fruchtbarkeit kaum höher einzuschätzen ist als die des sandigen Steppenbodens zwischen den Inselbergen. Bessere Partieen kommen immerhin vor, so in dem Plateaugebiete, welches am 31. Januar durchzogen wurde. Sie verrathen sich durch kräftigeren Wuchs der Bäume und ziemlich starke Entwickelung von Unterholz, das in der gewöhnlichen Baumsteppe fehlt oder doch sehr zurücktritt.
Das durchzogene Gebiet ist gegenwärtig völlig unbewohnt. Waren im Bereiche der Inselberge wenigstens abseits vom Wege noch hin und wieder versteckte Siedelungen vorhanden, so ist hier auch davon nichts zu finden. Wie aus den Spuren eines früheren Feldbaues, die sich vielerwärts nachweisen lassen, hervorgeht, ist das Land nicht immer so menschenleer gewesen. Seine Entvölkerung ist erst eine Folge der ständig wiederholten Raubzüge der Wangoni. Immerhin kann man sagen, dass die Wangoni mit dieser Entvölkerung kein schwieriges Werk gehabt haben, denn eine sehr spärliche Bevölkerung kann in dem Lande seiner Natur nach auch vordem nur vorhanden gewesen sein. Nachdem die Wangoni-Gefahr jetzt beseitigt ist, werden sich an den früheren Wohnstätten hier gerade so wie im Gebiete der Inselberge gewiss bald wieder Menschen einfinden. Schwach bewohnt wird das Land aber für alle Zukunft bleiben.
Lieder hat über die Lage der wichtigsten früheren Siedelungen nähere Erkundigungen eingezogen und die Ergebnisse derselben, in seinen Tagebuchblättern mitgetheilt*). Die Siedelungen sind meist an die das Land durchziehenden Thäler gebunden gewesen. Wenigstens hat sich der Feldbau fast ganz auf die Thalsenken beschränkt, wenn auch die Wohnhütten zuweilen auf der Höhe der Erhebungen gelegen zu haben scheinen.
V. Marsch vom Lager Mpandaredyera bis Luhagarra.
7. bis 15. Februar.
1. Oberflächengestaltung. In zwei starken Tagemärschen wird von Mpandaredyera aus der scharf bezeichnete Ostrand zum Hochlande Ungoni erreicht und darauf das letztere in seiner Breitenausdehnung durchmessen.
Das Vorland ist je näher dem Anstiege zum Hochlande um so bergiger gestaltet. In den Gemarkungen Mibura und Mkokono erhebt sich eine Anzahl 200 bis 300 m hoher Bergkuppen fast so vereinzelt über die Umgebung wie die Inselberge zwischen Tshikukwe und Massassi. Die Uebereinstimmung mit dem Charakter der dortigen Landschaft würde vollkommen sein, wenn man sich zwischen den Bergkuppen eine ebene Sanddecke ausgebreitet dächte. Statt dessen wachsen die Berge hier aus einem unebenen, von Bachläufen stark zerfurchten und vielfach felsigen Gelände heraus.
Die mittlere Höhe des Vorlandes beträgt etwa 920 m. Demgegenüber hat das Hochland bei Ssongea eine randliche Höhe von 1200 bis 1300 m, die in den südlich gelegenen Mpingi-Bergen bis auf 1500 m ansteigt.
Westwärts fällt das Hochland zu einer Durchschnittshöhe von 1000 m ab. Der Weg hält sich vom Lager des io./ii. Februar bei Matengos’ Dorf bis kurz vor Luhagarra mit seltenen Ausnahmen in den Höhengrenzen von 1050 und 950 m. Die Thalzüge sind meist flach in das Land eingeschnitten. Ueber das allgemeine Niveau des Hochlandes ragt eine Anzahl hoher Bergrücken, die
•) a. a. O. S. 108 ff.