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Denkschrift zur Förderung des Deutschtums in China / Deutsche Vereinigung Schanghai
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Worte wirkliche Chinesen bleiben; denn sind sie das nicht, so ist ihnen die Wirkungsmöglichkeit in ihrem Volke abgeschnitten. Um hier sicher zu gehen, sollten wir die Grundsätze des englischen College-Systems übernehmen und die Schüler in Gruppen von 10 bis 20 in Internaten unterbringen, in denen eine fortdauernde Kontrolle hinsichtlich ihrer Studien und ihrer Lebens­führung ausgeübt wird.

Die jährlichen Ausbildungskosten jedes Schülers können mit 1650 Mark gedeckt werden. Es ist damit zu rechnen, daß der 1000 Mark übersteigende Betrag von den Studenten selbst gedeckt wird. Werden jährlich 100 Studenten für einen dreijährigen Kursus genommen, so betragen die jährlichen Ausbildungs­kosten vom dritten Jahr ab 300 000 Mark; dazu kommen jährlich 100 Ausreisen und 100 Rückreisen mit je 850 Mark = 170 000 Mark, im ganzen also jährlich 470 000 Mark = 235 000 $. Chinesische Man wird davon ausgehen können, daß die fremden Schulen in China,

Staatsschulen, ähnlich wie in Japan, nur ein Provisorium bedeuten und daß der chinesische Deutsche Sprache Staat mit erstarkender Reorganisation danach streben wird, alle fremden Schulen

an chinesischen abzuschaffen oder in eigene Verwaltung zu übernehmen. Bauen wir unsere Staatsschulen. & ö

Schulen zu den Musteranstalten aus, als die sie gedacht sind, so kann man

mit einer Übernahme seitens der Chinesen in absehbarer Zeit rechnen. Die Früchte unserer Bestrebungen werden wir aber nur dann ernten können, wenn schon jetzt dafür gesorgt wird, daß der deutschen Sprache an den staatlichen Mittel-, Hoch- und Fachschulen der gleiche Rang eingeräumt wird, wie der englischen Sprache. Sonst werden wir, sobald unser direkter Einfluß auf die von uns gegründeten Bildungsanstalten aufhört, es erleben müssen, daß England und Amerika da ernten, wo wir gesät haben. Die Frage, wie wir schon jetzt der deutschen Sprache zu der ihr gebührenden Stellung an den chinesischen Staatsschulen verhelfen, scheint uns von größter Wichtigkeit zu sein und mindestens dieselbe Bedeutung zu haben wie der Ausbau unseres ganzen deutsch-chinesischen Schulsystems. Unsere Diplomatie darf daher kein Mittel unversucht lassen, unsere Bestrebungen auf diesem Gebiet durchzusetzen.

Es liegt auf der Hand, was für uns davon abhängt. Mit einem Schlage würde der deutschen Sprache eine maßgebende Bedeutung verschafft, wenn wir derart in Chinas eigenem weitverzweigten Staatsschulsystem Fuß fassen, daß Deutsch obligatorischer Unterrichtsgegenstand wird. Mit welchen Mitteln dabei gearbeitet werden muß, ist im Wesentlichen eine politische Frage, die von hier nicht beurteilt werden kann; aber das läßt sich mit Sicherheit absehen, daß wir auf manchen anderen Gebieten den Chinesen entgegenkommen können, wenn wir hier nur Erfolg haben.

Es steht in dieser Frage zu viel auf dem Spiel, als daß wir uns mit Kompromissen begnügen könnten. Wer glaubt, daß mit einigen der letzthin ergangenen chinesischen Schulverordnungen etwas erreicht ist, nach denen Deutsch an den Hochschulen für Medizin erste Unterrichtssprache sein soll und an den Fachschulen in den technischen Fächern und in Land- und Forst­wirtschaft der englischen Sprache gleichgestellt zu werden Aussicht hat,

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