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Denkschrift zur Förderung des Deutschtums in China / Deutsche Vereinigung Schanghai
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Staatsschulen.

erkennt die Sachlage nicht genügend. Derartige Konzessionen machen sich auf dem Papier sehr gut, bedeuten aber in die Praxis umgesetzt nichts. Wenn Englisch an den Mittelschulen die einzige obligatorische Sprache ist, werden die Schüler nur in Ausnahmefällen noch daneben Deutsch leinen. Was nützt es uns dann, daß an den Universitäten oder Fachschulen in einzelnen Zweigen in deutscher Sprache gelehrt wird, wenn es an Schülern fehlt, die diese Sprache genügend beherrschen. Auf toten Geleisen kommen wir nicht weiter. Der Kern der Frage liegt im Kampf um die Mittelschule; erreicht werden muß Gleichstellung der deutschen Sprache mit der englischen als obligatorischer Unterrichtsgegenstand an den Mittel-, Fach-, Hochschulen und Lehrerseminaren. Auf die Elementarschulen, in denen die Schüler nur bis zum elften Jahre ver­bleiben, glauben wir verzichten zu können.

Es bedarf keiner näheren Ausführung, daß, auch wenn es uns gelingt, die deutsche Sprache an den chinesischen Staatsschulen in dem als notwendig bezeichneten Umfange durchzusetzen, wir auf die vorhin skizzierten deutsch­chinesischen Schulen unter deutscher Leitung nicht verzichten können. Denn nur auf diesen Schulen werden wir die Schüler im ausgesprochenen Gegensatz zu unsern Konkurrenten beeinflussen und sie an ausschließlich deutsche Interessen fesseln können.

Wesentlich leichter dürften wir zum Ziele kommen, wenn wir der Deutsche Lehrer chinesischen Regierung eine Anzahl deutscher Lehrer für Lehrerseminare, an chinesischen Hochschulen, Fachschulen und Militärakademien zur Verfügung stellen. Der große Einfluß, den seinerzeit die Japaner auf das chinesische Bildungs-, Schul- und Militärwesen erlangt haben, ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß sie die von ihnen erbetenen Lehrer und Offiziere in ihrem Beförderungs­verhältnis unter Fortgewährung ihres heimischen Gehaltes beließen und von der chinesischen Regierung nur ein den chinesischen Verhältnissen entsprechendes Gehalt forderten. In gleicher Weise sollten wir verfahren. Aus einem zu schaffenden Fonds sollte den Lehrern und Militärinstrukteuren eine Zulage gewährt werden, die ihnen ermöglicht, ein standesgemäßes Leben zu führen. Bezeichnend für die Sachlage ist ein Wort des jetzigen Präsidenten der Republik Yüan-Shi-kai, der als Gouverneur der Provinz Chihli im Jahre 1905 gelegentlich erklärte, er beriefe nur deshalb so viele Japaner als Militärinstrukteure, weil ihm diese von der japanischen Regierung gegen Zahlung eines Beitrages zur Verfügung gestellt würden, der ihm erlaube, zehn Japaner anzustellen, wo die Mittel sonst nur für einen Deutschen ausreichen würden.

Bei der Auswahl der Fächer, für die die Anstellung deutscher Lehrer anzustreben ist, sprechen zwei Erwägungen mit. Einmal nationalwirtschaftliche; sie stellen die Materien in den Vordergrund, in denen Deutschland anerkannter­maßen besonders Gutes leistet und deren Lehre in China, nach deutschem Vorbild, den deutschen Erzeugnissen auf diesem Gebiete den chinesischen Markt öffnen oder offen halten soll. Dazu gehören alle Materien, die an den deutschen technischen Hochschulen einschließlich der Bergakademien gelehrt werden, ferner die Fächer der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Hoch-

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