Mittel, den chinesischen Markt zu erobern.
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konsularischer Dienst.
IND wir demnach entschlossen, den Kampf um den chinesischen Markt aufzunehmen, so handelt es sich um die Frage, welche Mittel uns zum Ziele führen können. Bevor wir hierauf eingehen, sollen einige einleitende Bemerkungen über unsere behördlichen Vertretungen und über die deutsche Finanz in China vorausgeschickt werden. Denn ohne deren tatkräftige Mitwirkung können wir auf einen vollen Erfolg nicht hoffen. Diplomatischer Unser diplomatischer und konsularischer Dienst in China bedarf der
un d Reorganisation. Ohne weiteres ist zuzugeben, daß wir, und nicht nur vereinzelt,
eine Anzahl tüchtiger Beamten haben; aber die Schwäche liegt im System. So lange Deutschland sich in China nicht auf eine offizielle Vertretung stützen kann, die den besonderen Verhältnissen des Landes angepaßt ist, werden wir die Höchstleistungen, die mit unserm Beamtenapparat zu erzielen wären, nicht erreichen.
Ein nur flüchtiger Einblick in die Verhältnisse Chinas lehrt, daß dieses Land mit einer in sich geschlossenen, eigenartigen Kultur, mit seinen auf ihre Weise hochentwickelten Köpfen nicht nach dem Schema behandelt werden kann, das für europäische Staaten vielleicht richtig ist. Man muß China und die Chinesen, chinesische Gesinnungsart, chinesische Logik, chinesische Begriffe von Recht und Pflicht kennen, um zu verstehen, wie dieses Land behandelt sein will. Daraus folgt, daß Deutschland diplomatische und konsularische Vertreter haben muß, die die besonderen Verhältnisse des Landes gründlich kennen gelernt haben, bevor sie vor die Aufgabe gestellt werden, wichtige Posten zu verwalten. Es liegt in der Natur der eigenartigen chinesischen Verhältnisse, daß Jahre ernsten Studiums des Landes, seiner Bewohner und seiner Sprache nötig sind, um dieses Volk verstehen und behandeln zu können. Eingehende Personen- und Sachkenntnis bedeuten hier alles; ohne sie ist ein nachhaltiger Erfolg nicht zu erwarten. Das haben die Engländer seit vielen Jahren erkannt und danach gehandelt.
Unser jetziges bezw. bisheriges System der diplomatischen und konsularischen Vertretung in China trägt diesem Haupterfordernis nicht genügend Rechnung, und darin ist in erster Linie der Grund zu suchen, weshalb Deutschland unter den Mächten China gegenüber nicht den Rang einnimmt, der ihm kraft seiner sonstigen Bedeutung zukommt.
Man braucht nicht weit zurückzugehen, um einen Beweis für das Versagen unseres Systems zur Hand zu haben. Als die chinesische Revolution einsetzte, war Deutschland diplomatisch in Peking in allen Stellen durch ganz neue, nicht eingearbeitete Beamte vertreten, und außerdem wurde eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die für den Verkehr zwischen der diplomatischen Vertretung und den chinesischen Behörden unerläßlich ist, nach Deutschland beurlaubt. Kein Wunder, daß wir dabei nichts erreichen. Europäische Berater werden von der chinesischen Regierung benötigt; Deutschland als erste Militärmacht, hätte wohl erwarten können, daß der Ratgeber in militärischen Angelegenheiten ein Deutscher gewesen wäre, aber nicht einmal den Posten haben wir uns damals sichern können.
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