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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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Zweites Kapitel. C. IV. i.

Anders verhält es sich mit den Grasbränden in Gebieten, die durch üppigen Gras- und Krautwuchs ausgezeichnet sind, sofern die Ausdörrung der Vegetation hier in ähnlich vollständiger Weise eintritt, wie in der gewöhnlichen Laubsteppe. Entsprechend dem grösseren Vorrath an Brennstoff ist die Brand­wirkung hier dann auch gefährlicher. Der Charakter des Waldes muss in solchen Gebieten allerdings durch die regelmässigen Grasbrände arg beeinträchtigt werden.

Der Feldbau der Eingeborenen ist fast ausschliesslich auf den rothlehmigen Verwitterungsboden des Gneisses beschränkt, selten dass man ein Stück des sandigen Steppenbodens einmal mit dem genügsamen Mhogo bepflanzt findet. Der Rothlehm scheint bei sorgfältiger Auflockerung durch Hackarbeit im All­gemeinen recht günstige Erträge an den gewöhnlichen Negerfrüchten zu liefern. Die Eingeborenen haben den Boden denn auch rings um die Massassi-Berge vielfach in Anbau genommen und setzen hier in guten Erntejahren grössere Mengen von Verpflegungsmitteln an die durchziehenden Karawanen ab.

Westlich von den Massassi-Bergen findet man an vielen der Stellen, wo der Rothlehm den sandigen Steppenboden durchragt, die Spuren einer früheren Bebauung und Besiedelung. Diese Spuren zeigen sich ausser in der Andeutung alter Ackerfurchen immer darin, dass der ursprünglich vorhanden gewesene lichte Laubwald nach der Aufrodung des Bodens durch einen dichten, oft kaum durchdringbaren niedrigen Busch ersetzt worden ist.

Wenn die früheren Siedelungen längs der Route jetzt alle verlassen sind, so tragen daran nur die bis zum Jahre 1897 fast alljährlich wiederholten Raub­züge der Wangoni Schuld. Infolge der ständigen, hieraus folgenden Belästi­gungen waren zur Zeit unseres Durchmarsches alle leichter zugänglichen Theile der Landschaft von Menschen verlassen. Nur in den verstecktesten Winkeln der Goliro- und Madyedye-Berge sollten nach Angabe der Führer noch kleine Niederlassungen von Wayao vorhanden sein.

Nachdem gegen Ende des Jahres 1897 eine Militärstation in Ungoni errichtet und damit den Raubzügen der Wangoni, wie mit Sicherheit an­genommen werden darf, für alle Zeiten ein Ende gemacht ist, wird es voraus­sichtlich nicht lange dauern, bis zu manchen der alten Wohnstätten wieder Ansiedler zurückkehren werden. Der Karawanen weg von Lindi nach dem Nyassa wird dann in Zukunft für kleinere Karawanen wieder ohne Gefahr des Ver­hungerns passirbar sein.

An eine künftige dichte Besiedelung des Landes ist seiner Natur nach aber nicht zu denken. Die bebauungsfähigen, rothlehmigen Bodenflächen nehmen im Vergleich zu den unfruchtbaren Sandflächen einen so geringen Raum ein, dass die Siedelungen immer auf einen recht kleinen Theil des weiten Landes beschränkt bleiben werden. Eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung wird das Gebiet daher nie erlangen. Sollte es je zum Bau einer Eisenbahn durch dieses Gebiet nach dem Nyassa kommen, so würde auf eine Zuführung von Frachten aus dem durchquerten Gebiete in nennenswertem Maasse nicht zu rechnen sein.

IV. Marsch vom Lager am Muhesi-Flusse bis zum Lager Mpandaredyera.

30. Januar bis 6. Februar.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Mit dem Uebergange über den Muhesi wird das Flachland, durch das der Marsch bis dahin geführt hat, verlassen und ein Hügelland betreten.

Die Gewinnung einer Uebersicht über die Geländeformen seitlich vom Wege ist hier besonders schwer, da nackte Felskuppen, wie sie bisher so oft